Kalletal. Der Streit um die Finanzen des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) Kalletal geht in die nächste Runde. Nach LZ-Informationen hat eine interfraktionelle Runde unter Beteiligung von Bürgermeister Mario Hecker am Montagabend eine Finanzspritze in Höhe von 50.000 Euro für die kommunale Einrichtung beschlossen. Bei der Ratssitzung am Donnerstag, 30. Oktober, soll es um weitere 100.000 Euro gehen. Der Rat tagt dann zum letzten Mal in alter Zusammensetzung. Bürgermeister Mario Hecker wollte sich auf Anfrage vorerst nicht zu dem Sachverhalt äußern. Er verwies auf eine Vorlage für die Ratssitzung, die in eineinhalb Wochen vorliegen soll und in der er den Sachverhalt öffentlich darlegen werde. SPD-Fraktionschef Manfred Rehse bestätigte das Treffen der interfraktionellen Runde, an der vier Ratsmitglieder von SPD und Grünen sowie ein Ratsmitglied der CDU und der Bürgermeister teilnahmen. Die UKB-Fraktion war wegen der kurzfristigen Einladung nicht dabei. Es sei ein Dringlichkeitsbeschluss gefasst worden, um eine „kurzfristige Liquiditätslücke“ des MVZ zu schließen. Diese Entscheidung muss vom Rat bestätigt werden. Patientenzahlen schwächeln Hintergrund für die notwendige Finanzspritze ist offenbar die Tatsache, dass das MVZ noch nicht die benötigte Patientenzahl erreicht hat. Nach Rehses Worten hatte die Einrichtung bis Juni/Juli etwas mehr als 800 Patienten. Dann habe es einen Einbruch gegeben, für den Rehse die „Halbwahrheiten und Spekulationen der UKB über eine Insolvenz des MVZ“ verantwortlich macht. Wie berichtet, hatte die Wählergemeinschaft im Wahlkampf behauptet, dass das MVZ schon insolvent sein müsste, und war daraufhin vom MVZ verklagt worden. Laut Urteil vom 26. September dürfen die UKB diese Behauptung nicht wiederholen, anderes allerdings schon. Nach der Urteilsverkündung habe sich das Blatt gewendet, so Rehse. Mit Beginn des Monats Oktober „haben sich allein in zwei Tagen 114 neue Patienten im MVZ gemeldet“, sagte er. Das zeige, dass die Bürger vorher verunsichert gewesen seien und sich zurückgehalten hätten. Damit steht für ihn fest, dass die Probleme des MVZ nicht selbstverschuldet seien. „Die UKB haben Rufschädigung betrieben“, kritisiert Rehse. UKB-Fraktionschef Ingo Mühlenmeier wollte sich zu dem Vorwurf auf Anfrage nicht äußern, bot Rehse aber ein persönliches Gespräch an. In der Ratssitzung soll es außerdem um eine Kapitalaufstockung der als GmbH organisierten Tochter der Gemeinde gehen. Das sei notwendig, weil das bisherige Grundkapital nicht ausreiche, sagte Rehse, ohne Zahlen zu nennen. Nach LZ-Informationen geht es um zusätzliche 100.000 Euro. Rehse sieht hier den verzögerten MVZ-Start im April und die zu niedrigen Patientenzahlen als Ursache. Wenn Letztere 1300 erreichten, sei das MVZ in sicherem Fahrwasser. Die Ratssitzung am 30. Oktober beginnt um 19 Uhr im Bürgerbegegnungszentrum.