Mitmach-Roman Finale: Ein Erdstoß bringt die Wahrheit ans Licht

Sven Koch

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Wird aus dem Thriller ein Liebesroman? Spielen Außerirdische eine Rolle?  - © Mysticsartdesign/Pixabay
Wird aus dem Thriller ein Liebesroman? Spielen Außerirdische eine Rolle?  (© Mysticsartdesign/Pixabay)

Angela stand neben dem Reh und starrte erneut auf den toten Körper. Ja, sie war sich nun sicher, wie das alles zusammenhing, und sprach Helfried ein zweites Mal auf die Mailbox, denn er ging schon wieder nicht dran. Vermutlich war er in einer Besprechung bei Zemtex mit Fredo Pfitzner – aber, verflucht, er musste sofort dort verschwinden. Alle mussten das!

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Auch Angelas Cousin Timo, der Betriebsingenieur bei Zemtex war und den sie nun anrief. „Timo", keuchte sie ins Telefon. „Du musst sofort das Zemtex-Gelände verlassen. Es ist lebensgefährlich. Die toten Tiere ..."

Denn eben war Angela ein Licht aufgegangen: Das Reh auf der Straße hatte zwar keine Schusswunde, musste sich aber im Wald oder an Stacheldraht einen Riss zugezogen haben. Sein Blut war kirschrot. Diese Farbe nahm Blut bei einer Kohlenmonoxidvergiftung an.

Außerdem hatte ihr Assistent Jörg Angela aufgezeigt, dass die Fundorte der Tiere ein Kreuz über dem Pfitzner-Imperium bildeten. Dazu das Erdbeben, und Angela wusste von Timo über die Kohlendioxid-Verpressungsanlage unter dem Zementwerk. Monoxid, Dioxid ...

Angela wusste zu wenig über die Technik. Aber vielleicht entstand das eine beim Verarbeiten des anderen, und sie war sich sicher, dass das Erdbeben einen Schaden an der unterirdischen Anlage verursacht haben musste und Gas freigesetzt hatte, dass nach oben gedrungen war und die Tiere getötet hatte. Es war sicher auch imstande, Menschen zu töten. Sie erklärte Timo ihren Verdacht – und betete, dass Helfried die Nachricht abhörte.

„Verdammt", murmelte Timo und beendete das Gespräch. Angela hatte kapiert, was geschehen war – zumindest einen Teil. Er stand in dem alten Schuppen, und nur er wusste, was sich darunter verbarg. Etwas, das so schnell wie möglich verschwinden musste. Er öffnete das Bodenfach und nahm den Plastikbeutel mit seiner blutbespritzten Kleidung und dem Messer heraus.

Es war das Blut von Conny Meyer zu Wippermann, die sich heute Nacht zu einem Treffen mit einem LZ-Reporter beim Felsenwirt an den Externsteinen verabredet hatte, um ihm Unterlagen zuzuspielen. Nun, das hatte Timo verhindern können – und die Dokumente aus Connys Rucksack steckten mit in der Tüte.

Als Betriebsingenieur von Zemtex trug er mitsamt dem Chef Fredo Pfitzner einen großen Teil Verantwortung für den Pfusch, denn das war kein Erdbeben gewesen, oh nein, das hatte damit zu tun, dass das Kohlendioxid als Abfallprodukt bei der Zementherstellung unter hohem Druck verpresst wurde – naja, und wenn man EU-Fördergelder unterschlagen hatte, minderwertige Technik einbauen ließ und die Tanks platzen, dann rummste es gewaltig.

Nicht auszudenken, wenn die Dokumente an die Presse gelangt wären, zumal Timo von Pfitzner eine stolze Summe erhalten hatte, mit der er seine horrenden Spielschulden begleichen konnte. Schließlich schnappte er sich den Beutel, um ihn im Auto zu verstecken und zu entsorgen – und lief los.

Das tat an anderer Stelle auch Helfried Kesting. Pfitzner und Kommissar Florian Fuhrmann waren im Nebenzimmer und redeten. Helfried hatte die Zeit genutzt und die Mailbox abgehört. Er platzte in die Unterredung, erklärte, was los war: 
Kohlendioxid, die Tiere, die Verpressungsanlage.

Was er nicht sagte, was aber Pfitzner sofort kapierte: „Angela weiß Bescheid." Eben noch hatte Helfried ihm als Anwalt aufgezeigt, wie sie alle heile aus der Sache herauskommen könnten. Wartungsarbeiten an der Anlage, ein Unfall an den Rohren, EU-Gelder, ein Bauernopfer ... Aber jetzt sah das schon wieder ganz anders aus.

In diesem Moment wackelten die Wände. Der Boden dröhnte. Erneut gab es einen Erdstoß. Florian Fuhrmann hielt sich am Tisch fest. Dann sprang er auf, packte Pfitzner am Sakko und rief: „Raus hier! Sofort!" Er folgte Helfried Kesting und vielen weiteren Menschen, die schreiend aus dem Gebäude auf den Betriebshof liefen.

Schließlich bebte die Erde nicht mehr. Florian sah einen Mann neben einem Auto am Boden auf allen Vieren kriechen. Er musste gestürzt sein und sammelte seine Sachen zusammen, die aus einer Tüte gefallen waren. Es war ... Blutige Kleidung? Ein Messer? Flo zog die Dienstwaffe: „Keiner", rief er über den Hof, „bewegt sich auch nur einen Zentimeter!"

Einige Tage später schloss Angela die LZ und rieb sich den Nasenrücken. Es war unfassbar, was bei Zemtex vor sich gegangen war. Timo – ein Mörder ... Das Schlimmste war, dass Helfried, mit drin hing. Er hatte Verträge und Dokumente gefälscht – und saß nun ebenfalls in Untersuchungshaft. Sie könnte auch gleich die Scheidung einreichen.

Angela musste dringend mit dem Grundschulleiter Jörg Richter darüber sprechen, wie die Kinder das mit ihrem Vater alles wegstecken würden. Sie erinnerte sich an Richters Lächeln, den Geruch seines Aftershaves. Am besten, dachte Angela und wählte seine Nummer, sie würden das alles in Ruhe bereden. Bei einem Abendessen ...

Ende

Information

Das war's

Was hat es mit dem merkwürdigen Erdbeben und den toten Tieren in ganz Lippe auf sich? Was verbirgt sich auf dem Produktionsgelände von Zemtex? Und hat der Mord an Conny Meyer zu Wippermann etwas damit zu tun? Werden Flo Fuhrmann und Dr. Angela Kesting das Rätsel lösen? Und wird die Tierärztin den attraktiven Schulleiter Jörg Richter wiedersehen?

Seit LZ-Redakteur Sven Koch mit Folge 1 die Vorlage gegeben hat, haben LZ-Leser die Fäden aufgenommen und den „Lippe kreativ"-Fortsetzungsroman mit viel Fantasie weitergesponnen. Zum Finale übernimmt noch einmal Sven Koch das Zepter. Keine leichte Aufgabe, die vielen Handlungsstränge zusammenzuführen, selbst für einen Bestsellerautor. Doch das Ergebnis spricht für sich! 

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