Kalletal. Die kommunale Wärmeplanung soll ein entscheidender Baustein für die Klimaschutzstrategie der Gemeinde Kalletal sein und dazu beitragen, die Wärmeversorgung nachhaltig zu gestalten. Für die Bürger soll sie eine Orientierung bieten. Derzeit arbeitet Westfalen Weser (WW) daran. Projektbetreuer Michael Kabelski hat jetzt einen Zwischenstand in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses gegeben. Zunächst untersuchte WW den Bestand. Demnach werden vor allem Gas (39,5 Prozent) und Öl (34,9 Prozent) zur Erzeugung von Energie in der Gemeinde genutzt. Da WW auch die kommunale Wärmeplanung für die Nachbarkommune Dörentrup erstellt, lassen sich die Werte gut vergleichen. Gas macht dort einen Anteil von 31,7 Prozent und Öl von 28,7 Prozent aus. Den Anteil der Stromwärme durch Stromdirektheizungen und Wärmepumpen schätzte WW dort im Vergleich zu anderen Kommunen mit 19,5 Prozent relativ hoch ein. In Kalletal macht Stromwärme immerhin 17,3 Prozent aus. Alte Gebäude Das Unternehmen habe sich dann die Wohngebäudestruktur angesehen, denn die privaten Haushalte verbrauchen 64 Prozent der gesamten Energiemenge in der Gemeinde. Dabei zeigt sich: Die Gebäude in Kalletal sind überwiegend alt. Das lässt Rückschlüsse auf den Sanierungsstand zu. Knapp 1000 Häuser sind bereits vor 1900 gebaut. Die meisten Gebäude (circa 5000) wurden aber zwischen 1900 und 1945 gebaut. Darunter sind nicht nur Privathäuser, sondern auch ein nicht unerheblicher Anteil an Gebäuden, die für Gewerbe, Handel und Dienstlungen genutzt werden. Etwa 2400 Häuser wurden zwischen 1946 und 1960 und weitere 2200 zwischen 1961 und 1970 gebaut. Das schnellste Wachstum der Gemeinde gab es also in diesem Jahrzehnt. Potenzial im Bereich Windenergie WW habe dann das Potenzial in Kalletal analysiert. Das bedeutet, dass beispielsweise geschaut wurde, wie viele Freiflächen es noch gibt, auf denen vielleicht ein Solarpark entstehen könnte, oder welche Windkraftanlagen von Repowering profitieren würden. Dabei handelt es sich natürlich um hypothetische Werte. Außerdem stehen die verschiedenen Energieerzeuger in Konkurrenz zueinander. Demnach gebe es aber besonders Potenzial in den Bereichen Windenergie (358 Gigawattstunden pro Jahr, GWh/a), Umweltwärme (330 GWh/a), Geothermie (287 GWh/a) und Solarthermie (261 GWh/a). Zum Vergleich: Letzere bildet mit 367 GWh/a das größte Potenzial in Dörentrup, Windenergie macht mit 273 GWh/a etwas weniger aus. Zusammengerechnet kommt WW auf 523 GWh/a Potenzial im Bereich Strom in Kalletal (Dörentrup: 454 GWh/a) und 1166 GWh/a im Bereich Wärme (Dörentrup: 515 GWh/a). Geprüft wird nach einem Antrag von SPD und Bündnis 90/Die Grünen auch, ob die Wasserkraft der Weser für die Wärmeversorgung in Stemmen, Varenholz, Erder und Kalldorf genutzt werden kann. Theoretisch wären rund 9,7 GWh/a möglich. 53 Eignungsgebiete Derzeit sei WW dabei, das Gemeindegebiet in Eignungsgebiete zu unterteilen, in denen es Ähnlichkeiten gibt. Ausfindig gemacht haben die Experten 53 Gebiete, in denen nun geschaut werde, welche Versorgungskonzepte dort sinnvoll seien. Insbesondere werde geprüft, ob sich irgendwo ein Nah- oder Fernwärmenetz eigne. Dabei würden Faktoren wie der Gesamtwärmebedarf des Gebiets, die Anzahl der potenziellen Kunden, die Nähe zu bestehenden Wärmenetzen, die theoretischen Wärmevollkosten und nicht zuletzt der Wille der Bürger eine Rolle spielen. Potenzial wäre zum Beispiel in Hohenhausen. „Es geht nun darum, ob es sich lohnen würde, in dem Gebiet eine Machbarkeitsstudie durchzuführen“, sagte Michael Kabelski. WW werde jetzt für jedes Gebiet einen Steckbrief erstellen. Darauf werden Daten zum Bestand und empfohlene Maßnahmen zu finden sein. Während der Sommerferien ist außerdem ein kurzer Fragebogen zu dem Thema auf der Internetseite der Gemeinde (kalletal.de) zu finden. Darüber hinaus soll es einen Bürgerinformationsabend geben. Bürgermeister Mario Hecker sagte zum Abschluss: „Geplant ist, dass der Rat in seiner Dezembersitzung die kommunale Wärmeplanung beschließt, wenn er sich ausreichend informiert fühlt.“