Detmold. Die Ausstellung zur Kommunalen Neugliederung ist im Rathaus bereits zu sehen (die LZ berichtete). Ab morgen ist auch das Buch zum Thema erhältlich. Was es darin zu lesen gibt und warum die Zeit vor 50 Jahren besonders spannend war, verraten die Autoren zur Präsentation des Werkes im kleinen Sitzungssaal des Detmolder Rathauses.
Als die Neugliederung vor der Tür stand, hat es in so manchem Ort richtig gekracht. Die heutigen Ortsteile der Residenzstadt waren damals selbstständige politische Einheiten – „und das wollten viele nicht einfach aufgeben", sagt Detmolds ehemaliger Bürgermeister und Mitherausgeber des Buches, Friedrich Brakemeier. Bis dato auf dem heutigen Detmolder Boden in den einzelnen kleinen Gemeinden 290 Ratsmitglieder. Nach der Reform blieben 44 im neuen Rat der Stadt Detmold übrig. „Da sind von heute auf morgen eine Menge Leute ihr Ehrenamt losgeworden. Das Ganze so zu gestalten war sicher ein Fehler. Andernorts wurde das eleganter gelöst", ist Brakemeier sicher. Hätte man anstelle der berufenen Ortsvorsteher in den Ortsteilen kleine Ausschüsse gebildet, wäre ein zentraler demokratischer Entscheidungsprozess auf unterer Ebene erhalten geblieben.
Allumfassend ist das Buch zur Kommunalen Neugliederung nicht. „Das war nicht unser Anspruch. Wir wollten nicht für jeden Ort eine neue Chronik aufarbeiten. Wir haben uns dort umgeschaut, wo es seinerzeit am meisten zur Sache ging", sagt Stadtarchivarin und Mitherausgeberin Dr. Bärbel Sunderbrink. Den größten Widerstand zum neuen Weg gab es seinerzeit im Detmolder Süden. Berlebeck etwa sei in der Betrachtung Pro Kopf der reichste Ort in ganz NRW gewesen und auch die Heiligenkirchener fürchteten, ihre Kassen würden beim Zusammenschluss mit dem großen aber armen Detmold geplündert, berichtet die Historikerin.
Bevor es also zur neuen Stadt Detmold kam, wurde in den kleinen Orten reichlich investiert. „Ich gehe davon aus, dass noch nie so viel Geld in die Hand genommen wurde, wie in den Jahren kurz vor der Neugliederung", ist Friedrich Brakemeier sicher. Viele Vereine etwa bekamen in dieser Zeit eine kräftige Finanzspritze. „Auch wurden noch schnell Schulden gemacht, die später von der Stadt Detmold abgezahlt werden mussten."
Außerhalb der Politik, auf den Höfen und in den Häusern hätten seinerzeit jedoch ganz andere Fragen eine Rolle gespielt, sagt die Archivarin. „Die Leute wollten etwa wissen, wie teuer sie der Hund künftig zu stehen kommen wird oder wie es mit den Hausschlachtungen weiter geht." Auf dem Land hätten diese ganz praktischen Fragen eine ganz zentrale Bedeutung gehabt.
Die Entscheidung zur Reform wurde letztendlich im Düsseldorfer Landtag getroffen und ab 1970 war es dann soweit: Die neue Stadt Detmold war geboren. Die Auswirkungen ließen sich an vielen Stellen noch bis heute beobachten, ist Brakemeier sicher. „Das sehen sie sogar an den Ortsschildern. Von Außen fahren sie nirgends nach Detmold hinein. Sie kommen immer in einen Ortsteil."