Prof. Alexander Wagner lebt nicht mehr

Sven Koch

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Alexander Wagner.  - © Vera Gerstendorf-Welle
Alexander Wagner.  (© Vera Gerstendorf-Welle)

Detmold. Der Detmolder Chorleiter, Hochschullehrer und Komponist Prof. Alexander Wagner ist am 19. Dezember 2019 im Alter von 93 Jahren in Detmold gestorben. Über einen ungewöhnlich langen Zeitraum hinweg hatte Wagner als Professor für Chorleitung und Dirigieren von 1957 bis 1992 Generationen von Studierenden der Hochschule Musik Detmold ausgebildet und begleitet. Darüber hinaus leistete er als langjähriger Kantor der Detmolder Christuskirche von 1949 bis 1994 unschätzbare Dienste für die Chormusik in Detmold.

Würdigung

Er gründete laut dem Nachruf der Hochschule für Musik die dortige Kantorei, die bis heute durch kirchenmusikalische Aufführungen wichtige Akzente im Detmolder Konzertleben setzt. „Alexander Wagner hat Maßstäbe für das Studium in Detmold gesetzt und die Geschicke der Hochschule bis zu seinem Lebensende interessiert begleitet. Mit ihm ist nicht nur ein hervorragender Musiker, sondern auch ein kritischer Freund und wichtiger Zeitzeuge von uns gegangen", so würdigte ihn Hochschulrektor Prof. Dr. Thomas Grosse.

„Rundfunkproduktionen und Konzertmitschnitte seiner Chöre bezeugen den glasklaren Gestaltungswillen Alexander Wagners", beurteilte Anne Kohler als heutige Professorin für Chorleitung der Hochschule Wagners künstlerisches Vermächtnis.

Biografie

Bis zuletzt habe er als Zeuge rege und eifrig am Detmolder Konzertleben teilgenommen und war am fachlichen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen sehr interessiert. Wagner unterhielt bis zuletzt enge Verbindungen zur Hochschule. Anfänglich als Dozent angestellt, erfolgte 12 Jahre später die Ernennung zum Professor in der Nachfolge von Kurt Thomas, der 1956 zum Kantor der Leipziger Thomaskirche berufen wurde. Zuvor studierte Wagner nach Zwischenstationen in Berlin und Hannover an der damaligen Nordwestdeutschen Musikakademie bei Wilhelm Maler, Kurt Thomas und Michael Schneider.

Er begriff sich als Feinmechaniker, der alle Untiefen der Chorarbeit, besonders diejenigen mit Laien kannte", erinnert sich Prof. Dr. Joachim Thalmann, der selbst lange Jahre sein Schüler war. Künstlerisch tätig war er vor allen Dingen mit drei Ensembles: Als Leiter des Kammerchores Capella, dem damaligen studentischen Kammerchor der Hochschule, mit dem vocalensemble alexander wagner sowie der Kantorei der Christuskirche Detmold, mit denen etliche Rundfunkmitschnitte entstanden. Doch auch mit den Schul- und Kirchenmusikern erarbeitete er Programme bis zur Aufführungsreife, die er überzeugend in zahlreichen Konzerten umsetzte. „Wichtig war mir, dass die Schüler das Handwerk lernen, mit dem sie in der gesellschaftlichen Praxis leben können", so lautete eine von Wagners Devisen.

Neben der Hochschultätigkeit

Stets ging es ihm darum, dass seine Studierenden das Beste aus dem Möglichen machen, unabhängig davon, ob sie vor einem Schulchor oder einer Kantorei stehen würden. Im Unterricht betonte er die Aufrechterhaltung des entsprechend der Komposition historisch richtigen Klangbilds in der Musik sowie das Durchdringen der geistigen Aussage eines Werks. Neben seiner Hochschultätigkeit setzte sich Wagner auch für die gottesdienstliche Musikpflege ein, wirkte als Orgelsachverständiger der Lippischen Landeskirche und edierte ungezählte Kompositionen für Gottesdienste.

Nach seiner Emeritierung 1991 wandte er sich stärker seiner Tätigkeit als Herausgeber zu. Er überarbeitete das „Lehrbuch der Chorleitung" seines Lehrers Kurt Thomas und ist Herausgeber des Chormusik- und Oratorienführers, beim Reclam-Verlag erschienen, welches heute zu einem Standardwerk geworden ist. Wagner komponierte weiterhin anspruchsvolle Kirchenmusik für Laien. Noch vor drei Jahren veranstaltete die Hochschule in Zusammenarbeit mit der Christuskirche Detmold ein Ehrenkonzert anlässlich Wagners 90. Geburtstag, zu dem zahlreiche seiner ehemaligen Schülerinnen und Schüler nach Detmold reisten. Die Hochschule wird sein Andenken in Ehren bewahren.

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