Hannover. Das erste Bier ist bereits gezapft, bevor die Hannover-Messe zu Ende geht. Musik tönt durch die Hallen, auf dem Stand eines Herstellers für Kompressoren wippt ein DJ zum Beat, Männer in dunklen Anzügen und weißen Sneakern wippen schüchtern mit. Wenige Meter weiter klingen die kraftvollen Akkorde einer Westerngitarre zu Klassikern von Johnny Cash.
Zu jenem Zeitpunkt werden am Gemeinschaftsstand der Wirtschaftsregion Ostwestfalen-Lippe noch ruhigere Töne angeschlagen. Das Fazit, das hier über die Woche gezogen wird, könnte kaum positiver ausfallen. Häufig hört man bei Gelegenheiten wie dieser von den vielen Gesprächen, die man geführt habe. Firmen und Fachleute aus der Region heben zum Finale der weltgrößten Industrieschau "die Qualität der Gespräche" hervor.
Digitaler Wandel hin, Zoom-Konferenzen her – die Präsenz auf dieser Messe war nach der Pandemie wichtiger denn je. "Der persönliche Austausch am Stand schlägt am Ende jedes digitale Format", sagt Wolfgang Marquardt vom Technologie-Netzwerk "It's OWL". Auch Almut Rademacher von OWL-Maschinenbau findet, die Hannover-Messe habe "nach Corona noch mal einen größeren Wert: Der Messe-Spirit war wieder da."
Der Stand der Region ragt heraus in Halle 7. Organisiert von "It's OWL", der Ostwestfalen-Lippe-GmbH und OWL-Maschinenbau, haben 35 Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Netzwerke ihre Innovationen vorgestellt. "Auf dem Stand kommt alles zusammen, was wir besonders gut können", würdigt Regierungspräsidentin Anna Katharina Bölling (CDU) beim Messefinale: "anpacken und Menschen zusammenbringen."
Die Region wird von internationalen Delegationen gesehen
Die Marketingabteilung der Hannover-Messe soll sogar ein wenig neidisch auf das Motto der Ostwestfalen und Lipper gewesen sein: "Solutions for Industrie Zero". Die Region habe nicht nur mit dem Megathema künstliche Intelligenz gepunktet, erzählt Marquardt, sondern mit klimaneutraler Fertigung und vernetzter Mobilität. Marquardt spricht von einer "sehr guten Resonanz von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik". Über die fünf Messetage seien 25 internationale Delegationen unter anderem aus den USA, Kanada, Singapur, Taiwan und den Niederlanden an den Stand gekommen.
Auch Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur hat sich zu Messebeginn ein Bild gemacht. Begeistert zeigt sich die Grünen-Politikerin vor allem vom Monocab, dem intelligenten Einschienenfahrzeug für die Mobilität im ländlichen Raum, entwickelt an der Technischen Hochschule OWL. Der Prototyp wurde erstmals einem größeren Fachpublikum vorgestellt. Das Monocab sei für alle Nutzergruppen geeignet und könne bis zu 70 km/h fahren, erklärt Projektleiter Thomas Schulte. Womöglich sieht man das Fahrzeug nach der Testphase häufiger in der Region. "Wir hoffen, dass wir bald grünes Licht bekommen."
Auch Start-ups haben am Stand ihren Platz gefunden, was auf eigene Rechnung so prominent kaum möglich gewesen wäre. Zudem gelinge die Vernetzung von Grundlagenforschung und Anwendungspraxis, sagt Reinhold Decker von der Universität Bielefeld. "Wir werden gesehen, vor allem wegen des regionalen Schulterschlusses."
Viele junge Menschen am OWL-Stand
Als Vizeministerpräsidentin hebt Neubaur nur selten einzelne Regionen hervor. Mit ihren Innovationen gehören Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen insgesamt zu den "Treibern der Industrie der Zukunft", erklärte sie während ihres Messeaufenthalts in Hannover. Angesichts der vereinten Kräfte der Hochschulen, Initiativen und Hidden Champions ganz im Nordosten des Landes sagte Neubaur nun dieser Redaktion: "Von OWL lernen, heißt siegen lernen."
Der Geschäftsführer der OWL-GmbH, Björn Böker, der einem auch einiges erzählen könnte, wenn es um die Vorzüge des Rheinlands geht, freute sich auf der Hannover-Messe vor allem über die vielen jungen Menschen am OWL-Stand. Über die Tage hinweg wurden rund 160 Schülerinnen und Schüler über die Fläche geführt, die sich über technische Berufsbilder informiert haben. "Unsere Region", sagt Böker, "wird weit über die Landesgrenzen hinaus wahrgenommen."