Blomberg. Die Tanke hat zu, die Läden schon lange, oder es gibt beides erst gar nicht mehr: Dorfbewohner sind das gewohnt. Da kann so ein Snack-Automat die Lösung sein. Und die finden sich immer häufiger im Straßenbild, beispielsweise am Lehmbrink oder am Langen Steinweg in Blomberg. „Das ist die Zukunft“, sagt Arthur Dinkel. Vor zwei Jahren ist er in die Automatenbranche eingestiegen, erst in Paderborn, mittlerweile auch mit zwei Standorten in Augustdorf und Blomberg. Unter der Marke „Tante Schlemmer“ stehen im ehemaligen Kaiserhof in der Nähe des Blomberger Marktplatzes drei Lebensmittelautomaten: Einer mit Heißgetränken, einer mit Kaltgetränken, ein dritter mit Snacks wie Chips, Keksen und trendigen Süßigkeiten. Zehn Euro Beute Ein Box-, ein Spiel- und ein Greifautomat komplettieren das Ganze, „ein bisschen Unterhaltung will ich auch im Angebot haben“, sagt der Unternehmer. Allerdings: Letztere sind derzeit außer Betrieb, weil sie jüngst jemand aufgebrochen hat. „Er hat aber nichts erbeutet, ich hatte sie gerade geleert. Da waren höchstens zehn Euro drin.“ Den Schaden hat er trotzdem. Eine Veröffentlichung des Überwachungsvideos in der Blomberg-Facebook-Gruppe und auf Instagram hat allerdings bisher nicht zur Ergreifung der Täter geführt; die Strafanzeige läuft. Die Lebensmittelautomaten blieben unbehelligt, „die lassen sich nicht einfach so knacken.“ Das kann Henrik Bellwidt nur unterstreichen: „Die sind wie Panzer, da muss man sich keine Sorgen machen.“ Er und seine Frau Denise sind Neueinsteiger im Automatengeschäft. Vor knapp einem Jahr haben sie am Blomberger Lehmbrink 28 vor ihrem Haus ihren ersten Snackautomaten aufgestellt - und die Sache lohnt sich. „Wir wollen das auf jeden Fall ausbauen“, sagt der gelernte Einzelhandelskaufmann, der seine Frau in dem Geschäft unter dem Label „Snackattack“ unterstützt. Anonyme Kundschaft „Es läuft sehr gut“, berichtet der gebürtige Lemgoer, der Ertrag liege bei 500 Euro im Monat. Ein neuer Automat kostet je nach Ausstattung zwischen 10.000 und 15.000 Euro. Die Bellwidts wollen ihr Angebot auch ausweiten. Sein Warensortiment unterscheidet sich ein wenig von dem des Mitbewerbers: Hier sind nicht nur Tampons und Kondome zu haben, sondern sogar ein Schwangerschaftstest und jeweils Tests auf Alkohol und THC, um die Fahrtüchtigkeit für Autofahrer zu überprüfen. „Das muss sich erst noch ein bisschen rumsprechen, aber so fünf oder sechs Schwangerschaftstests sind schon gekauft worden“, erzählt Henrik Bellwidt. Der Riesenvorteil: „Unsere Kunden sind absolut anonym.“ Eine Anonymität, die unter Umständen nicht nur Frauen und Mädchen schätzen, wenn sie Gewissheit zu einer potenziellen Schwangerschaft wollen: „Wer bei uns kauft, der will einfach nur fix was mitnehmen.“ Das sieht auch Arthur Dinkel so: „Die Kunden wollen sich meist mit niemandem auseinandersetzen müssen, in keiner Schlange stehen.“ Das sei manch einem auch den Aufpreis wert: Die Waren im Automaten sind in der Regel deutlich teurer als im Einzelhandel. Doppelter Preis plus Steuer, das ist ungefähr das, was in den Schlitz fallen muss, damit die Metallspirale das Gewünschte in den Automatenaufzug schiebt. Jugendschutz inbegriffen Als Konkurrenz zur nur 200 Meter entfernten Tankstelle sieht Henrik Bellwidt den stählernen Verkaufsladen nicht: „Ich glaube, das ist ein unterschiedlicher Kundenkreis.“ Barzahlung ist ebenso möglich wie Kartenzahlung. „Die Abrechnung macht ein Dienstleister, das läuft gut.“ Und auch der Jugendschutz sei gewährleistet: Vapes dürfen nicht für Jugendliche unter 18 verkauft werden. Dafür gibt es aber ein Lesegerät für den Personalausweis - was natürlich möglicherweise umgangen werden kann. „Das können Sie nirgendwo verhindern, dass dann ein Erwachsener das Zeug kauft.“ Die Zielgruppe ist jung: Überwiegend zwischen 14 bis 30 Jahre alt, lassen sie sich auch bei TikTok und Instagram inspirieren. Und dem folgt Henrik Bellwidt bei der Warenauswahl. „Ich gucke immer, was gerade gehypt wird. Zahnstocher mit Geschmack beispielsweise.“ Das hat sich der Deutschrapper Massiv einfallen lassen, der immer mit solch einem Holzpin im Mund herumläuft, und schon wird es zur Mode. Schwierige Logistik für Frischprodukte Während Henrik Bellwidt mit der LZ-Redakteurin am Automaten steht, Geld entnimmt und Ware auffüllt, kommt plötzlich ein Passant dazu. „Sagen Sie mal, wie kommt man eigentlich an solch einen Automaten?“ Ihm gehören Ferienwohnungen in Lothe, und „wir würden unseren Gästen gern mal was anbieten. Auf dem Dorf gibt es ja nichts, keine Kneipe und erst recht kein Ladengeschäft mehr.“ Lebensmittelautomaten als Nahversorger? - Damit hat Mitbewerber Arthur Dinkel schon gute Erfahrungen in Paderborn gemacht, in Uni-Nähe bestückt er die Automaten auch mit Frischfleisch, Milch und Eiern. „Das ist ein logistisches Problem.“ Denn auch Automatenbetreiber müssen die Kühlkette einhalten. Das sei der Grund, warum er in Blomberg bisher noch kein solches Angebot vorhalte. „Aber ich bin mir sicher, das wird auf Dauer kommen.“