Blomberg-Brüntrup. Spinnweben brennen wie Zunder. Und feuchtes Heu ist im wahrsten Wortsinn brandgefährlich. Das weiß Landwirt Friedrich Niedermeier, seit er ein Kind ist und ihm sein Vater von dem großen Scheunenbrand auf dem Hof der Familie am Ortseingang von Brüntrup berichtet hat. 28 Kühe konnten damals gerettet werden, der Dachstuhl allerdings nicht. Das verheerende Feuer ist auf einem historischen Foto aus dem LZ-Archiv zu sehen. Bauhistoriker Heinrich Stiewe aus Wellentrup erkannte es und sprach Friedrich Niedermeier aus dem Nachbardorf darauf an: „Das ist doch euer Hof.“ Und richtig: Das genaue Datum der Katastrophe kennt Friedrich Niedermeier nicht, jedenfalls ereignet sich der Brand aber wohl im Mai oder Juni 1958, ein Jahr vor seiner Geburt. Sein Vater habe berichtet, dass er Brandgeruch aus der Scheune wahrgenommen habe: „Oben lagerte Heu, unten standen 28 Kühe.“ Spinnweben verteilen die Flammen Das Heu sei wohl feucht gewesen und habe sich durch einen chemischen Prozess selbst entzündet: „Oben am Dachstuhl gab es ganz viele Spinnweben. Und mein Vater hat immer erzählt, dass er sehen konnte, wie sich die Flammen über die Spinnweben in rasender Geschwindigkeit auf dem ganzen Dachboden von der einen Seite zur anderen verteilt haben.“ Die Feuerwehr konnte das Dach der großen Scheune nicht mehr retten. Aber zumindest die Kühe konnten noch abgebunden und auf der Weide hinterm Haus in Sicherheit gebracht werden - Mensch und Tier kamen nicht zu Schaden. Auch Niedermeiers Schwester, die zu jenem Zeitpunkt erst einige Monate alt war, stand regelmäßig im Kinderwagen auf dem Hof. „Ich habe ihr damaliges Kindermädchen befragt. Sie ist inzwischen 86 und konnte sich noch daran erinnern, dass sie mit meiner Schwester ins Dorf fahren sollte.“ Weit weg vom Chaos und Qualm. Helfer aus der Nachbarschaft Die Scheune, die Friedrich Niedermeiers Großeltern Fritz und Marie im Jahre 1937 „mit Gottes Hilfe“ errichtet hatten, wie eine Steinplatte verrät, brannte nicht bis auf die Grundmauern nieder. Lediglich der Dachstuhl musste neu aufgebaut werden. Und das passierte mit Hilfe des damaligen örtlichen Zimmermanns Dux und vielen Helferinnen und Helfern aus der Nachbarschaft. Friedrich Niedermeier hat alte Fotos gefunden, die die Freiwilligen beim Arbeiten und in der Pause auf dem Hof zeigen. „Der Wiederaufbau muss in jeden Fall noch im selben Jahr passiert sein, denn die Kühe mussten ja im Herbst wieder zurück in den Stall“, erklärt der Landwirt. Der Dachstuhl wurde um 1,20 Meter aufgestockt. Und die Scheune wird noch heute genutzt. Vieh gibt es auf dem Niedermeierhof inzwischen zwar nicht mehr, heute dient der Großteil der Scheune jedoch als Getreidespeicher. Und die Arbeit, die Zimmerer Dux leistete, ist auch nach fast 70 Jahren nicht zu beanstanden: Die Balken sind im einwandfreien Zustand, freut sich Niedermeier: „Ganz offensichtlich hat er auch hochwertiges Holz verwendet.“ 2019 brennt es erneut Die Scheune hat übrigens vor gar nicht allzu langer Zeit, genauer im Jahre 2019, erneut gebrannt: Diesmal handelte es sich um einen technischen Defekt in der Getreidetrockenanlage, und Niedermeier nahm, ebenso wie sein Vater 60 Jahre zuvor, den Brandgeruch selbst wahr. Zum Glück habe er, im Gegensatz zu seinem Vater Jahrzehnte vorher, Feuerlöscher zur Hand gehabt, sagt er. Die alarmierte Feuerwehr erschien mit „großem Besteck“ und sorgte dafür, dass kein allzu großer Schaden entstand. Einige verkohlte Stellen zeugen aber noch heute von dem zweiten Beinahe-Unglück.