Detmold
Entwürfe für die Umgestaltung der Langen Straße gehen in die Politik
| von Jana Beckmann

Die Lange Straße im Abschnitt zwischen dem Marktplatz und Wiese an der Ecke zur Krummen Straße soll als erstes in Angriff genommen werden. Es geht nicht nur um neues Pflaster und andere Elemente, sondern vor allem auch um die Kanalsanierung. - © DSK Bielefeld
Die Lange Straße im Abschnitt zwischen dem Marktplatz und Wiese an der Ecke zur Krummen Straße soll als erstes in Angriff genommen werden. Es geht nicht nur um neues Pflaster und andere Elemente, sondern vor allem auch um die Kanalsanierung. (© DSK Bielefeld)

Detmold. Ende Oktober hatte die Stadt den Deckel drauf gemacht, jetzt hat sie die Bürgerbeteiligung zur Langen Straße ausgewertet. In der letzten Phase des Prozesses konnten die Teilnehmer ihre Meinung zu bestimmten Gestaltungselementen über ein Online-Portal einbringen und bei Bäumen, Leuchten und Bänken sogar zwischen unterschiedlichen Varianten auswählen.

Dieses Stimmungsbild soll die Grundlage für den Entscheidungsprozess der Politik bilden, der sich als nächstes anschließt. Hier die Einzelheiten.

Bäume

Blumenesche - © Bruns Pflanzen-Export GmbH & Co.KG
Blumenesche (© Bruns Pflanzen-Export GmbH & Co.KG)

„Bislang sind zehn Neuanpflanzungen geplant", berichtet Ute Ehren von der Stadt Detmold. Ob noch mehr drin seien, hänge von den Versorgungsleitungen im Boden ab. Von denen gebe es in der Fußgängerzone eine ganze Menge, der Platz für Pflanzen ist also eingeschränkt. Einige der bestehenden Bäume müssten gefällt oder zumindest versetzt werden, weil sie das Leitungsnetz bedrohten oder weil ihre Standsicherheit durch die anstehenden Kanalarbeiten gefährdet ist. Wieder andere seien von ihrer Beschaffenheit her für den Standort Fußgängerzone ungeeignet. Deshalb soll künftig genauer darauf geachtet werden, dass die Pflanzen den klimatischen Anforderungen genügen.

Dafür hatte die Stadt im Rahmen der Bürgerbeteiligung drei Vorschläge gemacht. Der Feldahorn erhielt 14 Prozent der Stimmen, die Hopfenbuche 33 Prozent, die Blumenesche 53 Prozent. Sie wurde von den Kommentatoren unter anderem als „wetterresistent, lichtdurchlässig und insektenfreundlich" gelobt. „Die Blumenesche ist wie die Hopfenbuche ein hitze- und trockenheitsverträglicher Baum", erklärt die Stadt dazu. Sie bilde eine ausladende und rundliche Krone mit einer stärkeren Lichtdurchlässigkeit als die Hopfenbuche und werde maximal 15 Meter hoch.

Leuchten

Hängeleuchte - © Selux AG
Hängeleuchte (© Selux AG)

Bei den Lampen, die künftig die Fußgängerzone erhellen sollen, hat sich eine Mehrheit von 46 Prozent für Hängeleuchten ausgesprochen, die an Seilen hängen, die zwischen Masten vor den Fassaden gespannt werden. Da sie sich über der Mittelachse befinden, sind sie nach Angaben der Fachleute für die Ausleuchtung am besten. Außerdem bleibt am Boden mehr Platz, da keine Straßenlaternen im Weg sind. 33 Prozent der Teilnehmer präferierten Mastleuchten, ähnlich wie die bereits existierenden Straßenlaternen in der Fußgängerzone; 13 Prozent votierten für Lichtstelen, mit denen zusätzlich auch Lichtakzente an Gebäuden gesetzt werden könnten, die aber höher wären als herkömmliche Mastleuchten.

„In Bezug auf die Hängeleuchten soll nun geprüft werden, inwiefern die bereits bestehenden Haken der Weihnachtsbeleuchtung für die Lampen genutzt werden könnten, wie stark die Ausleuchtung wäre und welche Variante besser einsetzbar ist und welche besser ins Stadtbild passt", sagt Ute Ehren. Theoretisch sei auch ein Mix aus Hänge- und Mastleuchte denkbar.

Sitzbänke

Bank "Lauenburg" - © L. Michow & Sohn GmbH
Bank "Lauenburg" (© L. Michow & Sohn GmbH)

Auch hier standen drei Varianten zur Auswahl, wobei sich die Teilnehmer der Bürgerbeteiligung für das Modell „Lauenburg" mit Holzauflage ausgesprochen haben, das sich leicht von den bisherigen Sitzgelegenheiten in der Fußgängerzone unterscheidet. Eine Bank komplett aus Metall erhielt 33 Prozent der Stimmen, ein weiteres Modell mit Holzauflage 6 Prozent. „Als nächstes wollen wir eine Probebank am Ferdinand-Brune-Haus aufstellen, um zu gucken, wie sich das ganze anfühlt", sagt Ute Ehren.

Wasserelemente

Ein „bespielbares" Wasserelement wünschen sich 56 Prozent der Teilnehmer. Für 37 Prozent sollte es „lebendig", für 7 Prozent „ruhig" sein. „Wir versuchen jetzt, eine Kombination zu finden", erklärt Ute Ehren. Geplant seien mindestens ein Trinkbrunnen und mindestens ein weiteres Wasserelement. Dafür solle das beteiligte Planungsbüro Kortemeier + Brokmann einen Vorschlag machen.

Spielgeräte

Balancieren steht für viele Detmolder offenbar hoch im Kurs, bei der Bürgerbeteiligung sprachen sich 43 Prozent für ein entsprechendes Spielgerät aus. 14 Prozent favorisieren etwas zum Hüpfen und 11 Prozent wollen wippen. 32 Prozent der Teilnehmer hatten sonstige Vorschläge – wie etwa ein Trampolin. Auch zu diesem Punkt soll nun das Planungsbüro einen Vorschlag machen.

Sonstiges

Auch zu verschiedenen anderen Punkte sind von den Teilnehmern Anregungen gekommen – von der W-LAN-Abdeckung bis zu Lademöglichkeiten für Handys. Diese sollen laut Ute Ehren ebenfalls erfasst, geprüft und im Internetportal mit Anmerkungen versehen werden. Werde zum Beispiel gefragt, ob in der Fußgängerzone Fahrräder erlaubt sein sollten oder nicht, gebe es einen Hinweis auf den entsprechenden Beschluss der Politik und auf die Abstellmöglichkeiten an den Einfahrmöglichkeiten zur Fußgängerzone – sowie den Plan, die Zahl der Stellplätze noch zu erhöhen.

Beteiligung

„Durch Corona haben sich weniger Detmolder beteiligt als sich sonst beteiligt hätten", davon ist Ute Ehren überzeugt. Bei den Abstimmungen zu Bäumen, Leuchten und Bänken seien es jeweils rund 50 Teilnehmer gewesen. Auf große Informationsveranstaltungen musste verzichtet werden. Lediglich Anwohner und Geschäftsleute waren Anfang Oktober zu einer kleinen Zusammenkunft eingeladen. Auch mit der Online-Plattform, die zum ersten Mal zum Einsatz kam, habe man Erfahrungen gemacht. Fest stehe: Mehr Offline-Werbung sei erforderlich, damit die Menschen mitmachten und sich registrierten, um dann auch den Newsletter zu erhalten – etwa für weitere Bürgerbeteiligungen in der Zukunft.

So geht es weiter

„Die Detmolder geben bei der Bürgerbeteiligung eine Empfehlung ab, die Entscheidung trifft die Politik", erklärt Ute Ehren das grundsätzliche Prozedere, das auch für die Umgestaltung der Langen Straße gilt. Sollte sich die Politik über das Votum der Bürger hinwegsetzen, müssten aber gute Gründe vorliegen. Anfang März soll dann über die Entwurfsplanung entschieden werden, die Ausführungsplanung soll im Sommer stehen. Für den Herbst ist eine Bürgerinformation zum ersten Bauabschnitt geplant, der vom Marktplatz bis zu Wiese reicht. Baubeginn soll im Winter 2021/2022 sein, die Fertigstellung ein Jahr später. Parallel sollen die weiteren Bauabschnitte geplant werden – von Wiese bis zum Hornschen Tor und von der Meier- bis zur Karlstraße.

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