Detmold. Die Residenzstadt ist auf dem Weg zu einer neuen grünen Mitte, die sowohl historische Wurzeln als auch eine zukunftsfähige Ausrichtung hat. Die Rede ist vom „Zukunfts-Lust-Park Friedrichstal“. Im Foyer des Rathauses wurden am Montag die Ergebnisse des Wettbewerbs für das Großprojekt von Stadt Detmold, Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und LWL-Freilichtmuseum vorgestellt. Präsentiert wurden die Entwürfe der zwölf Planungsbüros, die an der Ausschreibung teilgenommen haben. Lesen Sie auch: Detmold erhält 3,3 Millionen - für einen „Lust-Park“ Das steckt hinter dem „Lust-Park“ für Detmold Für den neuen „Lust-Park“ in Detmold gibt es bald einen Wettbewerb Ein Gremium aus Vertretern der beteiligten Institutionen hat sich am Ende ganz klar für einen Sieger entschieden: Demnach soll der Entwurf des Landschaftsarchitekten Maik Böhmer vom Berliner Büros Planorama umgesetzt werden, der die Jury mit einem „spannungsreichen und prägnanten Konzept“ beeindruckte. Böhmer ist Absolvent der Technischen Hochschule OWL, hat in Höxter Landschaftsarchitektur und Umweltplanung studiert. Dieser Umstand eröffnete sich der Jury aber erst nach der endgültigen Entscheidung. Er hat einen Entwurf entwickelt, der einen „gestalterisch und ökologisch wertvollen Verknüpfungsraum zwischen dem LWL-Freilichtmuseum Detmold und der aus der Stadt ankommenden Sequenz aus kleinen und großen, alten und neuen Parks“ schafft, heißt es in der Begründung der Jury für den ersten Platz. Glückwünsche konnten er und sein Team am Montag im Detmolder Rathaus aus terminlichen Gründen nicht persönlich entgegennehmen. Drei Ebenen und viel Grün Und wie soll er nun aussehen, der neue „Zukunfts-Lust-Park“? Da, wo früher ein barocker Garten war, sollen künftig Wiesen, Bäume und Wasserflächen zum Spazieren, Verweilen und Entdecken einladen. Das rund zwei Hektar große und öffentlich zugängliche Areal wird terrassenartig angelegt und ist in drei Ebenen gegliedert: in eine Art Aussichtsplateau nahe dem Krummen Haus, eine mittlere Terrasse mit naturnah angelegtem Teich sowie einem untersten Bereich mit offener Wiesenfläche. Auch Spielbereiche und Lernstationen soll es geben. Der neue Park werde zudem „respektvoll mit der Geschichte des Geländes“ umgehen „und gleichzeitig ein idealisiertes Bild unseres modernen Verständnisses von Natur und Kulturlandschaft“ entwerfen, heißt es in der Entwurf-Präsentation. An den Klimawandel und dessen Folgen ist auch gedacht: So kann Regenwasser, das vom nahe gelegenen Büchenberg abfließt, gesammelt und über einen Wasserlauf in besagtem Teich sowie das Sickergebiet in der untersten Ebene geleitet werden. Feuchte Zonen werden so gezielt als Lebensraum, etwa für Amphibien, gestaltet. Der Park ist zudem barrierearm geplant. Eine vollständige Barrierefreiheit sei allein topografisch gesehen jedoch nicht zu erreichen. Klimaschutz und Kulturvermittlung in einem Bürgermeister Frank Hilker bezeichnete das Projekt im Rahmen der Feierstunde als weiteren Baustein, mit dem Detmold auch weiterhin die grünste Stadt Deutschlands bleiben dürfte. Der neue Park werde ein zentrales Element im sogenannten Grünen Band sein, einer städtischen Grünverbindung, die vom Kaiser-Wilhelm-Platz über die Innenstadt bis ins Friedrichstal reicht. „Es ist nicht selbstverständlich, dass sich zwei Organisationen unterschiedlicher staatlicher Ebenen für so ein Projekt gemeinsam auf den Weg machen.“ Für Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, Kulturdezernentin des LWL, ist der neue Park mehr als ein ökologisches Projekt. Er sei eine Antwort auf den Klimawandel und zugleich die Chance für niederschwellige, kostenfreie Kulturvermittlung „Wir bekommen einen Park, der klimaresistent ist und gleichzeitig wunderbar zu unserem neuen Museumsgebäude passt.“ Museumsdirektorin Dr. Marie Luisa Allemeyer betonte, das Konzept wolle nicht die Vergangenheit konservieren, sondern Geschichte in die Zukunft übersetzen: „Die Besucher sollen sich spazierengehend und genießend im Park informieren können.“ Der Plan: Den Park-Besuchern sollen kulturgeschichtliche Inhalte zugänglich gemacht werden, mit denen sie sich dann, bei einem Besuch im LWL-Freilichtmuseum, noch eingehender beschäftigen können. Themenstationen informieren etwa über Waldbewirtschaftung, Wasser als Ressource oder den Klimawandel. Wie die Stadtverwaltung mitteilte, beginnen nun die Gespräche zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer über die Ausführungsplanung. Ab 2026 soll gebaut werden, eine Fertigstellung ist für 2028 geplant. Das Vorhaben ist mit einem Volumen von 3,6 Millionen Euro budgetiert. Das Bundesprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ fördert das Projekt mit insgesamt 3,3 Millionen Euro. Die Ausstellung im Rathaus, in der alle zwölf eingereichten Entwürfe zu sehen sind, ist noch bis zum 10. Juni zu den regulären Öffnungszeiten des Rathauses zu besichtigen. Transparenzhinweis: Der Text wurde nachträglich mit weiteren Informationen ergänzt