Vorschau auf die Dauerausstellung: Eine Reise durch die Geschichte der Kurstadt

Alexandra Schaller

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Ein Panoramablick in den letzten Raum der stadtgeschichtlichen Dauerausstellung. Hier geht es um die Kurstadt im 20. Jahrhundert. - © Alexandra Schaller
Ein Panoramablick in den letzten Raum der stadtgeschichtlichen Dauerausstellung. Hier geht es um die Kurstadt im 20. Jahrhundert. (© Alexandra Schaller)

Bad Salzuflen. Gar nicht so leicht, Kurdirektor August Diekmann an die Strippe zu kriegen. „Sie drehen in die falsche Richtung", sagt Sonja Beinlich vom Stadtarchiv und deutet auf die Wählscheibe. „Vielleicht müssen wir doch eine Infotafel anbringen, wie man das Telefon benutzt", sagt sie und lacht. Dann endlich klappt es, die Stimme des früheren Kurdirektors schallt aus dem Telefonhörer. Und der Einstieg in die stadtgeschichtliche Dauerausstellung in die Wandelhalle ist geschafft.

Fast zweieinhalb Jahre sind seit den ersten Vorüberlegungen vergangen, nun rückt die Eröffnung am 2. Juli in greifbare Nähe: Ab 3. Juli kann dann jeder Kurparkbesucher einen Abstecher in die Ausstellungsräume machen. Auf gut 160 Quadratmetern haben fast 250 Exponate Platz gefunden – gar nicht so leicht, eine Auswahl zu treffen, gibt Stadtarchivar Arnold Beuke zu. Am Ende ist es ihm und seiner Kollegin Sonja Beinlich aber gelungen.

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Los geht es nach dem Besuch der Telefonzelle mit einer Zeitreise in die 1960er Jahre im ersten Raum. An der Stelle war früher eine Therapieraum, die Original-Fliesen erinnern daran. „Hier werden bestimmt bei vielen Besuchern Erinnerungen geweckt", sagt Arnold Beuke. Der Schlüsselkasten der früheren Wandelhalle, Möbelstücke, ein Ausschanktisch für die Trinkkur, Pelzjacke, Warenautomat und Co. stehen bereit. An einer Hörstation erzählen Zeitzeugen von Früher. Arnold Beuke war es wichtig, mit den 1960ern in die Ausstellung einzusteigen – schließlich wurde in diesem Jahrzehnt die Wandelhalle eröffnet. „Wir wollten den Ort, an dem wir uns befinden, erklären", sagt er.

Ab ins Mittelalter

Über einen blauen Tunnel aus Sole und Salz geht es von Raum zu Raum chronologisch weiter: Vom Mittelalter über das 19. hinein ins 20. Jahrhundert. „Die Räume sind selbsterklärend, es wird später kein Personal hier sein", sagt Beuke. 250.000 Euro haben Ausstattung und Einrichtung gekostet. Und Beuke ist zufrieden mit dem Ergebnis: „Wir haben eine Ausstellung mit Qualität geschaffen." Hingucker im Mittelalter-Raum ist ein großes Stadtmodell, das später noch multimedial ergänzt werden soll – dann sollen die Besucher die Geschichte einzelner Gebäude hören können.

Fotostrecke: Vorschau auf die Dauerausstellung in der Wandelhalle

Wer seinen Blick von hier aus über die in dezentem Beige gehaltenen Wände schweifen lässt, blickt quasi über die Stadt hinaus ins Umland – nach links in Richtung Herford, nach rechts in Richtung Schötmar. Und sieht nicht nur das Panorama, sondern auch ganz schön viel Text. „Wir haben es so eingeteilt, dass man sich rauspicken kann, was einen interessiert", sagt Sonja Beinlich. Man habe versucht, das Ganze optisch wahrnehmbar zu machen. Am Lesen komme man aber nicht vorbei. „Schließlich sind wir das Projekt auch konservativ angegangen. Die Ausstellung soll ja über Jahre fundiert die Geschichte der Stadt erzählen", sagt Beuke. Ergänzt durch die Multimediastationen soll aber auch jüngeres Publikum angesprochen werden.

19. Jahrhundert in knalligem Grün

Knallig wird es im nächsten Raum. Von einem runden Sitzmöbel in der Mitte aus lässt der Besucher den Blick über die grünen Wände schweifen. Per Knopfdruck erzählen Salzufler Persönlichkeiten von ihrem Leben, parallel leuchten die zugehörigen Exponate auf. Wem das noch nicht reicht, der bekommt auch hier reichlich zu lesen. Dazu muss man bei der teils doch recht kleinen Schrift auch schon mal näher ran, darf sich auch mal bücken oder strecken. „Man muss sich schon bewegen", sagt Sonja Beinlich.

Zum Abschluss gibt es eine kleine Tanzeinlage im letzten Ausstellungsraum. In der 1920er-Jahre-Ecke gleich hinter der großen Litfaßsäule sind die Tanzschritte des Charleston aufgemalt. Wer will, darf sich ausprobieren. „Inzwischen meine Lieblingsecke", sagt Sonja Beinlich. Über die Einrichtung des Raumes habe man besonders lange debattiert. „Es gibt einfach so viel zu erzählen."

Mehr als ein beliebiger Provinzort

Am Ende steht nun alles unter dem Motto „Ausbruch aus der Provinzialität". „Wir wollten zeigen, dass die Kurstadt eben mehr als nur ein beliebiger Provinzort ist", erklärt Beuke. Viele Exponate und zahlreiche Erklärungen führen über die Hoffmann’s Stärkefabriken, den Aufschwung des Kurortes bis hin zum Nationalsozialismus und der britischen Besatzungszeit. Natürlich habe man hier aus Platzgründen vieles nur anreißen können, sagt Beuke. Aber: Zum Eintauchen in die Geschichte reicht es allemal.

Süßwaren gesucht

Im ersten Raum der stadtgeschichtlichen Dauerausstellung dreht sich alles um die 1960er Jahre. Hierzu ist auch ein Warenverkaufsautomat aufgestellt worden, wie er früher in der Fußgängerzone hing. Für 1 Mark konnte man sich hier zum Beispiel Pralinen aber auch Strümpfe ziehen, erzählt Stadtarchivar Arnold Beuke. Um den Automat zu befüllen, sucht das Stadtarchiv noch alte Süßwaren-Verpackungen aus den 60er und 70er Jahren. Wer etwas zuhause hat, kann sich unter Tel. 05222-952920 melden.

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