Kreis Lippe. Dieter Podewils schmeißt hin: Nach zehneinhalb Jahren hat der Lemgoer sein Ehrenamt als Behindertenbeauftragter des Kreises aufgegeben. Er erfahre zu wenig Wertschätzung von den Politikern, von Sachbearbeitern im Kreishaus und vor allem vom Landrat. Er werde von ihnen zu wenig wahrgenommen nicht anständig behandelt – so lautet sein bitteres Fazit. „Weiß man in den Fraktionen nicht, dass es einen Behindertenbeauftragten gibt? Oder gibt es wirklich ein Desinteresse der Kreistagspolitik für Menschen mit Handicap?" schreibt der 84-Jährige an die Fraktionsvorsitzenden. Er sei nie in die Fraktionen eingeladen worden, nach seinen Jahresberichten im Sozialausschuss habe es von der Verwaltung oder der Politik keine einzige Nachfrage gegeben. Seinen Rücktritt zum jetzigen Zeitpunkt erklärt er damit, dass er nach der Überarbeitung des Kreis-Internetauftritts etwa sechs Wochen nicht über die Website zu kontaktieren gewesen sei. Dies sei nicht nachzuvollziehen. Auch nicht, dass Anfragen dazu unbeantwortet geblieben seien. Der Fehler ist allerdings inzwischen behoben. Rückblick mit Stolz Gleichwohl blicke er stolz auf das, was er durch Stellungnahmen mit auf den Weg gebracht habe. Er nennt die Barrierefreiheit beim Zugang zum und im Innenbereich des Museums Schloss Brake, die barrierefreie Gestaltung der Bildungsmeile Lüttfeld, Nachbesserungen am Medicum Detmold und vieles mehr. Er habe bei Baumaßnahmen des Kreises und der Städte Baupläne eingesehen, um zu prüfen, ob barrierefrei gebaut werde. „In allen Fällen habe ich mehrere Stunden geprüft und Stellungnahmen geschrieben. Gerne wäre ich bei einer Eröffnung auf Einladung dabei gewesen." Die Entscheidung falle ihm nicht leicht. „Sie muss aber sein, weil ich ein Zeichen setzen möchte für Menschen mit Behinderung, die in gewisser Weise nicht wahrgenommen oder nicht zur Zufriedenheit beschieden worden sind." In seiner Rücktritts-Mail an den Landrat kritisiert Podewils, dass die Kreis-Pressestelle einen Bericht über ein Treffen mit der neuen Inklusionsbeauftragten mit Fotos bebildert habe, auf der die Teilnehmer des Treffens – Menschen mit Handicap – nicht abgebildet gewesen seien. Stattdessen sei er, Lehmann, selbst auf dem Foto zu sehen gewesen. Diesen Vorwurf weist Kreissprecher Steffen Adams entschieden als „Unsinn" zurück und belegt mit der Original-Pressemitteilung, dass es ein solches Foto sehr wohl gegeben hat. „Die Auswahl war eine Entscheidung der Redaktionen." Landrat bedauert Rücktritt Dr. Axel Lehman ist überrascht über den Rücktritt „zum jetzigen Zeitpunkt". Der Landrat bedauerte gegenüber der LZ, dass es einen „fachlicher Austausch" leider schon seit Monaten nicht mehr gebe: „Von einem ehrenamtlichen Behindertenbeauftragten erwarte ich Fragen, Wünsche und Vorschläge, wie wir in Lippe die Lebensqualität für Menschen mit Beeinträchtigungen verbessern können." Inklusionsbeauftragte Monika Heel habe die Interessen der Menschen mit Beeinträchtigung in den vergangenen Monaten vertreten. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den zukünftigen Behinderten- und Seniorenbeauftragten", betont Lehmann. Für die neue Legislaturperspektive stehen Wahlen an. Er werde diese in ihrer Arbeit unterstützen und lade dazu ein, sich auf diese Ehrenämter zu bewerben.