Kreis Lippe. Mickel Biere, stadtbekannter Bäcker und Kreishandwerksmeister für Paderborn und Lippe, ist selten um einen freundlichen Spruch und einen netten Gruß verlegen. Aufs Handwerk in Zeiten des Coronavirus angesprochen, vergeht ihm aber die gute Laune. „Die Not des Handwerks ist nicht nur groß. Die Lage ist hochdramatisch." Zu beschwichtigen oder zu beschönigen gebe es absolut gar nichts. Auch gut gemeinte Aufmunterungen und Schulterklopfen à la „wird schon", wie er und Kollegen sie erlebten, nützten da wenig. Denn: „Die Kunden stornieren zurzeit zuhauf." Wer einen Schrank, eine neue Elektroinstallation, ein neues Bad in Auftrag gegeben habe – der rufe an und ziehe den Auftrag zurück. „Die Unsicherheit bei den Leuten ist riesig. Niemand weiß, wie es weitergeht, ob vielleicht Kurzarbeit ansteht, ob er seinen Job behält." Und was ist mit solventen Kunden, sagen wir Pensionären, die durchaus etwas auf der hohen Kante haben? Biere zuckt mit den Schultern: „Da stornieren auch viele." Die Kreishandwerkerschaft zählt etwa 800 Mitgliedsbetriebe in Lippe und rund 1000 in Paderborn. Um die Belegschaft vor Infektionen zu schützen, fahren viele Betriebe nur noch in kleinen, festen Teams zu Kunden und auf Baustellen. Manchen Kollegen, etwa den Bauhandwerkern gehe die Situation auch (noch) nicht ganz so an den Kragen, sagt Biere – fürs Bäckerhandwerk, sein Metier, gehe es jedoch nun ans Eingemachte. In seinem eigenen Betrieb sei der Umsatz seit einer Woche um 40 Prozent zurückgegangen. Das „Café Gothland" an der Bruchstraße sei geschlossen, halbwegs liefen die Bäckerei-Filialen in Heiligenkirchen und Hiddesen. Arbeitgeber melden Kurzarbeit an Das Umsatz-Minus erklärt der Bäcker vor allem mit den wegbrechenden Einnahmen, da Schulen und Kitas geschlossen seien, Cateringdienste von Firmen nicht geordert und Trauerfeiern und Jubiläen nur in ganz kleinen Rahmen gefeiert würden. Biere beschäftigt 50 Mitarbeiter; für 20 hat er Kurzarbeit angemeldet, andere nehmen Urlaub. „Pro Filiale gibt es nur noch eine Bedienung. Ich habe auch keine Tische mehr draußen", so Biere. Welche unmittelbaren Auswirkungen die Situation auf andere Betriebe hat, wird am Beispiel Mickel Biere schnell deutlich. Der Kreishandwerksmeister hatte einen neuen Auslieferungswagen bei einem lippischen Autohändler geordert – und jetzt, kurz vor der Unterzeichnung des Kaufvertrages, storniert. Geschichten dieser Art kenne er viele, sagt der Bäcker. Er setzt sehr darauf, dass staatliche Hilfe kommen werden, darunter auch KfW-Darlehen, auch wenn aktuell nix angekündigt sei. „Das wird aber kommen", so Biere. Kreditinstitute und Hausbanken kämen den Handwerkern in Sachen Kreditstundung wohl entgegen, so sein erstes Resümee. Ein Stück seines gewohnten Optimismus klingt da durch – und ist schon wieder weg: „Sonst brennt bei uns Handwerkern die Luft."