Detmold-Heiligenkirchen. Eine mehr als 1000 Jahre alte Geschichte zu erforschen, ist kein Leichtes. Aber die Mühe ist belohnt worden: Der zweite Platz des Heimatpreises ist kürzlich an das Projekt „Heiligenkirchens Geschichte erforschen und vermitteln“ gegangen, womit ein Preisgeld von 1500 Euro verbunden ist. Gemeinsam erforschen fünf historisch interessierte Mitglieder des Heimatvereins die lokale Geschichte des Ortsteils – und machen diese im Internet sichtbar. Die Idee für das Projekt ist 2013 kurz vor dem 1000-jährigen Jubiläum von Heiligenkirchen entstanden. Für diesen Anlass hatte der Heimatverein beschlossen, mit einem Arbeitskreis aus fünf Personen weiter in die Geschichte einzutauchen. Seitdem gibt es immer wieder Momente, die für Überraschungen sorgen. „Es geht ja immer weiter in die Details rein und wir haben noch einiges vor uns“, sagt Werner Zahn, der zusammen mit Dr. Joachim Kleinmanns, Günther Zahn, Dr. Joachim Keil und Bernhard Meier zu Biesen zu der Gruppe gehört. Immer wieder Überraschungen Wie etwa die riesige Tafel in der Kirche: „Auf dem Epitaph steht ein lateinischer Text – ich dachte immer, dass der aus der Bibel wäre“, erklärt Werner Zahn. Doch bei seiner Recherche habe er herausgefunden, dass der Text von dem Philosophen und Mathematiker Gottfried Wilhelm Leibniz entworfen worden sei. Darin gedenkt er des schwedischen Generalmajors Friedrich Christoph von Hammerstein, der im Dreißigjährigen Krieg gekämpft hat. Solche und viele weitere Themen will der Verein den Bürgern zur Verfügung stellen. Aktuell gibt es laut Werner Zahn 58 Links auf der Internetseite mit allerlei Informationen rund um Heiligenklirchen. Die Arbeit mache vor allem Spaß und es sei kein Ende in Sicht. Darum werden die einzelnen Themen immer weiter ausgearbeitet. Das gibt es zu sehen Einige der Kernpunkte sind unter anderem: Das „Lippe-Häuser-Wiki“, das von Dr. Joachim Kleinmanns zusammengetragen wird. Günter Zahn wirkt bei der Vereinsgeschichte, Büchern und dem Bürgerfunk Detmold mit. Werner Zahn bereitet alte Fotos auf, stellt einen Film zusammen und füttert die Internetseite mit Beiträgen. Dr. Joachim Keil beschreibt die Villenkolonie bei der Friedrichshöhe, 80 Jahre Kriegsende in Heiligenkirchen und macht Dorfführungen. Außerdem gibt es Wanderungen, Wanderkarten und Baudenkmalrouten. Dabei handelt es sich auch um historische und reine Wanderstrecken. „Natürlich gibt es auch die Route zum Hermannsdenkmal“, sagt Werner Zahn. Aktuell hätten sie rund sieben Touren aufgelistet. Ideal, um mit der Familie am Wochenende wandern zu gehen. Die Kunst darf ebenfalls nicht fehlen: Bernhard Meier zu Biesen zeigt die Chronologie der Dorfgeschichte und sammelt alte Kunstwerke: Schon 196 Darstellungen von Heiligenkirchen sind zusammengekommen, die vom 19. bis in das 21. Jahrhundert hineinreichen. Vor allem sind Werke des berühmten Landschafts- und Porträtmalers Bruno Wittenstein, der einmal Vorsitzender im lippischen Künstlerbund gewesen ist, dort zu sehen. Geschichte als Ratgeber Für Werner Zahn ist die Arbeit nicht nur ein Zusammensuchen von Informationen, sondern auch ein Hilfsmittel für problematische Zeiten: „Geschichte hat immer auch eine Bedeutung für die Zukunft“, sagt er. Sie könne Hinweise darauf geben, wie früher mit Problemen umgegangen worden sei. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe es zum Beispiel Flüchtlinge gegeben, die Unterkünfte gebraucht hätten. „Wenn man jetzt an die Flüchtlingssituation im Jahr 2015 denkt, wiederholt sich alles ein bisschen – meistens sind das keine ganz neuen Ereignisse.“ Lesen Sie auch: Heimat-Preis 2025: Erster Platz für das Brokhauser Feuerräderrollen Preisgekrönt: Das sind die „Neuen“ hinter dem Feuerräderrollen in Brokhausen Ähnlich ist es in Sachen Politik: „Wenn ich zurzeit nach Amerika oder in Richtung der AfD-Partei gucke, wiederholt sich langsam alles, was früher passiert ist.” Lippe sei beispielsweise der Ort in Deutschland gewesen, wo die NSDAP ihre erste Wahl gewonnen habe. „Irgendwie ändert sich auch das Verhalten – es schleicht sich so langsam ein Gedankengut ein, was man vor zehn Jahren für unmöglich gehalten hätte“, findet der Heiligenkirchener. Mit der Geschichte wollen die Mitglieder des Arbeitskreises in Vorträgen Denkanstöße geben: „Nicht ideologisch, wir sind ein Heimatverein und keine Partei, die anderen vorschreibt, was sie zu wählen haben“, erläutert Werner Zahn. Doch gewisse Grundwerte, die sich in der Vergangenheit bewährt haben, sollten seiner Meinung nach an die Gesellschaft weitervermittelt werden. Die Internetseite ist unter www.1000jahreheiligenkirchen.de abrufbar.