Tagung befasst sich mit der Wiedervereinigung Deutschlands und den Russlanddeutschen

veröffentlicht

  • 0
Zahlreiche Teilnehmer sind zu der Tagung erschienen. - © Copyright 2022. All rights reserved.
Zahlreiche Teilnehmer sind zu der Tagung erschienen. (© Copyright 2022. All rights reserved.)

Detmold. Der Frage, was die Wiedervereinigung Deutschlands mit den Russlanddeutschen zu tun hat, ist eine Tagung im Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte nachgegangen. Titel: "Gestern ‚Die Mitgebrachten‘ – Heute ‚Generation Post-Ost‘".

Begrüßt wurden die Teilnehmer laut Bericht aus dem Museum unter anderem von Niels Annen (SPD), Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft.

Museumsleiter Kornelius Ens habe eingangs auf viele gemeinsame Erfahrungen von Aussiedlern und Ostdeutschen hingewiesen - Leben in Diktaturen, Systemwechsel, Veränderungen des beruflichen und sozialen Umfelds. Die Konferenz wolle nach gemeinsamen Geschichten suchen und zu einem "Wir" beitragen.

Aussiedler-Generation "Post Ost"

Noch in den 1990er Jahren interessierten sich Soziologen und Medien für die „mitgebrachte Generation“, die Kinder und Teenager aus Familien der Russlanddeutschen, vor allem aus einer problematisierenden Perspektive, wie der Wiener Historiker Jannis Panagiotidis referierte. Es sei um Begriffe wie Integrationsverweigerung, Kriminalität, Hoffnungslosigkeit gegangen. Heute stehe diese Gruppe mitten in der Gesellschaft. Es bilden sich laut Mitteilung Initiativen unter anderen mit einer Selbstbeschreibung als „Post Ost“, die sich als Teil der Mehrheitsgesellschaft wahrnehmen, aber auch ihre Herkunftsmotive im Sinne kultureller Vielfalt verstanden haben wollen. Ähnliche Kollektiv-Erfahrungen habe auch die sogenannte Wende-Generation der Ostdeutschen gemacht, berichtete die Historikerin Anne Kupke-Neidhardt aus Halle an der Saale

Nach wie vor seien die Hintergründe der Aussiedler-Zuwanderung einer breiten Öffentlichkeit kaum bekannt. Kulturreferent Edwin Warkentin resümiert: „Nach der Wiedervereinigung war Deutschland stark mit sich selbst beschäftigt. Es kamen nicht nur Aussiedler, sondern auch Kriegsflüchtlinge vom Balkan sowie Ostdeutsche, die in den Westen zogen. In den gesellschaftlichen Debatten gab es kaum Platz für Aussiedler. Die Russlanddeutschen hatten damals aber auch noch keine Sprache oder Stimme, um auf sich aufmerksam zu machen. Heute werden die Stimmen lauter.“

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2022
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare