Kalletal. Die Schüler der Jacobischule in Kalletal können Bus und Bahn auch im nächsten Schuljahr mit dem Westfalenticket nutzen. Die überall in Westfalen-Lippe gültige Fahrkarte wird an alle Schüler ausgegeben, unabhängig davon, ob sie einen Anspruch darauf haben. Das hat der Gemeinderat gegen die Stimmen der CDU beschlossen. Vorausgegangen war eine Diskussion über Kosten, Teilhabe und die Nutzung der Fahrkarte. Das erinnerte ans vergangene Jahr, als eine ähnliche Debatte geführt worden war. Nun beschäftigten sich die Kommunalpolitiker erneut mit dem Thema, weil das Ticket nach jeweils zwölf Monaten verlängert werden muss. Der aktuelle Beschluss, wonach 373 Schüler die Fahrkarte erhalten, kostet die Gemeinde etwa 228.000 Euro. Zur Auswahl hatten mehrere Varianten gestanden, beispielsweise auch das Deutschlandticket. Das wäre mit knapp 260.000 Euro allerdings teurer gewesen, wenn es an alle Schüler ausgegeben wird. Letzteres war ein Auslöser der Diskussionen gewesen: Denn die Gemeinde muss im Prinzip nur den 260 Schülern eine Fahrkarte zahlen, die weiter als dreieinhalb Kilometer von der Schule entfernt wohnen. „Teilhabe fördern“ Doch wie im Vorjahr war das für eine Mehrheit aus SPD, Grünen und UKB kein Thema: Alle Schüler, egal ob mit Anspruch oder ohne, sollten die Fahrkarte bekommen – das sogenannte Solidarmodell. Für SPD-Fraktionschef Manfred Rehse geht es darum, die „Teilhabe zu fördern“, wie er im Rat sagte. Dies entlaste Familien finanziell, hatte auch die Gemeindeverwaltung argumentiert. Rehse verwies in diesem Zusammenhang auf einen Vortrag zur zunehmenden Einsamkeit auch bei jungen Leuten, der kürzlich in Kalletal gehalten worden war. Das Westfalenticket gibt es nur im „Solidarmodell“, das heißt, dass alle Schüler – egal ob mit oder ohne Anspruch – eine Fahrkarte bekommen. Die Alternative wäre nach Angaben der Gemeindeverwaltung das Deutschlandticket gewesen. Für die anspruchsberechtigten Schüler hätte es 181.000 Euro zu Buche geschlagen, wäre also etwa 47.000 Euro günstiger gewesen als die jetzige Lösung. Deren Kosten verursachten bei der CDU Bauchschmerzen – ebenfalls wie im Vorjahr: Weil die Gemeinde knapp bei Kasse sei, lehne die Fraktion es ab, das Geld „per Gießkannenprinzip an nicht anspruchsberechtigte Schüler auszuschütten“, sagte Fraktionsvorsitzender Julian Gerber. „Wir hätten uns wenigstens einen Eigenanteil gewünscht.“ Eigenanteil – ja oder nein? Die Frage des Eigenanteils der Schüler beziehungsweise der Eltern ist allerdings ebenfalls vertrackt. Bürgermeister Mario Hecker hatte im vergangenen Jahr argumentiert, damit würden diejenigen bestraft, die einen Anspruch haben. Denn sie würden zur Kasse gebeten, obwohl sie bislang eine Fahrkarte umsonst erhalten hatten. Überdies ist nach Angaben der Gemeindeverwaltung beim Westfalenticket im Solidarmodell kein Eigenanteil vorgesehen, Kalletal müsste also zum Deutschlandticket wechseln. Würden nicht anspruchsberechtigte Kinder keine Gratis-Fahrkarte bekommen, würden sie benachteiligt, insbesondere Kinder aus finanziell schwächeren Familien. So lautete ein Argument für das jetzige Modell. Überdies hatte die Gemeindeverwaltung die Jabobischüler befragt mit dem Ergebnis: Ja, das Westfalenticket wird auch in der Freizeit genutzt, etwa um Freunde zu besuchen oder um zum Arzt zu kommen. Für Bürgermeister Mario Hecker zeigt die Umfrage, dass es gelungen sei, Kinder und Jugendlichen an den ÖPNV heranzuführen. Die Gemeindeverwaltung hatte hervorgehoben, das jetzt beschlossene Modell reduziere außerdem den Hol- und Bringverkehr, unterstütze den Umwelt- und Klimaschutz und stärke den regionalen Nahverkehr. Die SPD hatte zusätzlich darauf verwiesen, dass im Herbst eine Schnellbuslinie nach Lemgo und Detmold eingeführt wird. Außerdem stärke das Ticket die Jacobischule.