Phoenix Contact erlebt großen Auftragsanstieg

Jana Beckmann

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Frank Stührenberg, CEO von Phoenix Contact, bei der digitalen Pressekonferenz. - © Phoenix Contact
Frank Stührenberg, CEO von Phoenix Contact, bei der digitalen Pressekonferenz. (© Phoenix Contact)

Blomberg. Der Elektronikhersteller Phoenix Contact mit Sitz in Blomberg ist glimpflich durch die Coronakrise gekommen. Der Umsatz im Jahr 2020 betrug 2,4 Milliarden Euro, ein Rückgang von 3,6 Prozent im Vergleich zu 2019. „Das ist eine Delle, aber alles andere als ein Einbruch", berichtet CEO Frank Stührenberg. Er gehe davon aus, dass diese bereits 2021 kompensiert werden könne.

Tatsächlich war das Unternehmen nicht „super optimistisch" in das Jahr 2020 gestartet, da es bereits Ende 2019 konjunkturelle Eintrübungen gab. Mit dem Lockdown ab März seien alle Planungen hinfällig gewesen. Neben der Schaffung von mobilen Arbeitsplätzen und Coronatest-Angeboten im eigenen Betrieb stand unter anderem die Sicherung von Lieferketten im Fokus.

Von der internationalen Aufstellung profitiert

„Wir mussten unsere Transportwege verändern und sind zum Teil vom Flugzeug auf die Bahn nach China umgestiegen, über die neue Seidenstraße", berichtet der CEO. Das habe erhebliche Kostensteigerungen um den Faktor fünf oder sechs verursacht. Auf Grenzschließungen sei mit höheren Beständen reagiert worden, Aufträge seien teilweise innerhalb der Gruppe verschoben worden – etwa von Indien nach China. „Hier haben wir von der internationalen Aufstellung profitiert", so Stührenberg.

Asien sei schnell aus den Einschränkungen für die Wirtschaft herausgekommen. Dort schloss Phoenix Contact das Jahr 2020 sogar mit einem mit einem zweistelligen Plus ab. In Europa stabilisierte sich die Lage im zweiten Halbjahr, bevor die Auftragslage im vierten Quartal schließlich wieder anzog und das Minus deshalb lediglich bei 4 Prozent landete. Bis heute deutlich im Minus sind laut Stührenberg die Standorte in Amerika, gleichwohl die neue Regierung einiges leichter mache.

Trotz der schwierigen Situation wurden 2020 mehr als 150 Millionen Euro investiert, unter anderem in die Logistik in Blomberg, die Produktion und Logistik in Herrenberg (Süddeutschland) und ein Produktions- und Logistikzentrum in Nanjing (China). Die Zahl der Mitarbeiter betrug Ende des Jahres 17.100 und ging damit leicht zurück, was laut dem CEO aber nicht auf einen Personalabbau zurückzuführen ist. Vielmehr seien Stellen aus Vorsicht nicht nachbesetzt worden. Darüber hinaus wurde das Mittel der Kurzarbeit genutzt.

Anstiieg von mehr als 20 Prozent

Mittlerweile verzeichnet Phoenix Contact bei den Auftragseingängen einen steilen Anstieg von mehr als 20 Prozent, den es nun zu bewältigen gilt. Dazu will das Unternehmen mehr als 400 Mitarbeiter einstellen und 170 Millionen Euro investieren. „Wir glauben nicht, dass dies nur ein Nachholeffekt ist, sondern dass sich hier eine Entwicklung einstellt", sagte der CEO. Eine Entwicklung hin zu mehr Elektrifizierung – wofür Phoenix Contact die entsprechenden Produkte anbietet, zum Beispiel in puncto Elektromobilität.

Anfang des laufenden Jahres nahm die Phoenix-Contact-Tochter E-Mobility seinen neuen Standort in Polen in Betrieb. Auf 15.000 Quadratmetern werden hier Ladekabel gefertigt. Die Tochtergesellschaft mit aktuell 340 Mitarbeitern erwartet für 2021 einen Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro. Die Investitionen der gesamten Phoenix-Contact-Gruppe sollen sich dieses Jahr auf 7 Prozent des Umsatzes belaufen. Um sich in diesem Zusammenhang authentisch zu verhalten, möchte das Unternehmen noch vor 2030 komplett klimaneutral werden.

Kommende Woche ist das Unternehmen bei der Hannover Messe Digital vertreten und will seine Produkte vorstellen. Für die "NearFi"-Technologie ist Phoenix Contact für den Hermes Award 2021 - dem Industriepreis, mit dem die Deutsche Messe AG Produkte oder Lösungen mit einem hohen technologischen Innovationsgrad auszeichnet - nominiert. Damit können Daten und Energie kontaktlos über die Luft, mit einem Abstand von bis zu 10 Millimetern, in Echtzeit übertragen werden. Ihren ersten Einsatz erfährt die Technologie in den "NearFi"-Kopplern, die beispielsweise bei Industrierobotern genutzt werden, um einen Werkzeugwechsel zu vereinfachen. Die Koppler ersetzen hier verschleißanfällige Steckverbindungen.

Neben der Hannover Messe Digital will Phoenix Contact wieder sein eigenes digitales Format, die „Dialog Days", als Plattform anbieten, um sich mit seinen Kunden und Interessenten auszutauschen und neue Technologien und Produkte vorzustellen. „Natürlich ist ein persönlicher Kontakt durch nichts zu ersetzen", so Stührenberg. „Über Guided Tours und Live-Chats wollen wir den Besuchern trotzdem einen unmittelbareren Dialog bieten."

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