Die CDU ist auf dem Weg zurück und hofft, dass es der Weg nach vorn sein möge. Sicher sein kann sie sich dessen nicht. Denn die Hauptbotschaft des neuen Grundsatzprogramms setzt auf die vermeintlichen politischen Gewissheiten des Erfolgs aus der Zeit der Jugend ihres wiedergewählten Parteivorsitzenden Friedrich Merz.
Der Erfinder der sogenannten „Leitkultur“ bringt die CDU zurück zu ihren Wurzeln eines ordo-liberalen Gesellschaftsverständnisses, das auf einem ideologischen Konservativismus gründet. Eckpunkte des Grundsatzprogramms sind also eine Wiedereinführung der Wehrpflicht, die der bislang letzte Verteidigungsminister der Union, Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), 2011 abgeschafft hatte. Dazu beschreibt es den Sockel der Demokratie in der Bundesrepublik mindestens teilweise religiös, wenn es nur dem Islam ausdrücklich ein Bekenntnis zu einem deutschen Leitbild abverlangt.
Die CDU richtet sich damit neu aus. Sie verbannt ihre – identitätsbildende – dritte Wurzel der christlichen Soziallehre in den Hintergrund. Auch das war in den Beratungen zu spüren, etwa in der Debatte um ein härteres Asylrecht. Der Außenpolitiker Norbert Röttgen sprach gar von mangelnder Humanität und Hartherzigkeit. Schließlich deutet sich auch außenpolitisch für die Europäische Union eine Wende an.
Die alte Partei der 16 Jahre lang regierenden Kanzlerin Merkel ist die CDU nun nicht mehr. Folgerichtig blieb sie dem Parteitag fern. Sie setzte auf eine andere Symbolik und besuchte gemeinsam mit dem einstigen DDR-Liedermacher Wolf Biermann den Literarischen Salon im Prenzlauer Berg in Berlin.
Es ist eben die neue, alte Partei von Friedrich Merz. Der will damit Wechselwähler erreichen. Aus dem Lager der Ampel-Koalition werden die kaum noch kommen. Ob die aus dem rechtskonservativen Lager zu neuen Mehrheiten reichen, wird man nach den drei Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg sehen. Dann wird man auch erkennen können, ob es zu einer neuen Kanzler-Mehrheit reicht.