Lemgo. Die letzten Möbel werden noch zusammengebaut, ein Handwerker klebt eine Folie mit dem neuen Logo „byHey“ an die Glastür zum großen Tanzsaal. „Das sieht super aus“, freut sich Constanze Hey, die gemeinsam mit ihrer Mutter Margret und ihren Mitarbeiterinnen noch alle Hände voll zu tun hat. Gerade erst der emotionale Abschied vom Schützenhaus, wo am 31. Mai nach 38 Jahren der letzte Tanzkurs in den alten Räumen stattfand, jetzt bereits die ersten Angebote in der neuen Location an der Lageschen Straße 10. „Es ist ein großer Umschwung“, sagt Constanze Hey. So bleibt das Stammhaus, der „Tanztreff“ an der Herforder Straße, zwar vorerst bestehen. Die Zukunft der ältesten aktiven Tanzschule der Hansestadt liegt jedoch am neuen Standort. Minimalistisches Design Während sich im Tanztreff optisch alles auf dem Stand der letzten Komplettrenovierung im Jahr 2000 befindet, wie Ex-Chefin Margret Hey erklärt, weht an der Lageschen Straße ein anderer, modernerer Wind. Viel Weiß, Beton, die Decke in Schwarz, das Design insgesamt zurückgenommen-minimalistisch: Das ist die Handschrift, die ihre Tochter Constanze den Räumen in Absprache und mit Unterstützung von Hausverwaltung und Eigentümern gegeben hat. „Alles soll hier durch das Licht zum Leben erwachen - Rot zum Tango, Bunt für die Disco ...“, erläutert die Chefin das mit einem Architekten erarbeitete Konzept. Zuvor schon war hier eine Tanzschule beheimatet, „aber es war, gelinde gesagt, alles sehr in die Jahre gekommen“. Vom Fußboden über die Beleuchtung und die Sanitäranlagen bis hin zu Soundsystem und Schallschutz – „sehr wichtig, denn wir wollen uns ja weiterhin gut mit unseren Nachbarn verstehen“, sagt Hey und lacht – musste alles neu gemacht werden. Die Summe möchte sie nicht öffentlich machen, doch es ist ein substanzieller Betrag. Keine Basis mehr Sowohl am alten Standort im Schützenhaus, wo laut Hey für notwendige Renovierungen keine gemeinsame Basis mit der Lemgoer Schützengesellschaft gefunden wurde, als auch an der Herforder Straße hätte sich diese Neuaufstellung nicht umsetzen lassen. „Die Immobilie an der Herforder Straße gehört uns“, erläutert Constanze Hey, „doch wir dürfen dort – außer den Türen – nichts mehr verändern.“ Der Grund: An der Bundesstraße sei man mit dem Tanztreff inzwischen das letzte Gewerbe in einem Wohngebiet. Es sei ihnen gestattet, dort zum Beispiel ein Ärztehaus zu eröffnen, nicht jedoch die Tanzschule um- oder gar auszubauen. Darüber wissen die Heys seit sieben Jahren Bescheid. Doch der Wunsch, neue Kursangebote für die rund 500 aktiven Tänzerinnen und Tänzer – etwa parallel für Kinder und deren Mütter – umzusetzen, blieb bestehen. An der Lageschen Straße stehen dafür nun zwei Säle nebeneinander zur Verfügung, insgesamt 320 Quadratmeter. Diese werden im Hauptsaal mit der Theke allerdings von Säulen unterbrochen. Hier sieht Hey, vor allem für die Paartänzer, eine Phase der Gewöhnung auf sich und ihr Team zukommen. Schwerer Abschied Überhaupt falle gerade langjährigen Bestandskunden der Abschied vom Schützenhaus schwer. „Es war schon emotional“, sagt Hey. „Ich bin 35 Jahre alt, wir waren 38 Jahre lang im Schützenhaus – ich bin dort quasi großgeworden.“ Dennoch: „Wir schauen jetzt nach vorn, und wir freuen uns“, sagt Margret Hey, die es sich gleichwohl nicht nehmen ließ, als letzten Tanz am Schützenplatz den gefühligen Schlager „Auf Wiederseh’n, auf Wiederseh’n“ zu spielen. Ein Wiedersehen wird es an der Lageschen Straße mit den Comedy-Veranstaltungen der Heys geben, und auch andere Events von der Firmen- bis zur Hochzeitsfeier sollen sich hier umsetzen lassen. Erste Anmeldungen gibt es schon – „eine große Verantwortung“, wie Hey Junior betont. Es sei eine Herausforderung gewesen, sich während der gut ein Jahr dauernden Planungs- und Bauphase das Endprodukt vorzustellen. In „Bautagebüchern“ auf Instagram ließ die Tanzschule ihre Follower an den Fortschritten teilhaben. Schützen machen neue Pläne Aktuell – „diesen Monat haben wir noch ein hartes Pensum“ – räumen sie parallel zum Neustart die Räume im Schützenhaus. Dort sollen 25 Tische und 180 Stühle einen neuen Besitzer finden. Wer Bedarf hat, könne sich gegen eine Spende bedienen, so Hey. Das Geld komme dem Lemgoer Mittagstisch zugute. Was danach noch an Möbeln übrig sei, gehe an die Rumänienhilfe und soll in einem Heim für Menschen mit Behinderungen zum Einsatz kommen. Wie es mit dem ehemaligen Tanzsaal im Schützenhaus weitergeht, steht indes noch nicht fest. Einen neuen Pächter können die Schützen auf Nachfrage noch nicht präsentieren. Jörg Mayer, Oberst der Lemgoer Schützengesellschaft, bedauert das Ende der Tanzschul-Ära, betont jedoch, dass bereits Ideen für eine neue Nutzung im Gespräch seien. In Kürze gebe es hier sicher Neues zu berichten.