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„Endless Dungeon“ im Test: Kein Spiel für Einzelgänger

Titel des französischen Entwicklerstudios Amplitude Studios sind zumeist an zwei Merkmalen zu erkennen. Zum einen hat sich das in Paris beheimatete Studio mit den so genannten Endless eine eigene, mystische Spezies erschaffen, die in (fast) allen Spielen in irgendeiner Form vorkommt.

Zum anderen liegt der Fokus auf der Entwicklung anspruchsvoller Strategiespiele, die in jeweils unterschiedlichen Settings verortet sind.

Mit letzterem brechen die Amplitude Studios allerdings in ihrem neuen Titel „Endless Dungeon“. Vielmehr versuchen sich die Franzosen an einem Science-Fiction-Roguelike mit Elementen des Tower Defense – und präsentieren damit eine ähnliche Mischung wie bereits bei dem Vorgänger „Dungeon of the Endless“ von 2014. Ob die alte Mischung in neuem Gewand etwas taugt, haben wir für euch getestet.

Die perfekte Welle

Unsere Ausgangslage ist zu Beginn des Spiels, sagen wir, verbesserungswürdig. Wir sind mit unserem Raumschiff im Weltall unterwegs, als wir plötzlich von einer großen Raumstation angezogen werden. Bei einem Aufprall stirbt ein großer Teil der Crew, es gibt nur einen Überlebenden – den wir in einem sich an die Anfangssequenz anschließenden Tutorial auch gleich spielen.

Wir lernen neben der Steuerung die grundlegenden Mechanismen des Spiels, das in verschiedene Level aufgeteilt ist. Jedes Level, das jeweils eine Ebene der geheimnisvollen Weltraumstation darstellt, ist in mehrere Abschnitte unterteilt. Diese Abschnitte durchforsten wir nach Waffen und Ressourcen. Doch das Erkunden birgt seine Risiken. Zwar erhalten wir die Ressourcen nur, wenn wir die Tür zu einem neuen Raum öffnen, aber gleichzeitig besteht die Gefahr, dass sich hinter der gerade geöffneten Tür ein Monsternest befindet, dessen Kreaturen uns direkt angreifen.

Während unser Kristallbot oben links die nächste Tür öffnet, wehren wir mit unseren Helden die Gegner ab. - © Amplitude Studios
Während unser Kristallbot oben links die nächste Tür öffnet, wehren wir mit unseren Helden die Gegner ab. (© Amplitude Studios)

Die Gegner greifen, sobald wir sie entdeckt haben, immer in Wellen an. Insgesamt gibt es vier unterschiedliche Spezies wie riesengroße Insekten oder blecherne Roboter. Über kurz oder lang werden die Gegner zu zahlreich. Das sorgt dafür, dass wir unsere Ressourcen nicht nur in neue Waffen oder Aufwertungen für unseren Helden investieren müssen, sondern auch in Verteidigungstürme. Diese errichten wir auf über die Karte verteilten Bauplätzen.

Mithilfe der Türme lassen sich Knotenpunkte gut verteidigen oder Gegnerströme dezimieren, bevor sie bei uns ankommen. Viel wichtiger ist es jedoch, dass die Gegner nicht zu unserem Kristallbot kommen. Dieser kleine putzige Roboter ist unsere Lebensversicherung in den unbekannten Gängen der Raumstation. Er öffnet uns die Türen zur nächsten Ebene, schürft die Ressource Dust, mit der wir ihn verbessern können – und wenn die Gegner ihn kaputt machen, dann endet die Partie automatisch.

Glücklicherweise bedeutet das nicht das Ende. Denn nach dem Tutorial landen wir im Saloon. Hier treffen wir andere Überlebende und finden heraus, dass die geheimnisvollen Erbauer der Station eine Technologie entwickelt haben, mit der wir wiederbelebt werden können. So können wir uns direkt in das nächste Abenteuer der prozedural generierten Level stürzen. Nach und nach schalten wir weitere Charaktere frei, bauen den Saloon aus oder sammeln Informationen über die Station, bis wir, nach etwa 20 bis 30 Stunden, diese dann endlich verlassen können.

Launiger Koop-Modus

Im Laufe eines Durchgangs stehen uns immer mehr Bauoptionen zur Verfügung. - © Amplitude Studios
Im Laufe eines Durchgangs stehen uns immer mehr Bauoptionen zur Verfügung. (© Amplitude Studios)

Zu Beginn setzt „Endless Dungeon“ die richtigen Impulse: auf der Raumstation gibt es viel zu entdecken. Zudem müssen wir immer wieder neue Lösungswege finden. Denn durch den prozeduralen Aufbau sehen die Level und Abschnitte immer anders aus. Das zwingt zum Umdenken. Außerdem schalten wir nach und nach andere Ebenen der Station frei, wodurch wir auf jeweils andere Gegnerkonstellationen treffen. Je zwei bis drei Gegnerspezies lauern in den Leveln. Jede Spezies ist für eine Schadensart besonders anfällig und gegen eine nahezu immun. Das müssen wir bei unserer Waffenausrüstung und dem Turmbau beachten.

Zudem unterscheiden sich die freischaltbaren Charaktere voneinander. Alle acht bringen unterschiedliche Fähigkeiten, aktive wie passive, mit sich, die mal offensiv, mal defensiv einsetzbar sind. Jeder Charakter verfügt über eine eigene Geschichte und muss im Laufe des Spiels Aufträge erfüllen. Haben wir eine solche Mission erledigt, schalten wir dauerhafte Vorteile frei.

Außerdem können wir unseren Saloon ausbauen. So können wir etwa Rezepte für Drinks sammeln. Haben wir Drinks aktiviert, verändern sie das Spielgefühl grundlegend, indem sie Vor- aber auch Nachteile für unseren nächsten Durchlauf bereitstellen. Oder wir schalten einen Händler frei, der uns, je nach Höhe der Bezahlung, für den nächsten Durchlauf eine Kiste mit Waffen und Ausrüstungsgegenständen bereit stellt.

Eine erfrischende Herausforderung waren zudem die Bosskämpfe, die auf den höheren Ebenen automatisch ausgelöst werden. Die Bosse gehören jeweils zu einer der vier Gegnerspezies und sind besonders schwer zu knacken. Nicht bloß aufgrund ihrer schieren Größe.

Die Krabblermama, man ahnt es schon, ist nicht so gut auf uns zu sprechen. - © Amplitude Studios
Die Krabblermama, man ahnt es schon, ist nicht so gut auf uns zu sprechen. (© Amplitude Studios)

Die Krabblermama etwa, ein monströser Lindwurm, erwacht erst, nachdem wir ein Insektennest entdeckt haben. Wir müssen uns dann sowohl gegen den Boss, als auch gegen die ausschwärmenden Feinde wehren, wobei die Ungeziefermatrone nur an wenigen Stellen ihres Körpers verwundbar ist. Haben wir ihr trotzdem eine gewisse Menge an Schaden zugefügt, rollt sie sich zusammen, ist dadurch unverwundbar und greift uns nicht mehr an – bis wir das nächste Insektennest gefunden haben. Eine nette Idee, wie wir finden, die zugleich nicht nur eine gute Ausrüstung sondern auch viel Teamwork verlangt.

Die aus unserer Sicht hübsche, im Comicstil gehaltene Grafik und die lockeren Sprüche der Charaktere, die sich selbst nicht allzu ernst nehmen, setzen das Spiel zudem gekonnt in Szene.

Am meisten bereitet das Spiel im kooperativen Modus mit einem oder zwei Mitspielerinnen oder Mitspielern Freude.

Zäher Solo-Modus

Der Solo-Modus kann da leider nicht mithalten. Zu mühselig ist die Verwaltung der bis zu zwei Bots während der Durchgänge, zu ungenau sind die möglichen Befehle und zu hektisch wird es in höheren Leveln. Zumeist schieden wir spätestens bei den Bosskämpfen in unseren Solopartien aus, während wir im Koop-Modus diese auf Anhieb meisterten.

Hinzu kommt, dass die Menge der Gegner scheinbar willkürlich generiert wird. Uns ist es zweimal passiert, dass zufällig zu starke Gegner angriffen, denen wir mit der jeweiligen Ausrüstung schlichtweg nicht gewachsen sein konnten.

Außerdem bietet „Endless Dungeon“ zwar am Anfang vieles zum Entdecken und Freischalten. Nach etwa 15 Stunden fühlten sich für uns die Durchgänge aber zunehmend wie Wiederholungen an. Nachdem wir die Level größtenteils erforscht hatten, gab es nicht mehr viel, was uns überrascht hat. Es ging dann eigentlich nur noch darum, so effizient wie möglich durch die Level zu laufen und auf das nötige Glück zu hoffen, um möglichst weit in der Station vorzudringen. Das glich dann eher abarbeiten denn spielen.

Fazit

„Endless Dungeon“ bringt ein eher ungewöhnliches Spielkonzept mit und weiß zumindest am Anfang an den Bildschirm zu fesseln. Die mysteriöse Raumstation im Team zu erkunden hat uns eine Menge Freude bereitet. Dann bietet der Titel kurzweilige Taktikaction im coolen Comicgewand.

Die Motivation lässt allerdings nach wenigen Spielstunden bereits nach. Zudem ist der Spielspaß im Solomodus deutlich reduziert. Damit macht sich das Spiel prinzipiell kleiner als es ist – schade. Wer also keine feste Gruppe, Spielpartner oder Spielpartnerin hat, der sollte eher einen vergleichbaren Titel mit einem guten Solo-Modus, etwa „Hades“, „FTL: Faster than Light“ oder „Risk of Rain“, versuchen.

„Endless Dungeon“ ist erhältlich für PC, Playstation 4/5, Nintendo Switch, Xbox One sowie Xbox Series X/S und kostet rund 30 Euro. Wir haben die PC-Version auf Steam getestet.

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