Arno und André Stern gestalten inspirierenden Abend 
im Sommertheater

Barbara Luetgebrune

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Im Detmolder Sommertheater: André Stern (links), Anke Sjöberg vom Malort Detmold und Arno Stern. - © Barbara Luetgebrune
Im Detmolder Sommertheater: André Stern (links), Anke Sjöberg vom Malort Detmold und Arno Stern. (© Barbara Luetgebrune)

Detmold. 93 Jahre alt ist er. Er sitzt auf der Bühne des Sommertheaters, erzählt unaufgeregt und bescheiden von kleinen Entdeckungen und großen Erkenntnissen – und das Publikum im voll besetzten Haus hört ihm gebannt zu. Arno Stern, Gründer des ersten Malortes in Paris und Erfinder des Malspiels, war für einen Vortrag in der lippischen Residenzstadt zu Gast. Er gestaltete den Abend gemeinsam mit seinem Sohn André Stern.

Einen sehr persönlichen Einblick in seine Lebensgeschichte gewährte Arno Stern den Zuhörern. Er berichtete von der Vertreibung seiner in Kassel beheimateten Familie durch die Nazis im Dritten Reich, von seiner Internierung in einem Arbeitslager in der Schweiz und von seiner Tätigkeit in einem Heim für Kriegswaisen in Paris.

Dort ließ er die Kinder malen – und weil er Platz brauchte, stellte er die Farben in die Mitte des Raumes und nagelte Bretter vor die Fenster, so dass möglichst viele Kinder ihre Blätter an den Wänden aufhängen und sie bemalen konnten: Der Malort war geboren, auch wenn er diesen Namen – inspiriert durch die hebräisch-hessisch-französische Diktion seines Vaters, wie Arno Stern erzählte – erst später erhalten sollte. Eines aber war ihm sofort klar: Wie wichtig das Malspiel für die Entwicklung der Kinder war.

Arno Stern berichtete, wie er herausfand, dass alle malenden Kinder mit den gleichen Figuren beginnen, wie ihr Malen die gleichen Phasen durchläuft, und zwar – wie er bei seinen Reisen entdeckte – quer durch alle Kulturen. „Die Formulation ist die Äußerung dessen, was in der organischen Erinnerung bei der Bildung des Organismus aufgespeichert wurde. Von diesen so wesentlichen Ereignissen kann unser Verstand nicht berichten": Das ist eine der zentralen Erkenntnisse Arno Sterns. Das bedeutet auch: Kinder malen nichts ab – sie malen, was in ihnen ist. Sie zu belehren, sei daher unnötig, gar schädlich. „Es ist alles schon da", sagt Arno Stern.

Vom Vertrauen ins Kind und seine angeborenen Stärken als Grundhaltung in der Erziehung berichtete André Stern, der den Abend mit einem kurzweiligen Vortrag eröffnete. „Kinder kommen als Potenzialbomben auf die Welt. Sie können alles lernen, was es gibt", sagte er. Und das wichtigste Werkzeug dafür sei ihnen ebenfalls angeboren: „Es gibt zum Lernen nichts Bessere als das Spiel." Das Kind kenne keinen Unterschied zwischen Spielen und Lernen. Anschaulich schilderte André Stern, wie Kinder verletzt würden, wie ihnen die Begeisterung genommen werde, wenn Erwachsene das Spielen und das Lernen voneinander trennten und an entgegengesetzten Enden einer Wichtigkeitsskala ansiedelten.

Der Malort als Raum, in dem beides wieder zusammenfließen kann, in dem auch Erwachsene zu sich selbst, zu ihrer eigenen Spur zurückfinden können: Anke Sjöberg vom Malort Detmold hatte Arno und André Stern zu dem Vortragsabend eingeladen.

Den inneren Bildern folgen

Der Malort ist ein in sich geschlossener Raum, der mit Malwänden und einer mit 18 Gouache-Farben bestückten Palette ausgestattet ist. Das Malspiel ist ritualisiert und folgt einfachen Regeln, die es dem Malenden erleichtern, in seinen eigenen Malprozess einzutauchen und seinen inneren Bildern zu folgen. Im Malort entstehen keine Kunstwerke, die für einen Betrachter bestimmt sind. Es wird nicht nach einem vorgegeben Thema gemalt und nichts gelehrt, vielmehr geht es darum, dass die Malenden zu sich selbst kommen. Mehr Infos: www.malort-detmold.de

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