Bad Salzuflen/Ehrsen-Breden. Erst befürchtete Dieter Werner, die Bauakte seiner Wohnung in Ehrsen sei beim Brand im Rathaus im August 2024 vernichtet worden – dann stellte sich heraus, dass sie doch noch vorhanden ist. Der 77-jährige aus Ehrsen ist verärgert, wie die Stadt mit seinen Unterlagen umgegangen ist. „Das ist doch nicht im Sinne des Bürgers“, sagt Werner. Ursprünglich wollte er mit seiner Eigentumswohnung ein Darlehen absichern und dafür die Bauakte vorlegen. Inzwischen will er die Räume verkaufen – auch dafür möchte er das Dokument. Die Akte lagerte wie Tausende andere in der Registratur im Keller des Rathauses, wo am 27. August 2024 ein Feuer ausgebrochen war. Laut damaliger Darstellung der Stadt war vermutlich ein technischer Defekt die Ursache. Betroffen war nach städtischen Angaben das gesamte Bauaktenarchiv: rund 20.000 Akten mit 2,4 Millionen Blatt, 81.000 Zeichnungen und 27.000 gebundenen Seiten. Anfang 2025 wurde Werner telefonisch mitgeteilt, seine Akte sei „verkokelt“, so erzählt er es unserer Redaktion. Schriftlich hieß es, sie sei nicht digitalisiert und momentan nicht zugänglich. Man werde sich bei ihm melden. Das Darlehen seiner Bank erhielt Werner letztlich auch ohne Bauakte. Von der Stadt habe er dagegen nichts mehr gehört, berichtet er. Nicht verfügbar Werner akzeptierte zunächst, dass seine Akte nicht verfügbar war. Später, als er sich zum Verkauf der Wohnung entschloss, empfahl ihm seine Bank aber, das Dokument dennoch zu besorgen. Er fragte erneut bei der Stadt an – er habe dabei sarkastisch gefragt, ob im Fall eines Feuers im Steueramt auch keine Grundsteuern mehr erhoben würden, wenn die entsprechenden Akten nicht zugänglich seien. Wenig habe er einen Anruf von der Stadt erhalten: „Herr Werner, gute Nachricht – Ihre Bauakte ist vorhanden“, erinnert er sich an den Inhalt des Gesprächs. Für ihn ist der Fall klar: Er kritisiert, er habe seine Unterlagen nur durch wiederholtes Nachfragen erhalten. Seine Bankmitarbeiterin habe ihm gegenüber ebenfalls vermutet, dass die Akte nur deshalb aufgetaucht sei, weil er Druck gemacht habe. Er fragt sich darüber hinaus, warum die Akten nicht ohnehin längst digitalisiert worden sind – immerhin ist der Brand über ein Jahr her. Zehn Prozent digitalisiert Die Stadt teilt auf Anfrage unserer Redaktion mit, dass bisher etwa zehn Prozent des Bestands – rund 2000 Akten – digitalisiert seien. Für den Rest laufe derzeit die Ausschreibung, ab September solle die weitere Digitalisierung beginnen und mehrere Monate dauern. Auf die Frage, wie Auskünfte in Einzelfällen erteilt werden, erklärt die Stadt: „Wenn es aktuell zu Akteneinsichtsanfragen kommt, wird geprüft, ob die angefragte Akte bereits digitalisiert wurde oder ob sie sich im Zwischenlager befindet.“ Dorthin seien die Akten nach dem Brand verbracht worden. Dass Werner seine Akte letztlich nur bekam, weil er am Ball bleib, so wie er vermutet, bestreitet die Stadt: „Alle Antragsteller werden gleichbehandelt. Entweder werden die extern ausgelagerten Akten einzeln herausgesucht und zur Akteneinsicht bereitgestellt oder – sofern bereits möglich – digital bereitgestellt.“ Warum die Akte von Dieter Werner zunächst nicht auffindbar war und dann nach seinem erneuten Anruf auf einmal doch, erklärt die Stadt nicht. Für Werner bleibt der Eindruck, dass ohne seine Beharrlichkeit nichts passiert wäre. „Wenn ich mich nicht massiv beschwert hätte, wäre die Akte wohl weiter als ,verbrannt’ verbucht geblieben“, sagt er.