Wie die Schilddrüse den Körper beeinflusst

Erol Kamisli

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Ein Blick auf die Schilddrüse: Dr. Eva Fricke aus dem Klinikum Lemgo ist Nuklearmedizinerin. Mit Hilfe des Ultraschalls kann sie erkennen, ob sich Knoten in dem Organ gebildet haben. - © Vera Gerstendorf-Welle
Ein Blick auf die Schilddrüse: Dr. Eva Fricke aus dem Klinikum Lemgo ist Nuklearmedizinerin. Mit Hilfe des Ultraschalls kann sie erkennen, ob sich Knoten in dem Organ gebildet haben. (© Vera Gerstendorf-Welle)

Kreis Lippe. Die Schilddrüse produziert wichtige Hormone und steuert unseren Energiestoffwechsel. Doch 30 Prozent der Bevölkerung leiden an einer Erkrankungen dieses so wichtigen Organs. Daher laden LZ, Ärztekammer, AOK und das Klinikum Lippe zu einer Diskussionsrunde unter dem Titel „Schilddrüse – kleines Organ mit großer Wirkung" nach Detmold ein.

Sie ist geformt wie ein Schmetterling, sitzt im Hals direkt unterhalb des Kehlkopfes und wiegt im Normalzustand gerade mal 20 bis 30 Gramm: die Schilddrüse. „30 Prozent der Bevölkerung haben eine vergrößerte Schilddrüse oder knotige Anteile darin", sagt Privat-Dozentin Dr. Eva Fricke, Chefin der Nuklearmedizin am Klinikum Lippe in Lemgo.

Information
Dem Thema Schilddrüse widmet sich „Gesundheit im Dialog" am Donnerstag, 15. März, im Residenz Hotel Detmold (Paulinenstr. 19). Von 19 bis 20.30 Uhr stehen Dr. Eva Fricke und Dr. Zdenek Sellak Rede und Antwort. Sie sprechen über Ursachen und Folgen von Erkrankungen der Schilddrüse sowie über aktuelle Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten. Anschließend kommen Sie zu Wort – die Referenten freuen sich auf Ihre Fragen. Einlass ist ab 18.30 Uhr. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Der Eintritt ist frei.

Die Schilddrüse stelle wichtige Hormone her, um sie an den Blutkreislauf abzugeben. „Beim Erwachsenen reguliert die Schilddrüse den gesamten Energiehaushalt und die Geschwindigkeit der meisten Stoffwechselprozesse", sagt die Medizinerin. Das bedeute, das Organ ist maßgeblich an der Regulierung von Körpertemperatur und Verdauungsprozessen beteiligt sowie auch an Hormonkreisläufen wie etwa dem für die Fruchtbarkeit. „Kaum ein körperlicher Prozess wird nicht durch die Schilddrüse mitbestimmt."

Jod spiele eine wichtige Rolle für die Schilddrüse, weil das Organ seine Hormone nur nach der Aufnahme des Spurenelementes produzieren kann.

Die Vergrößerung der Schilddrüse sei die erste Reaktion auf Jodmangel. Daher lässt sich mit der Ernährung sehr viel gegensteuern. „Fleisch, Eier, Milch und Fisch enthalten viel Jod und auch Selen, weil beides in der Tiernahrung speziell angereichert wird", sagt Dr. Fricke.

Wenn eine jodreiche Ernährung nicht möglich oder der Jodbedarf gesteigert sei, könne die Einnahme von Jodid als Tablette sinnvoll sein. „Dies betrifft zum Beispiel junge Frauen in der Pubertät oder während einer Schwangerschaft", erklärt der Detmolder Nuklearmediziner Dr. Zdenek Sellak. Doch das kleine Organ sei anfällig – häufig seien Vergrößerungen, Knotenbildung aber auch eine Unter- oder Überfunktion zu beobachten. Anzeichen für einer Unterfunktion seien Müdigkeit, Gewichtszunahme oder Verstimmungen.

„Eine Unterfunktion lässt sich leicht über das Blut erkennen und mit Medikamenten behandeln", so der Mediziner. Diese müssten dann in der Regel ein Leben lang eingenommen werden. Typisch für eine Überfunktion seien Ruhelosigkeit, übermäßiges Schwitzen und Gewichtsabnahme trotz normalen Appetits. Darüber hinaus können Zittern, Haarausfall oder Herzklopfen auftreten.

„Je nach Art der Erkrankung wird eine Überfunktion mit Medikamenten oder einer Strahlentherapie behandelt", fügt der Mediziner hinzu. Wichtig sei die Früherkennung. Denn wenn die Erkrankung fortgeschritten sei oder Krebsverdacht bestehe, müsse operiert werden. „Der Mensch kann auch ohne Schilddrüse leben, wenn das Hormon täglich durch eine Tablette zugeführt wird", betont Chefärztin Dr. Fricke.

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