Infektionsketten noch früher sprengen: Kreis weitet Corona-Tests aus

Astrid Sewing

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Freiwillige Helfer verlassen das Diagnosezelt am Hangar 21 in Detmold. - © Kreis Lippe
Freiwillige Helfer verlassen das Diagnosezelt am Hangar 21 in Detmold. (© Kreis Lippe)

Kreis Lippe. Je mehr Testergebnisse vorliegen, um so besser lässt sich die Corona-Pandemie bekämpfen. Der Kreis Lippe weitet deshalb die Personengruppen aus, die sich im Diagnosezentrum am Hangar testen lassen können. Das Behandlungszentrum der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe ist eine Ergänzung, denn die Gefahr, dass das Virus den Betrieb der Praxen lahmlegt, soll minimiert werden.

Was ist neu?

Nach aktualisiertem Testschema können Lipper mit einem direkten Kontakt zu einer infizierten Person auch ohne grippeartige Symptome getestet werden. Das Gleiche gilt für Menschen, die aus Risikogebieten kommen und keine Krankheitssymptome aufweisen. Patienten mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf- und Krebs-Erkrankungen oder Erkrankungen des Atmungssystems können sich bereits bei leichten Infekt-Symptomen testen lassen. Das gilt auch für die Berufsgruppen aus Medizin, Pflege, Polizei, Feuerwehr und Einzelhandel.

Bisherige Bilanz

Bisher haben mobile Teams und die Mitarbeiter im Diagnostikzentrum rund 3.259 Abstriche genommen – laut Sprecher Steffen Adams 150 bis 200 pro Tag. Der Kreis Lippe habe Dank der Kooperation sein Abstrichangebot ausweiten können.

„Wer viel sucht, findet viel. Und je mehr infizierte Menschen wir identifizieren können, desto besser lässt sich das Virus eindämmen. Genau deshalb nutzen wir neue Kapazitäten und bauen unsere Diagnosestation aus. Damit wollen wir noch mehr Menschen frühzeitig erreichen, die potenziell erkrankt sind, und Infektionsketten schneller unterbinden", erklärt Landrat Dr. Axel Lehmann.Derzeit werden laut Klinikum-Sprecher Christian Ritterbach 18 Corona-Patienten stationär behandelt, vier auf der Intensivstation.

Die Ergebnisse

Das Testmanagement im Diagnostikzentrum sei unverändert. Die Rachenabstriche werte das Labor Krone aus, es übermittele auch die Testergebnisse, so dass ein positives oder negatives Ergebnis an die Person telefonisch und anschließend schriftlich übermittelt werde. Die Kapazitäten der Labore bestimmen die maximale Anzahl der Tests. Die Ergebnisse werden innerhalb von 48 Stunden übermittelt, in Einzelfällen dauere es länger.

Das Behandlungszentrum

Fünf Arztpraxen in Lippe haben wegen des Coronavirus vorübergehend schließen müssen. Als dann die Nachricht rausging, dass die Bundeswehr ein Behandlungszentrum am Hangar aufbaut, liefen bei der PKassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) diverse Nachfragen auf.

„Es hat nichts damit zu tun, dass die medizinische Versorgung gefährdet ist. Wir wollen vielmehr, dass Corona-Infizierte und die Verdachtsfälle zentral behandelt werden. Das entlastet die Praxen", sagt Heike Achtermann, Pressesprecherin der KVWL. Die Bundeswehr übernehme nicht die Organisation des Behandlungszentrums, sondern sei nur für den Aufbau verantwortlich und steuere einen Teil der Logistik bei.

Der Praxisbetrieb

Ziel ist, die Patientenströme zu trennen. „In den Praxen werden die behandelt, die zum Beispiel Rückenprobleme haben, Rheuma, Magenbeschwerden – alles, was eben nicht mit einer Virusinfektion mit grippeähnlichen Symptomen zu tun hat", sagt die Pressesprecherin der KVWL. Die Praxen seien angeschrieben worden, Vorsorgeuntersuchungen zu verschieben. Weil die Zahl der Infizierten steige, habe man sich entschlossen, das Behandlungszentrum einzurichten. „Es werden dafür keine Praxen geschlossen", stellt Achtermann klar.

Das Personal

Die Kassenärztliche Vereinigung hat alle Ärzte angeschrieben und um Mithilfe gebeten. 1.000 Mediziner hätten sich bereit erklärt, in den Behandlungszentren zu arbeiten. Auch lippische Ärzte haben sich auf die Liste setzen lassen und auch zum Teil kostenlos ihre Dienste angeboten.

„Es werden aber keine Ärzte dort arbeiten, die von der Quarantäne betroffen sind. Es läuft auf freiwilliger Basis, es sind zum Beispiel Ärzte, die im Ruhestand sind, Mediziner, die Teilzeit arbeiten oder angestellt sind", sagt Achtermann.

Der Ablauf

An den Feinheiten werde derzeit noch gefeilt. Die Logistik dahinter sei sehr aufwendig. „Das ist an jedem Standort anders, weil die Gegebenheiten überall anders sind", erklärt die Pressesprecherin. Es gebe verschiedene Optionen: Der Hausarzt telefoniert mit seinem Patienten und meldet ihn dann im Behandlungszentrum an, oder der Patient wartet auf einen Anruf aus dem Behandlungszentrum und fährt dort hin. „Das klären wir kurzfristig, Ziel ist, dass das Zentrum spätestens am Montag den Betrieb aufnimmt."

In dem Behandlungszentrum entscheiden die Ärzte, wer ambulant und wer in der Klinik behandelt werden muss. Es gibt Rezepte für Medikamente und Krankschreibungen. „Das ist ausschließlich für Patienten, die Symptome einer Coronavirus-Infektion oder eine Atemwegserkankung haben."

Im Diagnosezentrum

Die Arztpraxen sind erster Ansprechpartner für eine Diagnose, außerhalb der Sprechzeiten ist die 116117 erreichbar. Personen, die in das neue Test-Schema passen, können Kontakt unter Tel. 05231-621700 oder via coronatest@kreis-lippe.de aufnehmen.

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