Dem Pickert auf der Spur

Heidi Stork

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Für Marlies Witte (links) und Christiane Lampenscherf von der Landfrauen-Ortsgruppe Lemgo-Schötmar-Kirchheide/Wüsten gehört der Pickert zu Lippe wie das Hermannsdenkmal und die Externsteine. - © Heidi Stork
Für Marlies Witte (links) und Christiane Lampenscherf von der Landfrauen-Ortsgruppe Lemgo-Schötmar-Kirchheide/Wüsten gehört der Pickert zu Lippe wie das Hermannsdenkmal und die Externsteine. (© Heidi Stork)

Bad Salzuflen-Lockhausen. Im Volksmund wird der Pickert gerne als „Nationalgericht" der Lipper bezeichnet. Wer die Region besucht, kommt um das pfannkuchenartige Gericht nicht herum. Seinen Ursprung hat das frühere „Arme-Leute-Essen" in der ländlichen Bevölkerung des damaligen Fürstentums Lippe, welches sich noch bis in die 1930er Jahre hinein überwiegend von dem verpflegte, was auf dem eigenen oder gepachteten Acker wuchs.

Für Marlies Witte und Christiane Lampenscherf vom Landfrauen-Ortsverband Lemgo-Schötmar-Kirchheide/Wüsten gehört der Pickert zu Lippe wie das Hermannsdenkmal und die Externsteine. Aber was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem lippischen und einem westfälischen Pickert? „Der westfälische Pickert ist ein Kastenpickert, der im Ofen gebacken, später in Scheiben geschnitten und anschließend in der Pfanne gebraten wird. Obwohl es derselbe Teig ist, schmeckt der westfälische 
Pickert ganz anders als der lippische", verrät Christiane Lampenscherf, die mit ihrer Familie auf dem Gut Vinnen in Lockhausen wohnt.

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Als „Rucksacklipperin" ist sie 1986 in den Kreis gekommen. „Ich kannte bis dahin zwar Pfannkuchen, aber keinen Pickert", erzählt die Landfrau, während sie die Pfannen auf Temperatur bringt. Denn der aus Mehl, geriebenen Kartoffeln, Eiern, Hefe, Milch und Rosinen bestehende Teig sei nun lange genug „gegangen", betont die 58-Jährige. Als gebürtige Wüstenerin hat Marlies Witte (58) ihr in Sachen „Nationalgericht" einiges voraus. „Denn 
Pickert gab es bei uns zwar eher unregelmäßig, aber als Lipperin bin ich natürlich damit groß geworden."

Während der Teig auch heute noch nach Omas Rezept angerührt wird, hat sich der Belag im Laufe der Jahre verändert. „Meine Mutter servierte nur gesalzene Butter und Rübenkraut dazu", erinnert sich Marlies Witte. Weil der Pickert von Haus aus aber eine eher deftige, herzhafte Speise sei, werde heute auch Pesto und Lachs dazu gereicht.

Als interessante Variante ersetzt Christiane Lampenscherf einen Teil des Mehls gerne mal durch Buchweizen. „Der 
Pickert bekommt dann eine leicht nussige Note." Gibt es auch vegane Pickert-Kreationen? „Ich habe es noch nie ausprobiert", betont Lampenscherf. Es werde sicherlich schwierig, die Eier zu ersetzen. „Eventuell funktioniert es, wenn man die Flüssigkeitsmenge erhöht, aber dann sättigen sie bestimmt nicht mehr", vermutet die Lockhauserin.

Was sollte man bei der Zubereitung beachten? „Beim Ansetzen des Teigs sollte die Schüssel unbedingt groß genug sein", verrät Lampenscherf augenzwinkernd. Es sei ihr mehrmals passiert, dass der Teig während des Gärungsprozesses über den Rand der Schüssel gelaufen sei. Zudem solle die Pfanne nicht zu heiß sein, um die empfindliche Hefe langsam zu backen. Grundsätzlich biete sich der Pickert als Zwei-Tage-Essen an. „Am besten brät man ihn am zweiten Tag noch mal kurz in der Pfanne", empfiehlt Marlies Witte. Angeblich könne man den Pickert auch in den Toaster stecken und dort erwärmen. „Ausprobiert haben wir diese Methode allerdings noch nicht", betonen die beiden Landfrauen. Doch egal ob frisch zubereitet oder am nächsten Tag erneut erhitzt, zu einem Pickert gehört traditionell immer eine Tasse Kaffee.

Lippischer Pickert (für acht bis zehn Esser)

Zutaten: 1 kg Mehl, 10 Eier, 1 kg Kartoffeln (ca. 8 dicke Kartoffeln), 2 Würfel Hefe (oder 2 Tüten Trockenhefe), 1/2 Liter warme Milch, 1-2 EL 
Zucker, je nach Geschmack, 1 EL Salz, 250 g Rosinen, ca. 1/2 Liter Rapsöl zum Ausbacken.

- Kartoffeln schälen, reiben und in eine große Schüssel geben. Ist die Kartoffelmasse sehr flüssig, in einem Sieb abtropfen lassen, Stärke auffangen und wieder den Kartoffeln zufügen.Mit Mehl, Eiern, Milch, Zucker und Salz zu einem geschmeidigen, nicht zu flüssigen Teig verarbeiten.

- Die Hefe in einer Tasse mit etwas warmer Milch und 1/2 TL Zucker anrühren und einige Minuten gehen lassen, bis die Hefe den Tassenrand erreicht hat. Hefe zum Pickertteig geben, nach Geschmack Rosinen unterrühren und etwa 1-2 Stunden an einem warmen Ort gehen lassen.

- Reichlich Öl in einer Pfanne erhitzen und je drei kleine oder einen großen Pickert abbacken.

- Mit Butter, Pflaumenmus, Rübenkraut, Marmelade oder Leberwurst warm servieren.

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