Extertal. Bis 2020 hatte Extertal mit Monika Rehmert eine Frau aus Reihen der SPD an der Verwaltungsspitze. Wenn es nach Josephine Dreier geht, soll das auch künftig wieder so sein. Die 32-Jährige ist erst kürzlich der Fraktion beigetreten, hat aber schon große Pläne. Und so hat sich die vierfache Mutter direkt als Kandidatin für das Bürgermeisteramt aufstellen lassen. Die LZ hat Josephine Dreier zum Gespräch auf den Spielplatz in Bremke getroffen. „Ich habe mehrere Lieblingsorte in der Gemeinde“, erklärt sie. „Hier komme ich gerne mit meinen Kindern her.“ Frau Dreier, warum möchten Sie Bürgermeisterin von Extertal werden? Josephine Dreier: Weil ich endlich nicht mehr nur zusehen, sondern mitgestalten möchte. Überall meckern die Leute nur und ich habe gesagt: „Das reicht mir, ich möchte jetzt aufstehen und selbst was bewegen.“ Politisch sind Sie bisher noch nicht in Erscheinung getreten. Woher kam der Entschluss, sich in diesem Bereich zu engagieren? Josephine Dreier: Ich bin dieses Jahr in die SPD eingetreten, besuche aber schon seit Jahren Veranstaltungen wie den Roten Grill mit der Frau meines Cousins. Als dann eine Freundin auch eingetreten ist und sich als Ratsmitglied hat aufstellen lassen, habe ich gesagt: „Alles klar, Zeit für frischen Wind, ich mache das.“ Wir sind inzwischen auch viele junge Leute und auch Frauen in der SPD. Direkt als Bürgermeisterkandidatin ist natürlich auch ein großer Schritt... Josephine Dreier: Ja, das braucht Mut und den habe ich. Ich liebe neue Herausforderungen. Selbst wenn ich die Wahl nicht gewinne, habe ich für mich persönlich gewonnen, weil ich den Mut bewiesen habe und in dieser ganzen Zeit gewachsen bin. Das war eine Entscheidung, die von mir ausging. Meine Familie hat mich angeguckt und gesagt: „Ist das dein Ernst?“, aber ich habe gesagt. „Ja, ich mache das jetzt, ich möchte etwas bewegen.“ Dieses Meckern überall hat mir gereicht. Wenn keiner etwas macht, passiert auch nichts. Und ich weiß, ich stehe nicht allein da. Ich habe ja noch ein Team um mich herum. Die Verwaltung macht eine sehr gute Arbeit. Würden Sie sagen, das ist ein Vor- oder ein Nachteil, dass man Sie bisher politisch nicht kennt? Josephine Dreier: Sowohl als auch. Ich habe nicht dieses berufspolitische Denken wie andere, ich gehe nicht nur in der Spur der SPD. Ich trete viel eher als Mensch an, als Josephine Dreier. Das ist mir wichtig. Ich bin in die SPD eingetreten, weil sie in Bezug auf meine Ziele am besten zu mir passt. Was würden Sie denn als Ihre Kernziele definieren? Josephine Dreier: Familie und Bildung, aber auch das Ehrenamt sind mir unfassbar wichtig. Ohne Ehrenamt und Vereine würde nichts mehr laufen, dann wäre jeder nur noch für sich. Das hat sich durch Corona vielleicht auch noch verschärft. Man sieht es ja auch hier am Spielplatz, der durch die Dorfgemeinschaft gepflegt wird. Ich finde es schade, wenn zum Beispiel auf den Spielplätzen Dinge abgerissen werden, um die sich einfach nur jemand hätte kümmern müssen. Wie könnte man das Ehrenamt aus Ihrer Sicht noch mehr stärken? Josephine Dreier: Was ja jetzt schon gemacht wird, ist die Ehrenamtsfeier jedes Jahr. Das finde ich richtig toll. Und zum Beispiel, wenn man weiß, dass jemand regelmäßig irgendwo ehrenamtlich arbeitet, einfach mal hinfahren, eine Tafel Schokolade mitbringen, sagen: „Hey, wir sehen das, du machst das klasse.“ Das fängt mit so ganz kleinen Gesten an, es geht nicht immer ums Geld, sondern auch um Wertschätzung. Was möchten Sie beim Thema Bildungs- und Betreuungsangebote angehen? Josephine Dreier: Wir dürfen nicht stehen bleiben. Wir sind schon gut ausgestattet, was die Technik angeht, aber man müsste auch an die Gebäude ran. Mal neue Gardinen hinhängen, zum Beispiel – nicht nur aus optischen Gründen, sondern auch, um Sonne und Hitze besser draußen zu halten. Die Kinder verbringen viele Stunden am Tag in der Schule, da sollen sie sich wohlfühlen können – und das geht eben nur, wenn auch das Raumklima angenehm ist. Das klingt ja alles erst mal nach machbaren Dingen... Josephine Dreier: Ja, aber ich finde, viele kleine Ziele führen auch zum Erfolg. Ich habe zum Beispiel nicht verstanden, warum in der Grundschule in Silixen 60.000 Euro in Duschen investiert wurden, wenn man zum Beispiel erst mal die Toiletten hätte neu machen können. Auch die Einbindung der Bürgerinnen und Bürger ist ja Ihnen sehr wichtig. Warum? Josephine Dreier: Ich habe letztens zum Beispiel eine Umfrage gemacht bei Instagram und ich finde das toll, wenn die Leute direkt drauf reagieren. Da ging es zum Beispiel um den neuen Edeka in Almena, an dem ein Zebrastreifen gewünscht wird. Ich könnte mir auch vorstellen, Ansprechpartner in den Ortsteilen zu benennen. Ich möchte den Leuten auch die Angst nehmen, sich einfach mal in Ratssitzungen zu setzen und das auch ein bisschen öffentlicher machen, dass jeder dazukommen kann. Sie möchten neue Impulse in der Kommunalpolitik setzen, was meinen Sie damit? Josephine Dreier: Mir ist wichtig, dass wir als Menschen dastehen. Ich mag dieses „Das sind die Grünen, das sind die Schwarzen“ nicht, am Ende sind wir alle für eine Gemeinde da. Wo sehen Sie Stärken und Schwächen der Gemeinde? Josephine Dreier: Unser Vorteil ist, dass wir hier noch sehr ländlich leben, wir haben viel Natur, viele Wanderwege, zwei Freibäder, die Leute kennen sich untereinander. Ein Problem ist mitunter die Infrastruktur. Man kann nicht einfach mal so von einem Ort zum anderen mit dem Bus. Auch die Radwege hätte ich gerne mehr ausgebaut. Was erwartet die Extertalerinnen und Extertaler mit Ihnen als Bürgermeisterin? Josephine Dreier: Ehrlichkeit, ich bin nahbar, ein Organisationstalent und ich haben einen starken Gerechtigkeitssinn. Ich freue mich auf die kommenden fünf Jahre, auch wenn ich nicht gewählt werden sollte. Persönlich: Josephine Dreier kommt gebürtig aus Krankenhagen in Rinteln, lebt aber seit über 20 Jahren in Extertal. Die 32-Jährige ist Mutter von vier Kindern, geschieden und selbstständig als Friseurmeisterin. Sie lebt mit ihrer Familie in Almena.