Neuer Chefarzt 
der Oberberg-Klinik hat die „Best Ager“ im Blick

Sylvia Frevert

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Leitet seit Oktober die Oberbergklinik in Laßbruch: Dr. Ahmad Bransi. - © Sylvia Frevert
Leitet seit Oktober die Oberbergklinik in Laßbruch: Dr. Ahmad Bransi. (© Sylvia Frevert)

Extertal-Laßbruch. 100 Tage im Amt sind es noch nicht ganz. Aber bereits jetzt kann Dr. Ahmad Bransi (49) ein erstes Fazit seiner Tätigkeit als Chefarzt der Oberberg-Klinik Weserbergland ziehen – und das ist rundherum positiv. Die LZ hat mit dem Mediziner über den Wechsel von Detmold an die Laßbrucher Klinik für Psychotherapie, Psychiatrie und Psychosomatik, die Entdeckung einer Leidenschaft und die Bedürfnisse der eigenen Seele gesprochen.

Herr Dr. Bransi, Sie haben das Gemeindepsychiatrische Zentrum in Detmold verlassen und sind als Chefarzt zur Oberbergklinik nach Laßbruch gegangen...

Dr. Ahmad Bransi: Mir hat es gefallen, nach zwölf Jahren Aufbauarbeit die intensive Form der psychotherapeutischen Behandlung der Oberbergklinik zu betreiben und mitzugestalten.

Gab es zunächst eine Kennenlern-Phase, wie Sie sie ja auch ihren Patienten hier in Laßbruch anbieten?

Bransi: Das war gar nicht nötig. Ich kannte die Klinik und das Konzept, weil ich zu meiner Zeit als Weiterbildungsassistent bereits mit einem ehemaligen Oberarzt der Klinik zusammengearbeitet habe – also sozusagen im vorigen Jahrtausend (lacht).

Information
Persönlich

Geboren und aufgewachsen in Israel, kam Dr. Ahmad Bransi vor 30 Jahren nach Deutschland. Er studierte Medizin in Göttingen und absolvierte seine Ausbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie in Goslar. Gut zwölf Jahre arbeitete er im Gemeindepsychiatrischen Zentrum in Detmold, die letzten fünf Jahre als der ärztliche Direktor. Derzeit schreibt er an seiner Habilitationsschrift an der Uni Bielefeld. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Horn-Bad Meinberg.

Sie wirken entspannt und zufrieden an Ihrem neuen Arbeitsplatz. Was gefällt Ihnen hier besonders?

Bransi: Ich bin hier zum einen mit offenen Armen empfangen worden. Zum anderen – und das merken auch unsere Patienten deutlich – herrscht in diesem Haus, in diesem Team eine sehr angenehme Atmosphäre. Das bereits vor langer Zeit entworfene und als positiv erwiesene Behandlungskonzept ist stimmig, die Abläufe am Patienten durchstrukturiert. Wir sind dran am Patienten. Die Intervalle zwischen den Gesprächs-Sitzungen sind kurz und die Arbeit dadurch sehr effizient. Aber es bleibt auch noch Zeit für die für das Team so wichtige Supervision.

Haben Sie als Chefarzt und Klinikleiter denn überhaupt noch genügend Zeit für Patienten, oder frisst Sie die in medizinischen und Pflege-Einrichtungen immer mehr um sich greifende Bürokratie auch auf?

Bransi: Natürlich muss ich mich als Klinikleiter ebenfalls um die Verwaltung und das insgesamt 84 Mitarbeiter umfassende Team kümmern. Aber ich bin täglich bei der Morgen- oder der Mittagsvisite und auch bei Einzelgesprächen in Kontakt mit den Patienten. Deshalb bin ich ja mal Arzt geworden. Dieser Kontakt von Mensch zu Mensch – das brauche ich für meine „Behandlungs-Seele".

Sie kennen den Spruch: Neue Besen kehren gut. Gibt es etwas, das Sie verändern möchten?

Bransi: Ich nenne das gern: Dinge umsetzen, die einem wichtig erscheinen. Hier liegen mir zwei besonders am Herzen. Ich würde gern in Zusammenarbeit mit dem Team und unserer Internistin die kombinierte Behandlung von Körper und Seele noch weiter intensivieren. Außerdem möchte ich ein spezielles Programm für die sogenannten Best-Ager anbieten. Lange galt das Alter bis Mitte 50 als das „beste" Alter eines Menschen.

Mittlerweile wissen wir, dass gerade ab diesem Alter der „zweite Frühling" beginnen kann. Man hat in der Regel vieles erreicht und kann neue Freiheiten genießen; die Existenzgründung ist abgeschlossen, familiäre und soziale Beziehungen tragen, man hat eine große Lebenserfahrung und weiß, worauf es wirklich im Leben ankommt.

Hier können aber besondere Herausforderungen und Schwierigkeiten auftreten und zu seelischer Not und Belastung führen, die eine spezifische, auf die Herausforderungen dieser Lebensphase ausgerichtete, psychotherapeutische Behandlung erfordern.

Sie sind Doktor der Medizin, schwärmten ursprünglich für die Chirurgie. Wie kamen Sie eigentlich zur Psychotherapie?

Bransi: Mein Vater hat diese Leidenschaft schon früh in mir geweckt. Er las meinem Bruder, der Zahnmedizin studiert hat, und mir gern Biografien vor. Irgendwann erfuhr ich von Sigmund Freud und seiner Arbeit. Das fand ich so spannend. Damals als Kind wollte ich unbedingt seine Psychoanalyse lernen.
Das Interview führte LZ-Mitarbeiterin Sylvia Frevert.

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