Zahlreiche Hinweise: Detmolder Polizei fahndet nach brutalem Räuber im TV

Janet König

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Moderator Rudi Cerne moderiert die Fahndungssendung, die schon seit 1967 im ZDF läuft. - © ZDF/Nadine Rupp.
Moderator Rudi Cerne moderiert die Fahndungssendung, die schon seit 1967 im ZDF läuft. (© ZDF/Nadine Rupp.)

Detmold. Per Dating-App erschleicht sich ein Mann über Wochen das Vertrauen eines 26-jährigen Musikstudenten. Als das erste Date gut läuft, kommt es zu einem zweiten Treffen. Doch der Unbekannte überfällt den jungen Mann brutal mit dem Hammer und raubt ihn aus. Der Student hat Glück, dass er überlebt, meint die Polizei. Genauso hat sich der Fall am 22. April 2020 in der Detmolder Innenstadt abgespielt. Weil die Ermittler nicht weiterkommen, war er jetzt Teil der ZDF-Sendung Aktenzeichen XY.

Am Ende des Beitrags wird deutlich: Der Musikstudent aus Japan leidet noch heute sehr an den Folgen des brutalen Überfalls. Zwar habe er sein Studium der Klarinette inzwischen abgeschlossen, dennoch sei der junge Mann momentan berufsunfähig. Der Zuschauer kann anhand der inszenierten Spielszenen nur erahnen, welchen Horror der 26-Jährige in seiner Wohnung in der Innenstadt durchmachen musste.

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Schonungslos wird dargestellt, wie der Bekannte aus dem Internet seinem Opfer zwecks „Überraschung" die Augen verbindet und dann völlig unvermittelt mit dem Hammer von hinten mehrfach auf den Kopf seines Opfers einschlägt. Überall ist Blut. Der Täter setzt sein Opfer unter Druck, nimmt Bargeld, iPhone, iPad und Macbook und 600 britische Pfund mit, die das Opfer von einem England-Aufenthalt noch übrig hatte.

Alles Dinge, die der Fremde beim ersten Besuch ausgekundschaftet hatte. Dann sperrt er sein Opfer im Bad ein. Der Student kann sich mit letzter Kraft nach 15 Minuten befreien, schreit um Hilfe. Er hat Glück, kommt mit Platzwunden und einer Schädelprellung ins Krankenhaus.

Das Hinweistelefon steht nicht still

Größe: 180cm, Alter: ca. 30 Jahre. Merkmale: Leichter Glatenansatz. Haarfarbe: dunkel. Augenfarbe: dunkel. - © Polizei Lippe
Größe: 180cm, Alter: ca. 30 Jahre. Merkmale: Leichter Glatenansatz. Haarfarbe: dunkel. Augenfarbe: dunkel. (© Polizei Lippe)

Kaum war die Sendung am Mittwochabend vorbei, klingelte das Telefon in der Kreispolizeibehörde Lippe Sturm. „Wir haben zahlreiche Hinweise bekommen. Viele davon sind griffig und könnten uns weiterbringen", sagt Polizeisprecherin Laura Merks. Doch zunächst müssten die Anrufe sortiert und ausgewertet werden. Teilweise hätten sich auch User der Dating-App für Homosexuelle gemeldet, die das Phantombild des Täters in anderen Profilbildern meinten, wiedererkannt zu haben. „Dem müssen wir nun nachgehen." Zudem gibt es Hinweise auf eine weitere Tat, die ähnlich abgelaufen sein soll, heißt es nach der Sendung. Auch dem gehen die Ermittler nach.

Weil der App-Anbieter in Kalifornien sitzt und die Daten dort laut Polizei nur kurzzeitig gespeichert werden, hatten sich die Ermittler in Absprache mit der Staatsanwaltschaft dagegen entschieden, überhaupt anzufragen. „Die Daten wären längst gelöscht worden", sagt Merks. Das Opfer habe sich nach den schweren Kopfverletzungen nicht mehr an sein Passwort erinnern können. Damit war eine Anmeldung über einen anderen Computer nicht möglich, um Chatverläufe und das Foto des Täters zu erhalten.

Für den TV-Auftritt hatte Kriminalhauptkommissar Dietmar Simm-Koralewicz kurzzeitig seinen Ruhestand unterbrochen, da er den Fall damals betreute. „Es kann gut sein, dass der Täter schon ähnliche Überfälle begangen hat", sagte der Ermittler im TV. „Die Staatsanwaltschaft hat für sachdienliche Hinweise eine Belohnung von 2000 Euro ausgesetzt."

Nun hoffen die Ermittler, den Fall mit Hilfe der Hinweise lösen zu können. „Es gehört auch immer Glück dazu, dass der Richtige vom Fernseher sitzt", sagt Merks. Doch die Chancen stünden nicht schlecht. Hinweise an die Polizei unter Tel. (05231)609 0.

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