Blomberg. Ein Aussichtsturm im Blomberger Forst, eingebettet in einen neuen Naturlehrpfad und größtenteils finanziert aus Fördermitteln: Mit diesem Vorhaben hat die Stadtverwaltung in den vergangenen Tagen eine lebhafte Diskussion ausgelöst. Seit der LZ-Bericht erschienen ist, haben sich zahlreiche Leserinnen und Leser zu Wort gemeldet – in Kommentaren, sozialen Netzwerken und in einer Online-Umfrage. Die Reaktionen reichen von Zustimmung für die touristische Idee bis hin zu kritischen Nachfragen zu Kosten, Pflege und Prioritäten. In der nicht repräsentativen Online-Umfrage auf LZ.de zeichnete sich ein insgesamt positives Stimmungsbild ab, wenn auch keines ohne Vorbehalte. Von den 151 Nutzerinnen und Nutzern, die sich an der Abstimmung beteiligten, sprachen sich knapp 60 Prozent (90 Stimmen) für das Vorhaben aus. 35,1 Prozent (53 Stimmen) lehnten den Bau eines Aussichtsturms rundheraus ab. Fragen klären In den Kommentaren auf LZ.de finden sich neben grundsätzlicher Unterstützung auch nachdenkliche Töne. Eine Leserin regt an, den Blick stärker auf das Gesamtkonzept zu richten: „Ich fände es gut, wenn sich Leute zusammensetzen würden und brainstormen, was da zu sehen sein soll, wenn man sich auf dem Turm befindet.“ Es gehe nicht nur um die bauliche Idee, sondern auch um die Fragen, „welche Aussichten und Ansichten das Gebiet formen soll, was wir unseren Touristen zeigen wollen, und was wir selbst anschauen“. Entscheidend sei letztlich nicht der Turm selbst, sondern „die Gedanken und Ideen, die das Drumherum um den Turm zukünftig formen werden“, schreibt Leserin Evelyn Julians. Andere Stimmen reagieren gelassener auf die kontroverse Diskussion. Nutzer Wolfgang Hohmann schreibt: „Egal, was für Vorschläge oder Ideen gemacht werden, es gibt immer Menschen, die etwas auszusetzen haben.“ Verweis aufs Projekt Nelkenpark Deutlich kritischer äußern sich Leserinnen und Leser, die frühere Projekte der Stadt in Erinnerung rufen. Ein Kommentator verweist auf den Bereich rund um den Nelkenpark und schreibt: „Jedes Mal, wenn ich dort vorbeikomme, muss ich daran denken, wie viel Steuergeld hier ohne nennenswertes Ergebnis versenkt wurde.“ Die Sorge richte sich weniger gegen die Idee selbst als gegen mögliche Folgekosten: „Wer denkt über die Pflege nach? Wie lange dauert es, bis der Pfad genauso vergammelt wie andere Projekte?“ Auch die finanzielle Lage der Stadt spielt in den Reaktionen eine Rolle. Leser Gottfried Staubach ordnet das Vorhaben vor diesem Hintergrund kritisch ein: „100.000 Euro Eigenanteil für einen Aussichtsturm sind für eine Stadt, der mittelfristig die Haushaltssicherung droht, eine Menge Geld.“ Zudem stehe Blomberg vor weiteren großen Investitionen, etwa dem geplanten Neubau des Hallenbades. In Summe sorgt das Vorhaben daher für viel Skepsis. Demgegenüber betonen Befürworter, dass Fördergelder nicht automatisch eine Belastung seien. Leser Stefan Arning schreibt: „Die Steuern müssen sowieso bezahlt werden – egal ob Fördergelder nach Blomberg fließen oder andere Kommunen sich aus dem Topf bedienen.“ Kritik in Facebook-Gruppe In sozialen Netzwerken fällt der Ton teils knapper aus. In einer Blomberger Facebook-Gruppe äußern Nutzer Zweifel an den Prioritäten der Stadt und verweisen auf den Zustand der Straßen. Andere vergleichen das Vorhaben mit Aussichtstürmen in touristisch geprägten Regionen wie dem Harz und fragen, ob es im Blomberger Forst ausreichend Attraktionen gebe, um einen solchen Turm dauerhaft zu rechtfertigen. Unterm Strich zeigt sich: Der geplante Aussichtsturm polarisiert, stößt aber auch auf spürbares Interesse und Zustimmung. Während die einen in dem Projekt eine Chance für Naturerlebnis und Tourismus sehen, mahnen andere zu Zurückhaltung angesichts knapper Kassen. Die endgültige Entscheidung liegt nun bei den politischen Gremien – die öffentliche Debatte darüber hat jedenfalls bereits begonnen.