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Science Fiction

Zukunft von gestern: Wie Science Fiction sich das Jahr 2019 ausgemalt hat

Bielefeld. Wer sich fragt, wie wohl die Zukunft aussieht, kann sich entspannt zurücklehnen. Wir leben sie nämlich. Das Jahr 2019 scheint für die Science-Fiction-Drehbuchautoren der Vergangenheit sehr anziehend gewesen zu sein.

Gleich mehrere Filme, vor allem aus den 80ern, haben sich dieses Jahr ausgesucht. In diesen Zukunftsvisionen geht es 2019 oft finster oder gar apokalyptisch zu, einzig unterbrochen vom Blinken, Piepen und Schrillen der Technik.

Im Detail erscheinen einige Elemente fast prophetisch, während bei anderen Dingen die Filmemacher komplett daneben lagen. Womit also haben frühere Autoren den Nagel auf den Kopf getroffen, wo haben sie uns weiter gesehen als wir sind und in welchen Punkten haben sich Technik und Gesellschaft einfach völlig anders entwickelt? Drei Beispiele.

Blade Runner (1982)

Der Film von Ridley Scott gilt als Geburtsstunde des Cyberpunk. Er basiert auf einem Roman von Philip K. Dick und lässt an Hauptdarsteller Harrison Ford die meiste Zeit kein trockenes Haar (mehr dazu später).

Deckard - so heißt der Protagonist - ist ein ehemaliger Blade Runner, ein Polizist, dessen Mission es ist, auf Abwege geratene "Replikanten" aufzuspüren und zu töten. Replikanten sind künstliche Menschen, die von der mächtigen Tyrell Corporation gebaut werden. Sie dienen als Sklaven und haben eine begrenzte Lebenserwartung.

In Sachen Biotechnologie und künstlicher Intelligenz ist uns die Welt von Blade Runner also einiges voraus, wirft aber damit durchaus Fragen auf, die uns jetzt auch umtreiben: Welche Grenzen setzen wir selbstlernenden Systemen? Wie gehen wir damit um, wenn diese weit über ihre Programmierung hinaus wachsen? Wo hört eine Maschine auf, wo fängt Menschsein an - und anders herum?

Videotelefonie ist in Blade Runner derweil auf jeden Fall das Kommunikationsmittel der Wahl. Allerdings muss der von Ford raubeinig wortkarg gespielte Protagonist dafür eine Art Telefonzelle benutzen.

Überhaupt wirken die winzigen Röhrenmonitore und Computer trotz Sprachsteuerung so gar nicht futuristisch. Dass wir 2019 stattdessen fast alle einen Alleskönner in der Hosentasche dabei haben, war Anfang der 80er wohl einfach noch unvorstellbar.

Dass das Wetter sich massiv verändern könnte, scheint hingegen schon in den Köpfen der Macher gewesen zu sein. Es ist im Film zwar November, aber im sonst doch eher sonnigen Kalifornien regnet es mehr als im nassesten ostwestfälischen Winter. Gut, dass Neonlichter und riesige Werbebildschirme den durchnässten Ford in den dreckigen Straßen von Los Angeles nie alleine lassen, sonst wäre der Film wohl zum Hörspiel geworden.

Apropos Neonlichter und große Werbebildschirme: Die sind aus dem Straßenbild von Großstädten wie Tokio oder New York ja tatsächlich kaum wegzudenken. Und so aufdringlich wie die Werbe-Luftschiffe in Blade Runner sind blinkende Werbebanner und Pop-Up-Fenster im Internet allemal.

Running Man (1987)

In den 80ern kommt man kaum um den Namen Arnold Schwarzenegger herum. Der Action-Star spielte nach dem legendären Terminator (1984) auch die Hauptrolle im Sci-Fi-Actionfilm "Running Man". 2019 sind die USA zu einem Polizeistaat geworden, in dem Zensur und politische Verfolgung alltäglich sind.

Um die Illusion der Freiheit aufrechtzuerhalten, werden die Massen mit einer Reihe von Reality-TV-Formaten bespaßt. Im krassesten von allen werden in einem grausamen Todesspiel Straftäter durch die Trümmer von Los Angeles gejagt.

Die Gesellschaftskritik, die angesichts aktueller Entwicklungen uns auch heute viel zu nah erscheinen kann, geht dabei leider etwas im Action-Spektakel unter.

Ganz so weit wie im Film ist es zwar in den heutigen USA noch nicht, doch einige Ähnlichkeiten können einen durchaus zum Grübeln bringen. Polizeibrutalität gegen Minderheiten, gerade gegen Afroamerikaner, hat in den vergangenen Jahren immer wieder für Schlagzeilen gesorgt.

Bemerkenswert ist, dass der Film die Entwicklung von Reality-TV sozusagen vorausgesagt hat. Allerdings ist er da natürlich nicht die erste in dieser Hinsicht visionäre Geschichte auf Leinwand. Das Millionenspiel (1970) oder Death Race 2000 (deutscher Filmtitel: "Frankensteins Todesrennen") von 1975 waren eher dran.

Die Insel (2005)

Mit dem Michael-Bay-Film "Die Insel" geht es fast 20 Jahre später wieder ins Jahr 2019. Dieses Mal dienen menschliche Klone als Ersatzteillager für die Reichen und Schönen. Ewan McGregor und Scarlett Johansson brechen als Lincoln Six Echo und Jordan Two Delta aus der für die Klone geschaffenen Illusion und ihrem Gefängnis aus.

Sie nehmen es in klassischer David-gegen-Goliath-Manier mit dem mächtigen Unternehmen auf, das sie geschaffen hat, und versuchen, die anderen Klone zu befreien.

Auch hier übernimmt, wie in Blade Runner, biotechnologischer Fortschritt eine wichtige Rolle. Auch wenn das Klonen in den vergangenen Jahren Fortschritte gemacht hat, ganz so weit, dass wir Klone als Organspender züchten, sind wir aber doch noch nicht. Außerdem ist es noch eher unwahrscheinlich, dass eine solche Praxis gesellschaftlich und moralisch akzeptiert werden würde.

Dennoch gehen aktuelle wissenschaftliche Entwicklungen durchaus in diese Richtung. So wollen japanische Forscher menschliche Organe in Tieren heranzüchten, um sie zu transplantieren. Menschliche Stammzellen werden dabei in Tierembryonen injiziert. Diese wachsen dann zu genetischen Mischwesen heran, deren Organe potenziell transplantiert werden könnten.

Neben diesen drei Filmen spielen natürlich auch noch weitere im Jahr 2019. Darunter sind neben dem Anime-Meisterwerk Akira noch einige postapokalyptische Western aus Italien und den USA.

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