Horn-Bad Meinberg. Obwohl sie als Einzel-Ratsmitglied der Linken keinen Fraktionsstatus genießt, ist Diana Ammer keine stille Politikerin. Erneut stellt sie sich nun als Bürgermeister-Kandidatin zur Wahl. Zum Interview an ihrem Lieblingsort am idyllischen Silberbach nahe der Kattenmühle in Veldrom hat sie einen Picknickkorb mitgebracht. Frau Ammer, warum haben wir uns hier im Silberbachtal getroffen? Diana Ammer: Weil ich hier sehr, sehr gerne bin – früher auch mit meinen inzwischen erwachsenen Kindern. Hier ist das Silberbachtal noch ursprünglich: dieses kalte Wasser, diese Natur, diese Stille. Und der Ort liegt zwischen dem Naturfreundehaus und dem Buchenberg, wo durch falsche Beförsterung viele Fichten standen, die nun kaputt sind. Der Bereich gehört dem Landesverband und dass dieser dort viele Windkraftanlagen errichten möchte, ist leider noch nicht vom Tisch. Weil Sie für eine gewisse „Querulanz“ bekannt sind: Wäre es denn nicht auch Ihre Aufgabe als Bürgermeisterin, alle Parteien zusammenzubringen? Diana Ammer: Ja, genau. Es wäre Aufgabe des jetzigen Bürgermeisters gewesen, immer alle Interessen einzubeziehen. Also beispielsweise auch beim Fachmarktzentrum: Die Bürger haben gesagt, sie wollen das Fachmarktzentrum nicht wegen der Verkehrssituation. Und sie wollen nicht entmietet werden. Das wurde ignoriert. Man hat das Fachmarktzentrum trotzdem gebaut. Diese Stimmen der Bürger müssen ernst genommen werden. Das tue ich. Sie haben von der Stadtverwaltung immer wieder Transparenz gefordert. Wie würden Sie das denn als Bürgermeisterin selbst sicherstellen? Diana Ammer: Ich bin der Meinung, dass es die rechtliche Verpflichtung eines Bürgermeisters, einer Bürgermeisterin ist, Transparenz herzustellen. Der Haushalt der Stadt wird mit öffentlichen Geldern bezahlt und ich finde, es ist gar nicht zulässig, dass beispielsweise Fragen nach einer Kostenübersicht der Amazon-Ansiedlung nicht beantwortet werden. Kein Ratsmitglied kennt die genauen Verträge mit Amazon. Welche Auswirkungen hat das noch auf unseren Haushalt? Womit ist noch zu rechnen? Wie meinen Sie das? Diana Ammer: Aktuell gibt es ja wieder Ratsbeschlüsse, dass man im Industriepark noch weitere Toilettenanlagen bauen und die Müllentsorgung für Amazon auf Kosten der Stadt übernehmen will. Oder auch die Ampelanlage in Wöbbel, die die Stadt Horn-Bad Meinberg bezahlt, damit das erhöhte Verkehrsaufkommen für Amazon geregelt wird. Aber braucht die Stadt nicht einen starken Gewerbesteuerzahler? Diana Ammer: Welche Steuern zahlt Amazon denn in Horn-Bad Meinberg? Ich kenne keine offiziellen Zahlen. Der Sitz von Amazon Horn-Bad Meinberg ist in München... jedenfalls als ich vor einem halben Jahr zum letzten Mal geschaut habe [Anmerkung der Redaktion: Seit November 2024 hat Amazon Horn-Bad Meinberg seinen Sitz nicht mehr in München und ist im Lemgoer Handelsregister eingetragen.]. Und hier in Horn-Bad Meinberg wird ja auch nichts produziert, sondern umgepackt. Amazon erwirtschaftet hier also keine Gewinne, sondern räumt nur um. Thema Badehaus: Muss sich die Stadt das leisten? Diana Ammer: Horn-Bad Meinberg ist genauso groß wie Bad Lippspringe. Und wir sind ein Kurort. Dessen Re-Zertifizierung nach dem Kurortgesetz hat man diesmal ohne Badehaus irgendwie noch geschafft. Aber wie ist es beim nächsten Mal? Das Badehaus brauchen wir unbedingt. Wir müssen endlich auf Augenhöhe und konstruktiv mit der Interessengemeinschaft zusammenarbeiten. Aber das heißt auch, die Stadt muss das Badehaus sanieren. Mit welchem Geld? Diana Ammer: Es scheint gar nicht so marode zu sein, wie manche Politiker bisher gesagt haben. Die Initiative hat Kontakt zu einem Experten hergestellt, der in dem Bereich wirklich viel Erfahrung hat. Es gibt also schon Möglichkeiten, wie man einen realistischen Interimsbetrieb anvisieren kann, der zwar kostet, aber ein großer Gewinn für den Kurort wäre. Bei der Lippe-Check-Umfrage unter LZ-Lesern ist Horn-Bad Meinberg bei der Sicherheit auf dem letzten Platz unter den lippischen Kommunen gelandet. Ist es hier wirklich unsicher? Diana Ammer: Mein eigenes Erfahren ist, dass ein Kind, was so vulnerabel ist wie mein [Pflege-]Sohn, schon sehr unter die Räder gekommen ist. Und was kann man dagegen tun? Diana Ammer: Horn bräuchte ein Haus der Begegnung, wo alle willkommen sind. Und aufsuchende Sozialarbeit, die bedingungslos ist – ohne Bürokratiemonster. Wir haben bei den Sozialarbeitern zwei Dreiviertel-Stellen. Bei dem Bedarf ist das sehr wenig. Wir haben hier Familien, die seit Jahren so am Rande und parallel zur Gesellschaft leben, aber sie ziehen nicht weg. Die müssen integriert werden. In Schlangen gibt es schon seit zehn Jahren eine Integrationsmanagerin. Und Schlangen ist viel kleiner als Horn-Bad Meinberg. Was wären als Bürgermeisterin ihre vorrangigen Projekte? Was würden Sie zuerst angehen? Diana Ammer: Mit den Menschen reden, Menschen zusammenbringen. Und wir brauchen in einer Verwaltungsspitze jemand, der juristische Kenntnisse hat. In der Hauptsatzung der Stadt ist ja eigentlich auch ein Beigeordneter vorgesehen, der ein Volljurist oder jemand mit Verwaltungsausbildung sein muss. Immer die Rechtsberatung des Kreises zu nutzen, finde ich nicht hinreichend. Persönlich Diana Ammer (58) ist verheiratet, hat vier Kinder und lebt in Horn. Die gelernte Gemeindepädagogin arbeitet als Pflegemutter. Außerdem ist sie ehrenamtliche Sozialrichterin, engagiert sich im BUND und bei den Nationalparkfreunden OWL. Kommunalpolitik macht Diana Ammer seit 15 Jahren – derzeit als Einzel-Ratsmitglied der Linken. Als sozial engagierte Frau hält sie Kontakt zur Obdachlosen-Initiative „Freigeister“, zu den Amazon-Gegnern und anderen Initiativen.