Kreis Lippe. Drei von vier lippischen Unternehmen rechnen mir einem Umsatz-Minus, jedes siebte von ihnen sogar von mehr als 50 Prozent. „Die Corona-Folgen sind gravierend", sagt Axel Martens, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer: „Jedes dritte Unternehmen befürchtet, einen Insolvenzantrag stellen zu müssen." Martens bezieht sich auf eine Blitzumfrage der IHK, die diese in Sachen Corona-Konsequenzen am Dienstag gestartet hatte. Rund 3000 Firmen hatte sie angemailt, 400 antworteten. „Eine hohe Quote", sagt Martens. Vor allem klassische Mittelständler hätten sich zurückgemeldet – zumeist Dienstleister, aber auch aus Industrie und Einzelhandel. „Das ist nicht repräsentativ, aber ein guter Querschnitt." Obgleich sie gravierende Folgen befürchten, zeigen die Firmen gleichzeitig Tatendrang: 23 Prozent benötigen der Umfrage zufolge keine Vorlaufzeiten, um wieder voll durchstarten zu können. Andere wären nach einer bis vier Wochen wieder bei voller Leistung. „Ein erfolgreiches Wiederanfahren ist abhängig von der Nachfrage – und die Lieferketten müssen anlaufen", stellt Martens klar. Vor allem benötigten Unternehmen schnell Planungssicherheit über weitere Schritte des Wiederanfahrens. 3000 Firmen werden befragt Martens nennt eine umfassende Kommunikation wichtig, um Sicherheit im Umgang miteinander wiederherzustellen. Schutz- und Hygienemaßnahmen sowie Einhaltung der Mindestabstandregeln seien wesentlich, auch Chat-Alternativen zum persönlichen Kundentermin. „Ein Anzeichen, dass sich auch dauerhaft die Arbeitsorganisation ändern könnte." Der IHK-Hauptgeschäftsführer lobt die bislang geschnürten Hilfspakete, mahnt aber auch: „Nach drei Monaten haben wir nicht sofort wieder eine heile Welt." Kurz- bis mittelfristig müssten weitere Zuschüsse gezahlt werden, damit Unternehmen liquide blieben: „Auch wenn nicht alles glatt gelaufen ist, waren das tolle Instrumente", resümiert er. weitere Hilfspakete könnten nun mit etwas weniger heißer Nadel gestrickt und im Detail verbessert werden. Martens nennt etwa Unterstützung der Lebenshaltungskosten von Solo-Selbstständigen, denen Einnahmen komplett weggebrochen sind. Sollte der Bund keine Gelder bereitstellen, müsse das Land dies tun. Lockerung der 800-Quadratmeter-Regelung Für die am Mittwoch bekanntgewordenen Lockerungen hat Martens in erster Linie Lob übrig: „Ich begrüße diese Maßnahmen sehr." Allerdings sei die 800-Quadratmeter-Regelung für Läden nicht sachgerecht und wettbewerbsschädlich – gerade für kleine Kommunen wie die lippischen, in denen nur ganz wenige Geschäfte geschlossen bleiben müssten. Martens setzt viel eher darauf, dass Abstandsregeln eingehalten werden, dass auf Hygiene geachtet wird und – wenn es denn schon eine Quadratmeter-Begrenzung geben muss – dass Geschäftsleute Bereiche absperren dürften. „Primär geht es um den Schutz der Menschen vor dem Virus, das ist klar. Dafür kann kann man aber auch ohne diese 800-er Regel sorgen."