Eine albanische Drogen-Bande soll mehrere große Cannabis-Plantagen in Nordrhein-Westfalen betrieben haben. Ermittler hatten im vergangenen Mai in Dormagen fast 1.200 Cannabispflanzen sichergestellt, in Lüdenscheid rund 4.600 und in Bad Salzuflen 550. Am Mittwoch begann am Düsseldorfer Landgericht der Prozess gegen sieben albanische Angeklagte im Alter von 21 bis 51 Jahren.
Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen gewerbsmäßigen Anbau und bandenmäßigen Drogenhandel in nicht geringer Menge vor beziehungsweise Beihilfe dazu. Beim Auftakt kündigten die Verteidiger Aussagen ihrer Mandanten an.
Zwei Anführer hatten laut Anklage Immobilien angemietet und fünf Landsleute angeworben, die die Plantagen dauerhaft bewirtschaften sollten. Den 21 bis 34 Jahre alten Helfern seien jeweils 10.000 Euro pro Ernte versprochen worden.
Geplante Entführung ließ Aktivitäten auffliegen
Aufgeflogen waren die Plantagen durch ein anderes Strafverfahren, sagte Staatsanwältin Meike Beckmann. Dabei ging es um eine geplante Entführung im Drogenmilieu. Angeklagt waren zwei lettische Söldner. Beide sollten für einen asiatischen Drogenboss einen Mann entführen. Sie waren aber einer Polizeistreife aufgefallen und festgenommen worden.
Bei den weiteren Ermittlungen waren im Mai 25Drogenfahnder dann auf die jetzt angeklagten Albaner gestoßen. Sie waren wochenlang observiert worden. Am 6. Mai des vergangenen Jahres schlugen die Ermittler schließlich zu und hoben die Plantagen aus. An der Aktion waren auch Spezialeinsatzkommandos (SEK) beteiligt. In Bad Salzuflen, Dormagen, Herne, Lüdenscheid, Neuss und Oberhausen schlugen die Ermittler zu.
Der durchschnittliche Energieverbrauch für die illegalen Plantagen soll bei rund zwei Millionen Kilowattstunden pro Jahr gelegen haben. Das entsprach etwa dem jährlichen Verbrauch von 400 Haushalten. Den Strom sollen die Tatverdächtigen illegal aus dem Stromnetz abgezapft haben.
Pro Ernte sollen die Plantagen 150 Kilogramm Cannabis abgeworfen haben. Für den Prozess sind bis zum 23. März weitere sieben Verhandlungstage angesetzt.