Bad Salzuflen. Die Gradierwerke prägen das Stadtbild und sind zugleich ein wichtiger Bestandteil des Kurbetriebs: Über Schwarzdorn-Reisig rieselt Sole, die die Luft reinigt und ein gesundheitsförderndes Klima schafft. Damit diese Anlagen dauerhaft funktionieren, geht die Stadt nun einen neuen Weg: Das Uhrenturmgradierwerk an der Salinenstraße wird zu einem „Reinigungsgradierwerk“ umgebaut. Künftig soll es Mineralablagerungen gezielt aufnehmen und so die übrigen Gradierwerke entlasten. Der Neubau des Uhrenturmgradierwerkes ist ein großes Bauprojekt für 2026 in der Kurstadt. Mit der Abnahme des Uhrenturms sollen die weiteren Vorarbeiten für die Schaffung des „Reinigungsgradierwerks“ beginnen. Bereits in dieser Woche hätte der Turm abgehoben und abtransportiert werden sollen, um anschließend komplett überarbeitet zu werden. Doch aufgrund der aktuellen Witterungsverhältnisse verzögern sich die Arbeiten. Neue und innovative Konzeption Die Gradierwerke in Bad Salzuflen sind als großflächige Freiluftinhalatorien das Herzstück des örtlichen Kurbetriebs. Täglich rieseln bis zu 600.000 Liter Sole über rund 5000 Quadratmeter Schwarzdorn-Reisig, um ein gesundheitsförderndes, meeresähnliches Mikroklima zu erzeugen. Ein natürlicher Nebeneffekt dieses Prozesses ist die sogenannte Versinterung: Mineralische Ablagerungen wie Kalk und Eisen setzen sich auf den Ästen fest und verstopfen diese mit der Zeit. Aufgrund des mittlerweile ganzjährigen Betriebs müssten die Schwarzdornbündel in immer kürzeren Intervallen – alle sieben bis zehn Jahre – kostenintensiv ausgetauscht werden, schreibt die Stadt in einer Mitteilung. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, setze die Verwaltung auf ein bundesweit einmaliges Konzept. Durch den Umbau des Uhrenturmgradierwerks zu einem speziellen „Reinigungsgradierwerk“ werden die Mineralablagerungen gezielt an dieser Stelle konzentriert. Dies entlaste die übrigen Bauwerke und verlängere die Lebensdauer des Schwarzdorns dort erheblich. Angesichts stark gestiegener Materialpreise für Schwarzdorn zielt das Projekt auch auf eine langfristige Kostensenkung und Ressourcenschonung ab. Witterung verzögert die Arbeiten „Aufgrund der Witterung und der Vorhersage für die nächsten Tage müssen wir den Abbau des Turmes und damit die Vorarbeiten leider verschieben“, heißt es jedoch in dieser Woche von der Stadt. „Die Holzkonstruktion des Gradierwerks ist bei diesen Bedingungen sehr feucht und die Handwerker würden wie auf einer Eisbahn laufen“, sagt Christian Meinardus, persönlicher Referent des Bürgermeisters. Die Arbeiten, wie das Lösen von Verbindungen zwischen Uhrenturm und Gradierwerk, könnten daher nicht wie geplant stattfinden. Wann es losgehen kann, sei wetterabhängig. Nach Fertigstellung soll der Uhrenturm seinen angestammten Platz als ikonischer Abschluss dieses Gradierwerkes wieder einnehmen. Die Baumaßnahmen für das Großprojekt starteten bereits Anfang November des vergangenen Jahres mit der Entfernung der vier Uhren aus dem Turm, die derzeit laut Pressemitteilung neu aufbereitet werden. Die weiteren Maßnahmen folgen voraussichtlich ab Frühjahr dieses Jahres. Förderung vom Land Das Großprojekt umfasst ein Volumen von rund 7,9 Millionen Euro. Unterstützt wird die Maßnahme durch das Land Nordrhein-Westfalen mit einer Förderung in Höhe von 3,4 Millionen Euro, um die touristische und gesundheitswirtschaftliche Strahlkraft des Standortes nachhaltig zu sichern.