Detmold. Unter dem Titel „Russische Tänze & Römische Pinien“ haben sich im Konzerthaus das Ensemble hfmBrass, bestehend aus fortgeschrittenen Studenten der Hochschule für Musik und einigen Professoren, mit den erfahrenen Blechbläsern des Landestheaters Detmold zu einem Großensemble vereint, das sinfonische Werke auf hohem Niveau interpretierte. Es war ein musikalisches Projekt der besonderen Art – nicht nur wegen der programmatischen Bandbreite, sondern auch wegen der beispielhaften Zusammenarbeit zwischen Bildungs- und Kulturinstitutionen. Win-Win-Situation Norbert Stertz, künstlerischer Leiter von hfmBrass, dankte für die Kooperation: „Es ist eine Win-Win-Situation. Studentinnen und Studenten lernen von Profis und Profis erleben frischen Wind. In intensiven Probenphasen wurden die anspruchsvollen Werke noch vor Semesterbeginn einstudiert.“ Generalmusikdirektor Per-Otto Johansson, der das Konzert mit souveräner Ruhe und ausdrucksstarkem Dirigat leitete, fand ebenfalls lobende Worte: „Ich bin stolz darauf, was die jungen Leute hier leisten.“ Nicht nur die Klangfarben des großen Blechbläserensembles schimmerten - auch die neue Beleuchtung des Konzerthauses tauchte die Bühne in buntes Licht. So wurden die Sinne der rund 400 Gäste gleich mehrfach angesprochen. Den Auftakt machte die Ouvertüre „Der römische Karneval“ op. 9 (1844) von Hector Berlioz, ein Klassiker der Konzertliteratur, der auch im Arrangement von Manu Mellaerts nichts von seiner mitreißenden Energie einbüßte. Das Ensemble eröffnete das Werk mit schmetternden Fanfaren und brillanten Trillern, die sofort die Aufmerksamkeit auf sich zogen. Die rhythmische Präzision des Schlagwerks und das virtuose Zusammenspiel der Blechbläser sorgten für ein rauschhaftes Klangbild, das das bunte Treiben des Karnevals in Rom vom Pferderennen über Maskeraden bis hin zu schwungvollen Tänzen klangmalerisch lebendig werden ließ. Respighi: Rom in sinfonischen Farben Der zweite Programmblock entführte das Publikum erneut in die Ewige Stadt – diesmal mit der farbenreichen „Römischen Suite“ von Ottorino Respighi (1879-1936). Auszüge daraus, arrangiert von Peter Lawrence, kamen mit viel Klangfantasie und Liebe zum Detail zu Gehör. Das Ensemble entfaltete ausdrucksstark seine Bandbreite: Vom murmelnden Klang der Fontana di Trevi über das neckische Kinderspiel an der Villa Borghese und mystischen Gesängen in den Katakomben bis hin zu festlichen Fanfaren im italienischen Zirkus. Die Musiker malten eine klangliche Stadtansicht, die das Publikum beeindruckte. Mit den „Polowetzer Tänzen“ der Oper „Fürst Igor“ von Alexander Borodin ging die Reise nach Russland. In der Bearbeitung von Georges Moreau gelang es dem Ensemble, den exotisch-orientalischen Charakter der Musik lebendig werden zu lassen – auch wenn in einzelnen Passagen die Begleitfiguren etwas zu präsent waren und damit den Raum für die melodische Entfaltung der Solostimmen leicht einschränkten. Trotzdem: Rhythmische Prägnanz, tänzerische Leichtigkeit und klangliche Opulenz kennzeichneten die kunstvolle Darbietung, die die Besucher mitriss. Besonders der Wechsel zwischen lyrischen und tänzerisch-energetischen Episoden gelang durch präzise Artikulation und fein abgestimmte Dynamikwechsel. Shakespeare als Ballett Glanzvoller Schlusspunkt des Konzertes war die Suite aus „Romeo und Julia“ von Sergej Prokofjew im Arrangement von Paul Archibald. Die Reihenfolge der Sätze wurde geändert, um das Konzert nicht mit dem tragischen Tod Julias enden zu lassen. Der energische Tanz des Mercutio überzeugte mit kraftvoller Artikulation und sprühender Virtuosität. Der Kontrast zum feierlichen Menuett oder der zart-melancholischen Darstellung von Vater Lorenzo betonte die emotionale Tiefe des Werkes. Auch die Soli – unter anderem von Trompete, Horn und Posaune – waren nicht nur technisch souverän, sondern auch musikalisch durchdacht. Der Klang war nie Selbstzweck, sondern diente stets der musikalischen Erzählung. Nach lang anhaltendem Applaus bedankte sich das Ensemble als Zugabe mit dem volksliedhaften Werk „Tre folketoner“ (Drei Volkstöne aus Norwegen und Schweden) im Arrangement von Petter Winroth, ein stimmungsvoller Gruß aus der Heimat des Dirigenten Per-Otto Johansson.