Schulstart Maskenpausen, Hitzefrei, Lüften - Schule in NRW beginnt

Dorothea Hülsmeier

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Schülerinnen einer sechsten Klasse stehen vor Beginn des Unterrichts am ersten Schultag nach den Sommerferien an der Max-Planck-Schule in Kiel zusammen. Hier ist die Schule bereits am Dienstag gestartet. - © Gregor Fischer/dpa
Schülerinnen einer sechsten Klasse stehen vor Beginn des Unterrichts am ersten Schultag nach den Sommerferien an der Max-Planck-Schule in Kiel zusammen. Hier ist die Schule bereits am Dienstag gestartet. (© Gregor Fischer/dpa)

Düsseldorf. Hitze, Maske, Schwitzen: Der Schulstart in Nordrhein-Westfalen wird für rund 2,5 Millionen Schüler und mehr als 200.000 Lehrer an diesem Mittwoch zur Belastungsprobe. Landesweit kehren die 5.500 Schulen nach monatelanger coronabedingter Zwangspause in den Regelbetrieb zurück. Zum Start des neuen Schuljahres unter Pandemie- und Hitze-Bedingungen forderte das Schulministerium die Schulen auf, „Maskenpausen" zu organisieren. Ministerin Yvonne Gebauer (FDP) lockerte zudem die Hitzefrei-Regelungen.

Maskenpausen

Wie den Schülern ermöglicht werde, den Mund-Nasen-Schutz zeitweise abzunehmen, hänge von den Bedingungen und der Kreativität der jeweiligen Schule ab, sagte Schulstaatssekretär Mathias Richter am Dienstag in Düsseldorf.

Maskenverweigerer

Bußgelder bei Verstößen gegen die Maskenpflicht, so wie sie in Bussen oder Bahnen drohen, gebe es in Schulen nicht. Die Schulleitungen könnten aber „erzieherische Maßnahmen" bei Schülern ergreifen, die sich bewusst oder sogar provokativ nicht an die Vorgaben des Infektionsschutzes hielten. „Letztlich kann es dazu führen, dass es nach Hause geht", so Richter.

Maskenpflicht

Als einziges Bundesland hat NRW eine Maskenpflicht beschlossen, die nicht nur im Schulgebäude und auf dem Gelände gilt, sondern an weiterführenden und berufsbildenden Schulen auch im Unterricht. Die Maßnahme ist zunächst bis Ende August befristet.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) verteidigte die Maskenpflicht im Unterricht. Gerade in der jetzigen Phase, in der viele Menschen von Reisen zurückkehrten, müsse man vorsichtig sein. „Die Pandemie ist längst noch nicht vorbei", sagte Laschet. „Wenn sich das Geschehen normalisiert, dann können wir auch schnell wieder von dieser Pflicht Abstand nehmen."

Alle 16 Bundesländer wollten Schüler wieder in die Schulen schicken, betonte der Regierungschef. Es werde immer wieder Fälle geben, bei denen auch in Schulen oder Kitas Infektionen aufträten. Dann müsse „zielgerichtet" verhindert werden, dass sich das Virus ausbreite.

Hitzefrei

Wegen des heißen Sommerwetters und der Maskenpflicht weitete das Ministerium die Hitzefrei-Regelung auf die Schüler der Sekundarstufe II aus. Wenn die Temperaturen in den Räumen auf mehr als 27 Grad steigen, können damit auch Oberstufenschüler hitzefrei bekommen. Schulen können die Stunden verkürzen oder die fünfte und sechste Stunde ausfallen lassen. Ministerin Gebauer verwies darauf, dass die Unterrichtsräume gelüftet werden müssten.

Digitalisierung

Für das digitale Lernen in Corona-Zeiten haben die Schulen im bevölkerungsreichsten Bundesland nach einem WDR-Bericht weiterhin zu wenig Laptops und PCs. Außerdem fehle es vielfach am nötigen schnellen Internet, ergab eine Umfrage des WDR bei den 396 Kommunen des Landes. 78 Prozent (309) davon hatten demnach geantwortet. Die Zahlen werden nicht zentral beim Schulministerium oder den Bezirksregierungen erfasst.

Laut den Ergebnissen kommen in den teilnehmenden NRW-Kommunen im Schnitt auf 30 Schülerinnen und Schüler ein Laptop und auf knapp 13 Schüler ein Tablet. Die Versorgung mit schnellem Internet sei regional sehr unterschiedlich. Im Schnitt habe nur jede dritte Schule einen Glasfaseranschluss.

Gebauer sagte, dass einige Kommunen wie Paderborn, Düsseldorf oder Köln „gute Arbeit" bei der Digitalisierung der Schulen geleistet hätten, während es in anderen „noch Nachholbedarf" gebe. Sie verwies auf das Landesprogramm in Höhe von rund 350 Millionen Euro für die Ausstattung von Lehrern und Schülern mit digitalen Endgeräten. Für Schüler aus ärmeren Familien sollen Leihgeräte gekauft werden. Außerdem sollen bis Ende 2022 alle Schulen mit dem leistungsfähigen Netz verbunden sein.

Corona-Tests

Lehrkräfte sollen sich leichter auf das Coronavirus testen lassen können. Es gebe inzwischen auf den Seiten der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) Listen mit Hausärzten, die Erzieher und Lehrkräfte testeten, sagte Schulstaatssekretär Richter. Angestrebt sei eine flächendeckende Versorgung mit testenden Hausarztpraxen. Allein im Raum Westfalen-Lippe gebe es schon 1.000 solcher Praxen, im Rheinland sei eine ähnliche Größenordnung geplant. Erzieher und Lehrer dürfen sich alle zwei Wochen bis zu den Herbstferien freiwillig auf das Virus testen lassen. Die Kosten dafür übernimmt das Land.

Kritik

Die Grünen warfen der schwarz-gelben Landesregierung vor, „keinen Plan B" zu haben, falls der Schulstart am Mittwoch massenhafte Corona-Fälle nach sich ziehen sollte. Die Entscheidung, ob und wann Schulen dann wieder schließen müssten, werde komplett den örtlichen Gesundheitsbehörden überlassen, kritisierte der Landesvorsitzende der Grünen NRW, Felix Banaszak. „Klare Vorgaben fehlen." Gebauer habe keine Konzepte erarbeitet, um einen verantwortungsvolleren Unterricht in Kleingruppen mit Sicherheitsabständen zu organisieren. Die Ministerin habe auch versäumt, zusätzliche Räume - etwa in Vereinsheimen und Kirchen - und weiteres Personal zu organisieren.

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