Amtshilfe wegen Coronavirus: Bundeswehr baut Rettungsstation in Detmold

Seda Hagemann

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Rettungsstation der Bundeswehr (© Bundeswehr/Patrick Grüterich)

Kreis Lippe. Die Coronavirus-Pandemie bedroht mehr und mehr die medizinische Versorgung in Lippe. Mittlerweile gibt es 204 bestätigte Corona-Fälle. Wie die LZ exklusiv berichtete, mussten fünf Arztpraxen Cronavirus bedingt geschlossen werden. Der Krisenstab des Kreises Lippe hat im Auftrag der Kassenärztlichen Vereinigung daher Amtshilfe von der Bundeswehr angefordert. So soll ein drohender Engpass bei der medizinischen Grundversorgung in Lippe überbrückt werden.

Das neue Behandlungszentrum am Hangar 21 soll Corona-Patienten und Verdachtsfälle zentral versorgen, um lippeweit die Arztpraxen zu entlasten, berichtet die Kassenärztliche Vereinigung. Nach dem Diagnosezentrum ist das der zweite Schritt in NRW, um der Pandemie her zu werden und das Gesundheitssystem vor einem Kollaps zu bewahren. Denn durch die Behandlung von Corona-Patienten in den hausärztlichen Praxen drohen noch mehr Quarantäne-Ausfälle.

Die mobile Rettungsstation aus Beständen der Bundeswehr wird am Hangar aufgebaut und zum Betrieb an die Kassenärztliche Vereinigung übergeben. Nach LZ-Informationen könnte die sogenannte Fieberambulanz bereits Freitag in Betrieb genommen werden.

Auf einer Fläche von 18 mal 12 Metern werden Zelt und Container aufgebaut. Dort soll die Versorgung von Corona-Patienten und Verdachtsfällen gebündelt werden. Landesweit entstehen solche Behandlungsambulanzen mit Hilfe der Bundeswehr.

"Wir liefern lediglich die Ausrüstung und das Material. Alles weitere koordiniert der Krisenstab und die Kassenärztliche Vereinigung", heißt es vom Landeskommando weiter. Der Hilfeleistungsantrag des Krisenstabs war am 22. März nach Genehmigung durch die Landesministerien bei der Bundeswehr eingetroffen.

Die Rettungsstation ermöglicht in der Regel dem Sanitätsdienst der Bundeswehr die erste allgemein- und notfallmedizinische Versorgung am Krisenort. Die Einrichtung besteht nach Angaben der Bundeswehr aus mehreren Modulen: einem Container Rettungsstation, einem Container Versorgungspalette mit zahlreichen Gerätschaften sowie einem aufblasbaren Zelt. In der Rettungsstation gibt es vier Behandlungsplätze.

"Fieberambulanz" ist in einer Stunde einsatzbereit

"Sämtliche medizinische Geräte werden in der sogenannten Fieberambulanz der Bundeswehr mitgeführt und benötigen so keinen zusätzlichen Transportraum", heißt es in der Erklärung. Bereits eine Stunde nach Ankunft am Einsatzort sei die Rettungsstation der Bundeswehr einsatzbereit.

Die Rettungsstation wird auf einer Fläche von 18 mal 12 Metern aufgebaut. - © Bundeswehr.de
Die Rettungsstation wird auf einer Fläche von 18 mal 12 Metern aufgebaut. (© Bundeswehr.de)

Neben der ersten allgemein- und notfallmedizinische Versorgung ermögliche die Rettungsstation in der Regel auch eine chirurgische Wundbehandlung. In Detmold ist die allerdings wohl nicht gefragt. Der Schwerpunkt der Behandlung liege auf der Aufrechterhaltung und Sicherung der Vitalfunktionen mit Hilfe moderner notärztlicher Verfahren, heißt es von der Bundeswehr. Im Kriegseinsatz würden Verwundete für den Weitertransport stabilisiert.

140 Anfragen für Amtshilfe deutschlandweit

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie ist die Bundeswehr nach eigenen Angaben bereits rund 140 Mal von Städten und Gemeinden um Hilfe gebeten worden. Das sagte Generalinspekteur Eberhard Zorn am Mittwoch im Deutschlandfunk. Besonders nachgefragt seien "helfende Hände", Zelte, Feldbetten, logistische Unterstützung sowie medizinische Schutzkleidung und Beatmungsgeräte. "Hier werden noch mehr Anträge kommen, insbesondere wenn es um die helfenden Hände geht", sagte der ranghöchste Soldat Zorn einem Bericht der Deutschen Presseagentur zufolge.

Rund 5000 Reservisten meldeten sich innerhalb einer Woche freiwillig zur Arbeit in Bundeswehrkrankenhäusern, wie Zorn weiter sagte. 170 von ihnen werden demnach gerade auf die fünf Bundeswehrkrankenhäuser verteilt. Dort werden bereits 80 Prozent zivile Patienten behandelt, sagte Zorn. Was die medizinische Hilfe angehe, sei die Bundeswehr "schon voll mittendrin". Ziel sei es, die Zahl der Intensivbetten, wie im zivilen Gesundheitssystem auch, zu verdoppeln.

Trotz der gut 130 bestätigten Corona-Fälle in der Bundeswehr sei die Einsatzbereitschaft der Truppe im Land sichergestellt. Viele Soldaten hielten sich aus Sicherheitsgründen zwar nicht in den Kasernen auf, sondern in Rufbereitschaft. Wenn Amtshilfe benötigt werde, sei man aber "sehr schnell - innerhalb eines Tages" - in der Lage, die Soldaten einzuberufen und die Hilfe zu leisten, sagte Zorn. "Das bekommen wir hin".

Um die Hilfe möglicherweise über Monate aufrecht zu erhalten, sei ein Schichtsystem wichtig, so Zorn. "Das bringt Sicherheit." Die Truppenausbildung sei indes auf das Nötigste heruntergefahren worden. Dort versuche man, die Sicherheitsabstände - wo es möglich sei - herzustellen und zu schauen, "dass wir nicht alle auf einem Haufen stehen", sagte Zorn.

Mit Material von dpa

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