Bielefeld. Nach einem herausfordernden Jahr blickt die Wirtschaft in Ostwestfalen-Lippe mit verhaltenem Optimismus auf das Jahr 2026. Immerhin sei man weiterhin eine der wirtschaftsstärksten Regionen Deutschlands. Zugleich wartet mit Blick auf den Ausbildungsmarkt eine besonders große Aufgabe auf die Entscheidungsträger.
Bundesweit rechnen laut Institut der deutschen Wirtschaft (IW) erstmals seit Jahren wieder etwas mehr Branchen mit Produktionszuwächsen. Allerdings werden voraussichtlich nicht mehr Investitionen getätigt und es werden weiter Stellen abgebaut. „Wer auf ein baldiges und umfassendes Ende der Wirtschaftskrise gehofft hat, wird auch 2026 enttäuscht“, sagt IW-Direktor Michael Hüther zu den Ergebnissen der jährlichen Umfrage seines Hauses unter großen Branchenverbänden.
Insbesondere die Industrie steht weiter unter Druck. Mehrere Tausend Jobs sind in diesem Bereich in den vergangenen drei Jahren in OWL gestrichen worden. „Die Ursachen reichen von Stagnation und geopolitischen Konflikten über hohe Energiepreise und steigende Arbeitskosten bis hin zu lähmender Bürokratie“, sagt Jörn Wahl-Schwentker, Präsident der IHK mit Sitz in Bielefeld. Bei der benachbarten Handwerkskammer spricht man von Rissen im Fundament der deutschen Wirtschaft, die schnell gekittet werden müssen.
2026 fehlen in OWL Abiturienten
Eine besondere Herausforderung wird im Jahr 2026 der fehlende Abi-Jahrgang. Hintergrund ist der Wechsel zurück vom Abitur nach zwölf Jahren zum Abitur nach 13 Jahren. Dadurch werden dem Ausbildungs- und Studienmarkt in OWL voraussichtlich rund 5.000 Abiturientinnen und Abiturienten fehlen. „Diese Azubi-Lücke dürfte den ohnehin anspruchsvollen Ausbildungsmarkt belasten“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke. Sie empfiehlt Unternehmen darum, früher und breiter zu rekrutieren und neue Zielgruppen aktiv anzusprechen – „etwa Studienzweifler, Berufskollegschüler sowie internationale Talente.“
Bei den Unis setzt man auf verstärktes Marketing und hofft auf die Abiturienten des Abi-Jahrganges 2025, die wegen des Numerus clausus bisher keinen Studienplatz im Wunschfach bekommen haben und sich dann 2026 noch mal bewerben.
Forderungen aus OWL an die Politik
Für das neue Jahr setzen Kammer und Handwerk auf Innovationskraft, Ausbildungsoffensiven und Politik. Vorteil seien die starken Netzwerke, die enge Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft sowie eine lebendige Gründerszene. „Bei Forschungsausgaben und Patentanmeldungen liegen wir deutlich über dem Landesdurchschnitt“, zählt Wahl-Schwentker auf, was die Region ausmacht.
Die IHK ruft zum aktiven Handeln im neuen Jahr auf und appelliert dafür auch an die Politik. Die Themen sind die gleichen wie das ganze Jahr über schon: „Wir brauchen eine konsequente Entlastung bei den Energiekosten, eine Modernisierungsagenda für Staat und Verwaltung, die Bürokratie abbaut und Digitalisierung vorantreibt, sowie steuerliche Impulse, die Investitionen erleichtern“, sagt Wahl-Schwentker.
Ähnlich äußert sich ebenfalls zum wiederholten Mal die Handwerkskammer. „Gemessen an ihren Versprechen hat die Bundesregierung nach Einschätzung der Handwerkskammer bislang noch nicht ausreichend geliefert.“