Extertal. 2020 ist er knapp unterlegen, jetzt tritt Christian Sauter (FDP) erneut als Bürgermeisterkandidat an. Der 45-Jährige bringt dabei einige politische Erfahrung mit, war er doch seit 2017 Mitglied des Bundestages. Schon im vergangenen Jahr erklärte der Extertaler aber, dafür nicht mehr kandidieren und sich stattdessen voll und ganz seiner Heimat widmen zu wollen. Im Interview erzählt Sauter, welche Ziele er hat, warum große Versprechungen nicht möglich sind und warum ihm Bürgerbeteiligung so wichtig ist. Herr Sauter, Warum möchten Sie Bürgermeister von Extertal werden? Christian Sauter: Für mich ist das etwas Besonderes und eine Ehre, in der Heimatgemeinde als Bürgermeister zu kandidieren. Ich möchte Extertal für die kommenden Jahre voranbringen und meine Erfahrung, mein Netzwerk aus meiner politischen und beruflichen Zeit einbringen. Haben Sie schon 2020 entschieden, dass Sie jetzt noch mal antreten wollen? Christian Sauter: Ich bin ja damals in der Stichwahl zweiter geworden, habe dann mein Mandat in Berlin weiter ausgeführt, habe dann aber auch im Laufe der Zeit entschieden, weil es auch ein Wunsch von mir war, noch mal für den Bürgermeister zu kandidieren. Dafür habe ich mich dann Ende 2023 entschieden und Anfang 2024 öffentlich gemacht. Warum wollten Sie im Bundestag nicht mehr weitermachen? Christian Sauter: Das hat zwei Aspekte. Erstens ist mir das sehr wichtig, hier vor Ort zu sein, weil ich mit meiner Heimat sehr verbunden bin und weil ich zu einigen Themen Vorstellungen habe, die ich im Amt gerne einbringen würde. Und das Zweite waren auch die Fragen der Wahltermine. Im gleichen Jahr sind Bundestagswahlen und Kommunalwahlen dieses Jahr und ich wollte einfach eine klare Entscheidung treffen. Für beides gleichzeitig zu kandidieren, ist sicher nicht der richtige Weg. 2020 haben Sie gesagt, Ihnen liegen insbesondere Dinge wie Sicherheit und Ordnung, Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern und das Ehrenamt am Herzen. Sind das auch heute noch Ihre Kernthemen? Christian Sauter: Das sind nach wie vor wichtige Themen. Sicher hat sich einiges weiterentwickelt, anderes hat sich verändert. In den nächsten fünf Jahren werden die Herausforderungen sicher nicht weniger, die Probleme nicht kleiner. Ein großes Thema werden solide Finanzen sein. Die Unterstützung des Ehrenamtes ist ein wesentlicher Punkt, auch die stärkere Einbindung der Bürger in Entscheidungsprozesse. Und der dritte Punkt ist: Wie stellen wir uns als Flächengemeinde in den nächsten fünf Jahren auf?, also die Infrastruktur für die Ortsteile. Das Thema Finanzen liegt Ihnen ja auch immer sehr am Herzen, wenn wir zum Beispiel an die Mittelstraße 32 denken. Was würden Sie da gerne anpacken? Christian Sauter: Das ist sicherlich kein einfaches Thema, da auch Extertal vielen externen Einflüssen unterliegt. Dennoch ist mir der sorgsame Umgang mit dem Steuergeld der Extertaler sehr wichtig. Das führte mich bei der Mittelstraße 32 auch zur Ablehnung des Projektes in dem Umfang. In Zukunft wird es, wie gesagt, sicher nicht einfacher werden. Wir erleben das zum Beispiel mit der steigenden Kreisumlage. Und insofern ist das auch keine Zeit für große Versprechungen, das muss ich auch ganz klar sagen. Ein zweiter wesentlicher Punkt ist das Thema Netzwerk. Also dass wir auch Möglichkeiten, die es über Landes- und Bundesmittel gibt, zielgerichtet für die Kernaufgaben zur Verfügung zu stellen. Inwiefern kommt Ihnen Ihre politische Erfahrung zugute? Christian Sauter: Das ist das Angebot, das ich an der Stelle machen möchte, dass ich das Netzwerk, das ich mir in mittlerweile 16 Jahren Kommunalpolitik und fast acht Jahren Bundespolitik aufgebaut habe, Extertal zur Verfügung stellen möchte. Sie waren sich in der Vergangenheit nicht immer mit den anderen Fraktionen einig. Wie blicken Sie einer Zusammenarbeit mit Ihnen als Bürgermeister entgegen? Christian Sauter: Im Vergleich zu vorigen Zeiten war es in dieser Ratsperiode aus meiner Sicht eine gute Zusammenarbeit. Dass man in Einzelfragen auch mal unterschiedlicher Meinung sein kann, ist klar. Das gehört aus meiner Sicht dazu. Ein Bürgermeister hat natürlich eine andere Rolle als ein Ratsmitglied oder Fraktionsvorsitzender und da zählt es zu seinen Aufgaben, zu moderieren und unterschiedliche Meinungen zusammenzubringen. Stichwort Bürgerbeteiligung, wie würden Sie die angehen? Christian Sauter: Ich würde grundsätzlich ein Angebot schaffen wollen, am besten immer persönlich. Eine Bürgerversammlung ist zum Beispiel ein wesentliches Mittel der Kommunikation. Das zweite ist, dass Dinge konsequent nicht nur in den sozialen Medien, sondern auch auf den offiziellen Seiten der Gemeinde bekannt gegeben werden. Ich möchte das nicht kritisieren, wie es bisher gehandhabt wurde, ich möchte nur sagen, wie ich es anders machen würde. Politik muss Entscheidungen auch erklären und nachvollziehbar begründen. Verlässlichkeit ist ein wichtiger Punkt. Wo sehen Sie Stärken und Schwächen einer ländlichen Region wie Extertal? Christian Sauter: Ich möchte das gar nicht als Schwäche sehen, sondern eher als Herausforderung, und zwar das Thema Infrastruktur. Wir haben relativ wenig Einwohner für eine verhältnismäßig große Infrastruktur, sprich lange Wege, ein langes Kanalnetz und Ähnliches. Stärken sehe ich in einer guten Lebensqualität, verhältnismäßig günstigem Wohnraum. Unseren ländlichen Charakter zu bewahren, ist ein ganz wesentlicher Punkt. Was erwartet die Extertalerinnen und Extertaler mit Ihnen als Bürgermeister? Christian Sauter: Ich möchte verlässlich und verbindlich meine Themen voranbringen. Ich strebe eine stärkere Bürgerbeteiligung an und glaube, die Extertaler bekämen mit mir einen Bürgermeister, der seine Heimat sehr schätzt. Für mich ist eine besondere Herausforderung, hier noch mal kandidieren zu dürfen, aber ich mache das mit meinem ganzen Herzblut und mit ganzer Kraft. Persönlich: Christian Sauter wurde 1980 in Rinteln geboren und ist Diplom-Wirtschaftsingenieur. In der FDP ist er stellvertretender Vorsitzender des Bezirksverbandes OWL, stellvertretender Kreisvorsitzender der FDP Lippe und Orts- und Fraktionsvorsitzender der FDP Extertal. Sauter ist ledig und lebt auf dem elterlichen Hof, einer ehemaligen Molkerei in Almena. Im Bundestag war er unter anderem Mitglied im Verteidigungsausschuss und stellvertretendes Mitglied im Verkehrsausschuss.