<div>Kreis Lippe. Weihnachtszeit ist die Hochzeit für alle Seelsorger. Und so wird auch Wolfgang Loest als Pfarrer in der evangelischen Kirchengemeinde Barntrup jede Menge zu tun haben. Doch kaum, dass er Kanzel und Kirche verlassen hat, wird sein Blick aufs Smartphone unweigerlich folgen: Immerhin ist er Social-Media-Pfarrer der Lippischen Landeskirche. Und er findet sehr mobile Wege, um mit seinen Schäfchen zu kommunzieren.</div><div></div><br /><div>Ein kleiner Rückblick: Am Karfreitag sitzt ein Mann allein im Kirchenraum. Vor sich ein Laptop, daneben ein Lötkolben und ein kaputter Mikroprozessor. Wolfgang Loest feiert erstmals einen Karfreitagsgottesdienst mit der „Nerdgemeinde", „wir werden ein bisschen rumnerden", verspricht er.</div><div></div><br /><div>Wer sich eingeloggt hat, findet neben Wolfgang Loest die Kommentarleiste, und siehe da: Nach und nach zeigt sich, wer so alles live an diesem Internetexperiment teilnimmt. Die Anfangsschwierigkeiten mit dem Ton sind schnell behoben, und Wolfgang Loest erklärt seine mitgebrachten Utensilien. </div><div></div><br /><div>„Ich dachte, ich könnte den Prozessor noch mal löten, aber manchmal sind Dinge eben nicht reparabel" – und schwups, ist er bei Beziehungen untereinander, die manchmal in die Brüche gehen. Lassen sich solche Brüche kitten? Die Teilnehmer lassen in ihren Kommentaren ein wenig von ihren Erfahrungen durchblitzen, der Pfarrer geht darauf ein. Er macht noch eine Schleife bei der Science-Fiction-Serie Babylon 5, in der die beiden verfeindeten Helden einander am Ende noch verzeihen können. Und über Spock, der sich in großer Szene in der Serie Startreck für die Crew opfert, ist Wolfgang Loest beim Kern der Karfreitagsbotschaft angelangt.</div><div></div><h2>Riesiges Potential</h2> <div></div><div>Dieser ganz besondere Gottesdienst lässt sich übrigens auf YouTube in der „Nerdgemeinde" anschauen und wirft ein helles Licht auf das, was dem Pfarrer wichtig ist: „Es geht darum, sich als Gesprächspartner anzubieten und die Leute da zu erreichen, wo sie sind."</div><div></div><br /><div>Das „Da", das Wolfgang Loest hier anspricht, ist nun mal das weltweite Netz: Jugendliche kommunizieren heute über Social Media. Darum bringe es auch nicht viel, eine Sprechstunde anzubieten und auf Anrufe zu warten: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele junge Leute heute einfach nicht gern telefonieren." Anscheinend falle es ihnen leichter, mit Zeitverzögerung und mehr räumlicher Distanz zu kommunizieren. </div><div></div><br /><div>Wobei Wolfgang Loest ausdrücklich keine Telefonseelsorge im klassischen Sinne betreibt. Er ist ein echter Internetfreak: „Ich bin ein Nerd", sagt er, schon früh hat er sich sowohl mit dem Innenleben von Computern, aber auch mit Programmen beschäftigt. Gleichzeitig ist er aber auch mit Leib und Seele Pfarrer: „Es ist mir ein ganz großes Bedürfnis, die Frohe Botschaft zu verkünden."</div><div></div><br /><div>Nur, dass er das eben hauptsächlich auf anderen Kanälen tut, als andere Pastöre. Er kümmert sich beispielsweise um den Facebook-Auftritt der Lippischen Landeskirche, twittert, was das Zeug hält, und bietet sich immer und fast zu jeder Tageszeit als Ansprechpartner an. </div><div></div><h2>Jüngere Gemeindemitglieder sind wichtig</h2> <div></div><div>Aber eine seiner wichtigsten Aufgaben ist es, andere Pfarrer fit zu machen im Umgang mit sozialen Netzwerken: „Gemeinden können diese Kommunikationswege sehr gut nutzen, um vor allem die jüngeren Gemeindeglieder anzusprechen. Über 90 Prozent der deutschsprachigen Menschen über 14 sind online – das ist ein riesiges Kommunikationspotenzial."</div><div></div><br /><div>Darum veranstaltet Wolfgang Loest Seminare und Fortbildungen in Lippe, berät die Kirchenleitung, Klassen und Kirchengemeinden in allen Fragen der Digitalisierung und vernetzt sich mit anderen Social Media-Experten in der evangelischen Kirche deutschland- und europaweit. Nachwuchswerbung für den Pfarrberuf gehört ebenfalls dazu.</div><div></div><br /><div>Übrigens bevorzugt er selbst Twitter gegenüber Facebook. „Da muss man sich sehr genau überlegen, was man schreibt, weil man so wenig Platz hat. Ich habe schon mal mit jemandem über das Leid der Welt in 140 Zeichen diskutiert."</div><div></div><br /><div>Sein nächstes Projekt gehört zu den Erprobungsräumen, für die die Landeskirche jetzt Geld bereit gestellt hat: Der Aufbau einer Online-Gemeinde ist für Loest eine logische Konsequenz. </div>