Tenor Zoran Todorovich: Vorfreude aufs "Königsprojekt" Otello

Barbara Luetgebrune

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 Tenor Zoran Todorovich - © Privat
 Tenor Zoran Todorovich (© Privat)

Detmold. Was machen Sie eigentlich so? Das fragt die LZ in den nächsten Tagen Menschen, die die lippische Kulturszene lange mitgestaltet haben und heute woanders tätig sind. Den Auftakt macht Tenor Zoran Todorovich, der seine Karriere mit einem Engagement am Landestheater begann. Heute ist er in aller Welt unterwegs. Seine Heimat, sagt er im LZ-Interview, sei aber nach wie vor Lippe.

Herr Todorovich, haben Sie eine Lieblingserinnerung an Ihre Detmolder Zeit?

Zoran Todorovich: Als ich im Landestheater mein erstes Engagement unterschrieben habe, wusste ich, dass viele tolle, aber auch anstrengende Aufgaben auf mich warten würden. Dass ich aber gleich Oper wie Operette und sogar Musical machen würde, wusste ich noch nicht. Und, siehe da, meine tollste und aufregendste Zeit verbinde ich mit der wahnsinnig populären und erfolgreichen Produktion des Musicals „West Side Story".

Welche Produktion der jüngeren Zeit hat Ihnen besonders viel Spaß gemacht?

Todorovich: Die anspruchsvolle, äußerst prestigeträchtige Rolle des Lancelot in der Produktion „Le Roi Arthus" an der Pariser Opéra Bastille im Mai und Juni war eine fantastische und großartige Herausforderung. Und zugleich auch ein schöner Beleg für die Liga, zu der man gehört. Mit den Kollegen Sophie Koch, Thomas Hampson und Maestro Philippe Jordan war es eine Weltklasse-Produktion.

Gibt es ein Haus oder bestimmte Kollegen, mit denen Sie immer wieder gern arbeiten?

Todorovich: Regisseur Louis Désiré liegt mir am Herzen, weil er Kostüme und Szenografie für die Produktion „Francesca da Rimini" am Opernhaus Monte Carlo entworfen und eine wunderschöne und sensible Regie bewiesen hat. Kollegen wie Edita Gruberovà, mit der ich im Oktober 2016 eine Japan-Tournee mit der Oper „Norma" habe, Dirigent Marco Armiliato, Angela Gheroghiu, mit der ich einen fantastischen Gala-Abend im Festspielhaus Baden-Baden hatte, Violeta Urmana in Paris... – Das sind wohl die aktuellen Highlights.

Haben Sie gerade ein größeres Herzensprojekt?

Todorovich: Ja, es erwartet mich nach langer Zeit ein Königsprojekt: die Rolle des Otello. Gleich an zwei Opernhäusern, in Antwerpen und an der Deutschen Oper am Rhein. Das ist wohl die Krönung einer jeden Tenor-Karriere.

Wie sieht Ihr Alltag heute aus?

Todorovich: Ich versuche, mein Pensum von 40 Abenden im Jahr zu halten, weil ich denke, dass man das mit gutem Gewissen und guter Qualität machen kann. Alles darüber hinaus geht schon an die Grenzen in diesem schweren Repertoire. Bis jetzt habe ich immer bis zu drei neue Produktionen und einige Wiederaufnahmen kombiniert. Damit habe ich die besten Erfahrungen gemacht.

Sie sind viel jenseits der deutschen Grenzen tätig. Stellen Sie Unterschiede in den Arbeitsbedingungen fest?

Todorovich: Ich bin sehr viel im Ausland im Vergleich zu früher, aber eine internationale Karriere bringt das so mit sich. In Deutschland pflege ich noch sehr gute Kontakte mit der Semperoper in Dresden, der Bayerischen Staatsoper in München und natürlich Berlin. Sehr regen Kontakt habe ich mit der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf. Das ist ein Haus, das ich besonders lieb gewonnen habe. Die Arbeitsbedingungen sind in dieser Kategorie der Opernhäuser sehr ähnlich und ziemlich gut organisiert.

Hat sich das Opern-Geschäft verändert, seit Sie dabei sind?

Todorovich: Ja, auch der Opernbetrieb hat sich gewaltig verändert mit den gesamten wirtschaftlichen Entwicklungen, die uns täglich begleiten. Die Engagements werden kurzfristiger vergeben, weil die Opernhäuser nicht mehr so lange im Voraus die Finanzen überblicken können. Auch die Schnelllebigkeit einer Karriere, der Umgang mit jungen Stimmen: Alles ist ein wenig oberflächlicher und schneller geworden. Nicht unbedingt zum Vorteil der Sänger natürlich.

Haben Sie noch Kontakte in die kulturelle Szene in Lippe?

Todorovich: Detmold, Lippe ist mein Zuhause. Und selbstverständlich versuche ich, nicht nur die Kontakte zu pflegen, aber auch in verschiedenen Projekten aktiv zu werden. Das beste Beispiel ist die Reihe der Benefizkonzerte im Kloster Marienmünster für den Erhalt der so wichtigen Kloster-Kultur in NRW. Ich bin dankbar, dass ich mit Hans Hermann Jansen da einen fantastischen Gesprächspartner und Initiator gefunden habe. Auch mit dem Intendanten des Landestheaters bin ich gern im Kontakt; wir versuchen immer wieder, unsere Ideen auszutauschen und Möglichkeiten für eine Kooperation zu finden.

Die Fragen stellte LZ-Redakteurin Barbara Luetgebrune.

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