Bad Salzuflen-Schötmar. Wenn man mit Ulrich Kaminsky über das Gelände des Umweltzentrums Heerser Mühle (UWZ) geht, tut man gut daran, ihm gleichzutun: den Kopf einziehen, wenn er ihn einzieht, einen Ausweichschritt machen, wenn er einen macht. Der Charme des Areals liegt darin, dass es nicht zu Tode gepflegt ist – Ecken und Kanten sind ausdrücklich erwünscht. Die hat auch UWZ-Geschäftsführer Kaminsky selbst: Bis heute besitzt er beispielsweise kein Handy. Für unsere Serie „Meine Lieblingsecke“ hat er sich ein Plätzchen ausgesucht, um das es im Vorfeld einige Diskussionen gab, wie er lachend berichtet. „Die Bank zum Werreblick“ heißt dieser Ort – ein Baum, eine Bank, von der aus der Blick direkt auf die Werre fällt, gelenkt durch einen blauen Rahmen. „Hier kann man manchmal Eisvögel und Kormorane beobachten“, sagt Kaminsky. Die beschauliche Idylle wird lediglich vom Lärm der B239 ein wenig getrübt – was wiederum gut zum Thema passt: Die Bank liegt im „Recyclinggarten“, einem in Teilen verwilderten Gelände, das auf eine Idee des Musikers Théophile Bonhert zurückgeht. Er sei vor rund 15 Jahren mit dem Vorschlag an das UWZ herangetreten, Müll und Schrott so zu platzieren, dass sie im Laufe der Jahre von der Natur überwuchert werden, berichtet Kaminsky. Unter anderem habe Bonhert Altreifen eingebracht. „Es ging ihm um eine gesellschaftskritische Auseinandersetzung mit dem Thema Müll“, erklärt Kaminsky. Er selbst war anfangs nicht begeistert von der Idee, alte Reifen auf dem Gelände zu platzieren. „Wir haben lange diskutiert“, erinnert sich Kaminsky. „Am Ende hat sich Théophile mit fast allem durchgesetzt“, sagt er schmunzelnd. Heute findet sich im „Recyclinggarten“ auch ein alter Trabant – der Legende nach einst im Einsatz bei den DDR-Grenztruppen. Gekauft habe man ihn für 1 Euro. Heute ist das Gesamtkunstwerk mit dem Namen „Erich“ ein beliebtes Fotomotiv für die Besucherinnen und Besucher des UWZ. Außerdem gibt es zusammengeschweißte Räder, von nachwachsenden Bäumen aufgebrochene Rohre und vieles mehr. Eines der Kunstwerke sei sogar einmal gestohlen worden, berichtet Kaminsky. Seither sei man dazu übergegangen, das eine oder andere Objekt einzubetonieren. Die meisten Arbeiten habe Théophile Bonhert selbst ausgeführt. „Dabei musste er immer aufpassen, dass er sich nicht die Finger verletzt“, sagt Kaminsky – denn hauptberuflich ist Bonhert Kontrabassist der Nordwestdeutschen Philharmonie (NWD). Zurück zur „Bank zum Werreblick“: Wer dort selbst einmal sitzen möchte, hat täglich zwischen 8 und 20 Uhr Gelegenheit dazu – so lange ist das UWZ-Gelände, Heerser Mühle 1 (Zufahrt von der Oerlinghauser Straße aus), geöffnet. Haben Sie auch eine Lieblingsecke in Bad Salzuflen, die Sie gerne in der LZ vorstellen möchten? Dabei kann es sich um eine Kneipe, eine Grünfläche, eine Straße oder ein Gebäude handeln – entscheidend ist lediglich, dass die Lieblingsecke öffentlich zugänglich ist. Falls Sie mitmachen wollen, schicken Sie eine E-Mail an skienscherf@lz.de und schreiben Sie in den Betreff: Lieblingsecke. Alle Folgen „Meine Lieblingsecke“ finden Sie hier.