Gegner wollen Pläne für den Friedensraum an den Externsteinen kippen

Astrid Sewing

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- © Archivfoto: Gerstendorf-Welle
Externsteine (© Archivfoto: Gerstendorf-Welle)

Horn-Bad Meinberg/Externsteine. Der Heimatbund kritisiert den Plan, an den Externsteinen ein Wanderkreuz in der Form eines Friedensraums zu bauen. Die Dimensionen des Bauwerks und seine an vorgeschichtliche Kultstätten erinnernde Gestaltung ließen jegliche Sensibilität für diesen besonderen Ort vermissen.

Im Oktober fertig: Schmiedeplatz und Kommunikationsrondell – Heinz Hoenig zeigt es mit den Fingern an. - © Archivfoto: Preuss
Im Oktober fertig: Schmiedeplatz und Kommunikationsrondell – Heinz Hoenig zeigt es mit den Fingern an. (© Archivfoto: Preuss)

Wie berichtet, soll eine Plattform mit zwölf Meter Durchmesser in Sichtweite der Externsteine auf eine Wiese gesetzt werden. Der Künstler Alfred Bullermann will Schmiedevorrichtungen integrieren, die nur bei besonderen Events zum Schmieden genutzt und anschließend mit Platten verschlossen werden.

Gerade erstere Nutzung kritisiert der Heimatbund. Offensichtliche Assoziationsmöglichkeiten seien nicht erkannt worden, „die geradezu als Einladung für eine weitere irrationale Deutung der Externsteine gelten können“. Dazu gehörten die Irminsul, der germanische Schmied Wieland oder das Nageln für einen Siegfrieden. „Wie soll verhindert werden, dass die Externsteine erneut von Rechten als Symbolort vereinnahmt werden?“, schreibt der Heimatbund.

Die angekündigte kommerzielle Nutzung dieses Bauwerks für Schmiedearbeiten und als Mittelpunkt von „Events“ sei zudem nicht mit dem besonderen Charakter der Externsteine und ihres Naturschutzgebietes vereinbar.

Das sehen auch der Heimatverein Horn und die Schutzgemeinschaft Externsteine so, letztere hat einen offenen Brief an die Vertreter der Landesverbandsversammlung geschrieben. Sie hatten das Projekt, das von Lippe Tourismus und Marketing angestoßen worden war, abgenickt. Das sollen sie nun rückgängig machen. „Wir fordern die Vertreterinnen und Vertreter der Landesverbandsversammlung auf, dieses Projekt – wie gut gemeint es auch immer gewesen sein mag – noch einmal gründlich zu überdenken und am Ende von einer Umsetzung an dieser Stelle abzusehen“, heißt es in dem Brief der Schutzgemeinschaft.

Enttäuscht sei man, dass der Lippische Heimatbund und seine Fachstellen, aber auch die Schutzgemeinschaft Externsteine nicht im Vorfeld in die Planungen einbezogen wurden.

Offener Brief der Schutzgemeinschaft Externsteine e.V.

Sehr geehrte Damen und Herren, mit großer Sorge sehen wir das vom Landrat des Kreises Lippe und der Lippe Tourismus & Marketing initiierte Bauprojekt an den Externsteinen, das am 14. August der Öffentlichkeit vorgestellt wurde und das im Vorfeld Ihre Zustimmung gefunden hat. Wie Sie wissen, verbindet den Landesverband Lippe und die Schutzgemeinschaft Externsteine eine mehr als 10-jährige, erfolgreiche Kooperation, nicht zuletzt bei der Realisierung des Informationszentrums.

Die Schutzgemeinschaft versteht sich einerseits als Förderverein für die Externsteine und ihr Naturschutzgebiet, andererseits nimmt sie auch eine Wächterfunktion ein, um Vorhaben zu verhindern, die wir für nicht vereinbar halten mit diesem besonderen Ort, dem wichtigsten Natur- und Kulturdenkmal in Lippe, das mit dem zugehörigen Naturschutzgebiet ein besonders sensibles Schutzensemble bildet. Wir wollen Vorhaben abwehren, die das Denkmal und das Landschaftsbild beeinträchtigen und mit denen das Schutzensemble Externsteine kommerziellen Interessen unterworfen werden sollen.

Die Menschen schätzen gerade die Ruhe, die diesen Ort auszeichnet, in der sie das Natur- und Kulturdenkmal und die Landschaft auf sich wirken lassen können. Wir brauchen solche Orte, die nicht dem ständigen Drang nach neuen vermeintlichen Attraktionen unterworfen sind. In den letzten Jahren hat der Landesverband genau diesen besonderen Charakter des Schutzensembles Externsteine betont und sehr klare und strenge Regeln formuliert, was hier möglich sein soll und was nicht. Wir haben das sehr begrüßt und unterstützen dies aus voller Überzeugung. Umso irritierter sind wir über das geplante Projekt.

Im Vorfeld war von einem „Wanderkreuz” die Rede und nichts ließ vermuten, dass es sich um ein derart überdimensioniertes Bauwerk handeln würde, das zudem noch für „Events” genutzt werden soll. Zum ersten Mal seit dem Abbruch des Hotelgebäudes vor 50 Jahren wird nunmehr ein neues Bauwerk mit direkter Sichtbeziehung zu den Externsteinen errichtet, eine Metallkonstruktion von 12 Metern Durchmesser mit einer Holzsäule von 12 Metern Höhe. Dieses überdimensionierte Bauwerk soll auf der unter Naturschutz stehenden Wiese vor den Felsen errichtet werden.

Das ist ein Bruch mit der bewährten Landschaftskonzeption, die ab 1959 vom Landesverband Lippe in enger Abstimmung u. a. mit dem Lippischen Heimatbund, dem damaligen Regierungspräsidenten Drake und Vertretern der Landschafts- und Denkmalpflege erarbeitet und umgesetzt wurde. Dass es sich bei dem geplanten Bauwerk um ein Kunstwerk handelt und dieses für eine vage formulierte Funktion als Treffpunkt für Friedenskundgebungen genutzt werden soll, macht es nicht akzeptabler. Wir sind auch enttäuscht, dass wir als Kooperationspartner hier vor vollendete Tatsachen gestellt werden und keine Chance hatten, vor einer Entscheidung unsere Einschätzung zu diesem erheblichen Eingriff in das Schutzensemble geben zu können.

Das Bauprojekt ist zudem mit einer handwerklichen und kommerziellen Nutzung verbunden, die dem Schutzensemble Externsteine nicht angemessen ist. Es sollen hier Schmiedearbeiten ausgeführt und die dabei produzierten Nägel gegen „Spenden” von 100 bzw. 1.000 Euro verkauft werden. Auch wenn ein größerer Teil der Einnahmen einem wolkig formulierten „guten Zweck” zukommen soll, so wird der Künstler doch laufende Einnahmen erzielen. Künstlerische Interventionen müssen an einem solchen Ort besonders sensibel sein. Das geplante Bauwerk zeigt aber nicht die geringste Sensibilität für den Ort, sowohl in den klotzigen Dimensionen als auch in den Assoziationen mit Stonehenge, der Irminsul und anderen frühgeschichtlichen Kultstätten, die sich angesichts der Gestaltung des Objektes im örtlichen Kontext aufdrängen.

Das Kunstwerk gibt damit, ob gewollt oder nicht, eine einseitige und fragwürdige Stellungnahme zu den Kontroversen, die das Denkmal Externsteine seit langem begleiten. Wir unterstellen dem Künstler keine ideologischen Absichten, müssen ihm aber Ahnungslosigkeit attestieren, denn völkisch orientierte Externsteine-Anhänger werden dieses Kunstwerk zweifellos begrüßen und für sich vereinnahmen.

Angesichts der sehr kurzfristigen Terminplanung des Projektes bitten wir Sie umgehend um eine Stellungnahme zu folgende Fragen:

1) Kann der Landesverband nach diesem Präzedenzfall weitere kommerzielle Eingriffe und vermeintliche Zusatzattraktionen im Schutzensemble Externsteine glaubhaft abwehren?

2) Hält die Verbandsversammlung diesen Bruch mit einer mehr als fünzigjährigen Tradition für einen angemessenen Umgang mit dem ihr anvertrauten Schutzensemble? Wie rechtfertigt sie dies gegenüber ehrenamtlichen Bürgerbewegungen wie dem Lippischen Heimatbund, dem Kreisverband Lippe des Naturschutzbundes Deutschland, dem Naturwissenschaftlichen und Historischen Verein für das Land Lippe und der Schutzgemeinschaft Externsteine, die kontinuierlich Mitverantwortung übernehmen für unser historisches und landschaftliches Erbe in Lippe und hierzu im Vorfeld nicht gefragt wurden?

3) Wie wollen Sie die an dem Bauwerk erzielten Einnahmen und deren Verwendung kontrollieren? Wer definiert den „guten Zweck”, für den die Gelder verwendet werden? Gibt es eine zeitliche Begrenzung für die teils kommerzielle, teils gemeinnützige Nutzung des Bauwerks? Steht der Einsatz von öffentlichen Geldern zum Bau dieser Anlage in einem auch nur annähernd angemessenen Verhältnis zu den zu erwartenden Spendeneinnahmen?

4) Welche Rechte werden dem Künstler eingeräumt? Wird das Bauwerk Bestandsschutz genießen und wenn ja, über welchen Zeitraum?

5) Wenn das Publikumsinteresse am Erwerb der Nägel nachlässt oder sich erst gar nicht einstellt, wenn sich das Interesse des Künstlers und seiner prominenten Fürsprecher anderen Projekten zuwendet, wenn sich die vollmundig angekündigten Friedenskundgebungen im Sande verlaufen, was geschieht dann mit dem nutzlos gewordenen Bauwerk?

6) Der geplante Standort auf einer unter Naturschutz stehenden Wiese und in unmittelbarer Waldnähe scheint der Verbandsversammlung ernsthaft geeignet für den Betrieb einer schmiedetechnischen Anlage? Und das, nachdem man gerade erst auf derselben Wiese das Entzünden von Feuern zur Walpurgisnacht, Sommersonnenwende und anderen Terminen mühsam unterbunden hat?

7) In das Informationszentrum und die Neugestaltung der Wanderwege im Naturschutzgebiet sind Fördermittel der NRW-Stiftung und des EU-Programms EFRE geflossen. Hat sich die Verbandsversammlung rückversichert, dass das Vorhaben mit deren Zielsetzungen vereinbar ist und der Landesverband nicht Gefahr läuft, Fördermittel rückerstatten zu müssen?

8) Wie will die Verbandsversammlung verhindern, dass die Anlage von Völkischen und Rechten vereinnahmt wird?

9) Auch wenn sie vandalismussicher sein soll, so ist doch offenkundig, dass die Anlage einer kontinuierlichen Pflege bedarf. Wer soll sich um die Instandhaltung der Anlage kümmern und wer kommt dafür finanziell auf?

10) Wieso bedarf es eines so monumentalen Bauwerks, um Friedenskundgebungen abzuhalten? Böten die Felsen selbst mit ihren einzigartigen historischen Anlagen dafür nicht eine mehr als angemessene und eindrucksvolle Kulisse?

Wir haben den Eindruck, dass sich die Landesverbandsversammlung hier blauäugig auf ein vielleicht gut klingendes, aber in jeder Hinsicht fragwürdiges Projekt eingelassen hat. Mails und Anrufe, die uns erreichten, zeigen ebenso wie die Reaktionen in den sozialen Netzwerken, dass wir mit unserer kritischen Sicht nicht alleine dastehen, ganz im Gegenteil. Auch der Lippische Heimatbund e. V., der Kreisverband Lippe des Naturschutzbundes Deutschland e. V. und der Naturwissenschaftliche und Historische Verein für das Land Lippe e. V. teilen unsere Kritik an dem Vorhaben. Wir fordern die Verbandsversammlung auf, dieses Projekt noch einmal gründlich zu überdenken und auf seine Realisierung an diesem Standort zu verzichten.

Mit freundlichen Grüßen

der Vorstand der Schutzgemeinschaft Externsteine e. V.

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