Kreis Lippe. Für Bahnreisende ist es ein Déjà-vu: Kaum sind die Sperrungen überstanden, ist eine neue vierwöchige Unterbrechung in Sicht. Von Sonntag, 19. Oktober, bis Samstag, 15. November, fahren zwischen Bad Salzuflen und Detmold beziehungsweise zwischen Oerlinghausen und Lemgo keine Züge. Darüber hinaus ist fürs Frühjahr 2026 eine neue, 46-tägige Sperrung rund um Lage vorgesehen. „Die Leidensfähigkeit der lippischen Bahnfahrer wird auf eine harte Probe gestellt“, kommentiert das Dr. Rudolf Hüls (Lage) vom Fahrgastverband „Pro Bahn“. Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Die Regionalexpress-Linie 82 von Bielefeld über Detmold nach Altenbeken („Der Leineweber“) wird voraussichtlich bald wieder planmäßig fahren. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember werde die Eurobahn den zurzeit ausgedünnten „Leineweber“ wieder planmäßig bedienen, berichtet Kurt Kalkreuter unter Berufung auf die Ankündigung einer Führungskraft des Verbands NWL (Nahverkehr Westfalen-Lippe). Der SPD-Politiker aus Lage ist stellvertretender Vorsitzender der NWL-Verbandsversammlung. Der NWL hatte die Eurobahn Anfang 2025 übernommen – mit dem Ziel, das Unternehmen zu stabilisieren. Die Krise scheint nun überwunden. Wurde im Sommer zu wenig gearbeitet? Anders bei den Bauarbeiten am lippischen Schienennetz: Hier ist die Bahn-Tochterfirma DB InfraGo zuständig. Und es ist offenbar noch einiges zu reparieren und zu modernisieren. Über den Sommer wollte die DB InfraGo an den fraglichen Strecken in Lippe arbeiten, auch, damit sie bald vom neuen elektronischen Stellwerk in Lage gesteuert werden können. Doch: „Die ursprünglich für November 2025 geplante Inbetriebnahme des neuen Stellwerks in Lage ist aufgrund nicht abgeschlossener Vorarbeiten abgesagt worden“, stellt der NWL fest. Stattdessen sei nun die neue Sperrung ab dem 19. Oktober für Weichenarbeiten notwendig. Warum? „Pro Bahn“ vermutet, dass die Bauarbeiten im Sommer nicht wie geplant ausgeführt wurden. Hüls: „Die Bahn hat die Zeit nicht genutzt. Es liegt nach wie vor viel Schienenmaterial einschließlich Weichen am Bahnhof Lage, das für den Austausch bestimmt war.“ So konnte Hüls Ende August während der Sperrung nach eigenen Worten „keinerlei Arbeiten zwischen Herford und Detmold ausmachen“. Das erinnert an die Situation im Sommer 2024, als während einer längeren Sperrung ebenfalls nicht die vorgesehenen Bauarbeiten stattfanden. Für Hüls ist klar: „Die DB InfraGo kriegt die Arbeiten nicht geregelt und sperrt deshalb einfach noch mal.“ Investitionen in die Infrastruktur seien natürlich sinnvoll. Doch für ihn sind Umfang und Häufigkeit der Sperrungen deutlich zu großzügig dimensioniert. Das jetzige Vorgehen sei „nicht akzeptabel“. Sperrung schon im Juni angekündigt Die Pressestelle der DB verweist indes gegenüber der LZ darauf, die neuerliche Sperrung ab dem 19. Oktober schon im Juni angekündigt zu haben. Die entsprechende Mitteilung enthält den Hinweis auf eine Sperrung „von Mitte Oktober bis Mitte November“. Dann würden zwölf Weichen sowie Gleise auf mehr als drei Kilometern erneuert. Ebenso nannte die Bahn bereits im Juni den Sommer 2026 als Termin für die Inbetriebnahme des elektronischen Stellwerks. Die Arbeiten laufen laut DB derzeit auf Hochtouren. „Nach Inbetriebnahme des neuen Stellwerks werden die Züge auf allen Gleisen zwischen Bad Salzuflen-Sylbach, Lage und Detmold sowie zwischen Lemgo und Oerlinghausen elektronisch gesteuert. Die Züge werden dann pünktlicher und zuverlässiger fahren können“, kündigt die Bahn an. Eurobahn muss Ersatzverkehr organisieren Gleichwohl gibt es Unzufriedenheit. Kalkreuter betont: „Der NWL macht deutlich, dass er den Ärger abbekommt, die Gründe für die Streckensperrungen aber bei der DB InfraGo liegen.“ Hüls bestätigt: Sperrt die Bahn eine Strecke für Bauarbeiten, muss die Eurobahn den Schienenersatzverkehr mit Bussen organisieren und auch bezahlen. Bei den jüngsten Sperrungen über den Sommer habe die Eurobahn sich deutlich bemüht, auch wenn in Sachen Fahrgastinformation nicht alles wie vorgesehen geklappt habe. Mit den Arbeiten im Oktober/November ist es jedenfalls noch nicht überstanden: Aus Unterlagen des NWL geht hervor, dass es eine weitere Sperrung vom 27. März bis zum 11. Mai 2026 zwischen Bad Salzuflen und Lage geben soll. Weil „wichtige Infrastrukturmaßnahmen“ wiederholt verschoben worden seien, fordert der NWL nun, „den Dialog mit allen einzubindenden Partnern“ zu vertiefen. Nach den Worten von Rudolf Hüls ist das eine alte Forderung von „Pro Bahn“: Einmal im Jahr müsse es einen Austausch zwischen DB, NWL und Politik zu Bauarbeiten geben. Und: Die Politik müsse Druck machen, um für eine bessere Koordination zu sorgen. Mehr zum Thema Statt der Eurobahn fahren ab dem 19. Oktober Ersatzbusse durch Lippe