47 Corona-Infizierte in der Rose-Klinik in Bad Meinberg

Marianne Schwarzer

  • 0
In der Rose-Klinik sind nach aktuellem Stand 32 Patienten und 15 Mitarbeiter mit dem Virus infiziert. - © Marianne Schwarzer
In der Rose-Klinik sind nach aktuellem Stand 32 Patienten und 15 Mitarbeiter mit dem Virus infiziert. (© Marianne Schwarzer)

Kreis Lippe. Das Coronavirus hat in Lippe einen neuen Hotspot: 32 Patienten und 15 Mitarbeiter der Bad Meinberger Mediclin-Rose-Klinik haben sich infiziert. Allerdings liegen noch nicht alle Testergebnisse vor, sagt die Leiterin des Gesundheitsamtes, Dr. Kerstin Ahaus.

Am vergangenen Mittwoch sei der erste Mitarbeiter positiv auf Covid-19 getestet worden, berichtete der Kreis Lippe am Dienstag in einer Pressekonferenz. Die Elbrinxenerin Astrid Gökemeier, die nach einer Hüftoperation vom Krankenhaus in Brakel an die Rose-Klinik überwiesen worden war, hatte bereits vor gut zwei Wochen über typische Symptome geklagt. „Aber das wurde einfach nicht ernst genommen. Dann sollte ich letzte Woche nach Hause, doch mein Mann ist durch Vorerkrankungen Risikoperson. Man sagte mir, ich solle mir Schutzkleidung besorgen, aber da kommt man ja gar nicht dran", erzählte sie am Dienstag der LZ von ihrem Balkon im ersten Stock herunter.

„Tags darauf stand fest: Ich habe mich infiziert"

So habe sie das Gesundheitsamt angerufen, und das mobile Diagnose-Team nahm am 26. März eine Probe: „Tags darauf stand fest: Ich habe mich infiziert, ob bereits in Brakel oder erst hier, weiß ich nicht." Sie findet, dass der Test früher hätte stattfinden müssen. „Das stimmt wohl", sagt Sven Burkhardt, kaufmännischer Leiter der Rose-Klinik. „Aber so waren zu der Zeit die Regeln: Wer Symptome zeigte, aber keinen Kontakt hatte und auch nicht in Krisengebieten war, wurde nicht getestet. Erst nach und nach wurden die Regelungen und Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts angepasst und wir haben uns immer danach gerichtet."

Die Schilder warnen, im Foyer überwacht das Klinikpersonal, wer raus und reingeht. - © Marianne Schwarzer
Die Schilder warnen, im Foyer überwacht das Klinikpersonal, wer raus und reingeht. (© Marianne Schwarzer)

Dass die Infektionswelle irgendwann auch die Rose-Klinik erreichen würde, sei zu erwarten gewesen. „Wir haben dennoch frühzeitig alle empfohlenen Maßnahmen umgesetzt, um eine Verbreitung zu verhindern." So seien sehr frühzeitig Patienten mit Erkältungssymptomen von den anderen getrennt worden, hätten ihr Essen nur noch im Zimmer bekommen. Das gilt natürlich jetzt auch für die infizierten Patienten. „Wer ohne Symptome ist und nach Hause will, kann nach einer Negativ-Testung gehen, muss aber dann in häuslicher Quarantäne bleiben."

Die Pflege infizierter Patienten findet nur noch mit Schutzkleidung statt

Nachdem am Mittwoch der erste Fall in der Belegschaft zutage getreten war, waren Freitag sechs Patienten und vier Mitarbeiter betroffen. Es wurde ein Aufnahmestopp verhängt, Therapien fanden nicht mehr in der Gruppe statt und das Gesundheitsamt ordnete am 28. März einen Test bei allen 170 Patienten und 150 Mitarbeitern an. Die Erkrankten sind isoliert, aber weil die Inkubationszeit bis zu 14 Tage beträgt, müssen auch die ohne Symptome in der Klinik bleiben, bis das Testergebnis vorliegt. Die Pflege infizierter Patienten findet nur noch mit kompletter Schutzkleidung statt. Damit sei die Rose-Klinik noch gut ausgestattet, heißt es.

Information

Neue Fälle


Der Kreis Lippe hat seit dem 6. März 4350 Abstriche genommen. Im Klinikum befinden sich derzeit 26 positiv Getestete und 35 Verdachtsfälle. Acht Patienten werden intensivmedizinisch betreut, sechs davon beatmet. Vier positiv getestete Mitarbeiter befinden sich in häuslicher Quarantäne. Im Bad Meinberger Yoga-Vidya befinden sich aktuell 246 Personen im Haus, davon sind bis Sonntag 25 positiv getestet worden. Sechs sind bereits wieder genesen, berichtet Pressesprecherin Maike P. Czieschowitz.

Einige schwerere Fälle sind mittlerweile im Klinikum Lippe gelandet, erklärt Dr. Johannes Hütte, Geschäftsführer des Klinikums. Es könnten durchaus mehr werden. Das Klinikum sei gerüstet, doch bedeute diese Entwicklung in einer so großen Einrichtung eine „Herausforderung". „Es wird anstrengend sein, bis die akute Situation ausgestanden ist." Dann aber, so betont Landrat Dr. Axel Lehmann, biete der Fall durchaus eine Chance: „Die Rose-Klinik könnte eine Lücke in der Versorgung schließen", erklärte er. Das reguläre Reha-Wesen schaffe durch das Zurückfahren von nicht notwendigen Operationen freie Kapazitäten. So könnten hier Patienten des Klinikums Lippe zur Nachsorge aufgenommen werden, die keiner Akut-Behandlung mehr bedürften, aber nicht ohne Hilfe in ihr gewohntes Umfeld zurückkehren könnten. „Dann könnten wir auch auf die Erfahrungen der Mitarbeiter in der Rose-Klinik im Umgang mit Corona zurückgreifen."

Aus Sicht von Sven Burkhard ist dieser Ansatz begrüßenswert. „Natürlich möchten wir unseren Beitrag zu einer funktionierenden Gesundheitsversorgung leisten und stehen als Reserveklinik zur Verfügung. „Doch jetzt liegt der Fokus erst einmal auf der Gesundheit der Patienten und der Mitarbeiter."

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2020
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!