"Ohne Ehrenamt gibt es keinen Katastrophenschutz"

veröffentlicht

  • 0
Die Landtagsabgeordnete Ellen Stock (Mitte) im Gespräch mit (von links) Meinolf Haase, Leiter Bevölkerungsschutz Kreis Lippe, Kreisbrandmeister Wolfgang Kornegger, Thorsten Meier, Fachberater Technisches Hilfswerk, und Markus Schulz, Kreisrotkreisleiter Deutsches Rotes Kreuz. - © SPD
Die Landtagsabgeordnete Ellen Stock (Mitte) im Gespräch mit (von links) Meinolf Haase, Leiter Bevölkerungsschutz Kreis Lippe, Kreisbrandmeister Wolfgang Kornegger, Thorsten Meier, Fachberater Technisches Hilfswerk, und Markus Schulz, Kreisrotkreisleiter Deutsches Rotes Kreuz. (© SPD)

Kreis Lippe. Hochwasser, ein tagelanger Stromausfall oder ein Waldbrand, der ganze Ortschaften bedroht: Auch wenn Lippe von solchen Szenarien weitestgehend verschont geblieben ist, sind die örtlichen Einsatzkräfte stets darauf vorbereitet. Wie genau das in Lippe im Katastrophenfall abläuft, wie die Bevölkerung informiert wird, wie sich die Bürgerinnen und Bürger vorbereiten können und was ein jeder immer im Haus haben sollte, darüber haben mehrere Experten auf Einladung der SPD-Landtagsabgeordneten Ellen Stock informiert.

Eigentlich hätte die Gesprächsrunde mit Publikum stattfinden sollen. Doch wegen der hohen Corona-Inzidenzzahlen ging sie kurzerhand online über die Bühne und wurde live im Internet übertragen. „Es sind genau solche Veranstaltungen, die wir brauchen, um die Bürgerinnen und Bürger zu informieren“, wird Meinolf Haase, Leiter des Bevölkerungsschutzes im Kreis Lippe, in einer Pressemitteilung zitiert. Zusammen mit Wolfgang Kornegger, Kreisbandmeister und damit Chef der lippischen Feuerwehren, Thorsten Meier, Fachberater beim Ortsverband Detmold des Technischen Hilfswerks (THW), und Markus Schulz, Kreisrotkreuzleiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Ortsverband Lippe, schilderte Haase das Zusammenspiel der einzelnen Akteure im Ernstfall. So wie im Februar 2021.

Damals war fast ganz Deutschland unter einer meterhohen Schneedecke versunken. Während das die meisten Menschen – vom lästigen Schneeschieben einmal abgesehen – relativ wenig störte, hatten unter anderem die Rettungsdienste plötzlich ein großes Problem: „Sie kamen mancherorts trotz Schneeketten nicht mehr zu den Patienten, die dringend Hilfe brauchten“, berichtet Meinolf Haase. Also trat kurzerhand ein Notfallplan in Kraft: Mit jedem Rettungswagen wurden Feuerwehr oder Technisches Hilfswerk mitgeschickt, die zusammen mit örtlichen Bauhöfen und Landwirten den Sanitätern den Weg freikämpften. Auch Organisationen wie das DRK unterstützten, wo sie gebraucht wurden. „So konnten wir die Notfallversorgung der Bürger aufrechterhalten. Das hat gut geklappt“, sagt Haase.

Doch auch die Bürgerinnen und Bürger könnten einen Beitrag dazu leisten und sich entsprechend auf den Ernstfall vorbereiten. „Das ist sehr wichtig“, betont Haase. „Die Menschen sollten sich einfach mal einen Moment mit dem Gedanken beschäftigen, was es für Folgen hat, wenn mehrere Tage der Strom weg ist, die Heizung nicht funktioniert oder man ad hoc das Haus verlassen muss“, riet Markus Schulz vom DRK.

Das führe automatisch zu folgenden Fragen: Habe ich eigentlich genug Wasser und Lebensmittel im Haus, die haltbar sind und die ich zur Not auch kalt essen kann? Sind genügend Teelichter und Kerzen vorhanden? Funktionieren Streichhölzer und Feuerzeug? Habe ich einen Campingkocher? Besitze ich ein Radio, was mit Solarzellen oder mit einer Handkurbel funktioniert? Was genau man im Haus haben und welche Mengen an Wasser und Lebensmittel vorrätig sein sollten, hinge sicherlich auch von den eigenen Lebensverhältnissen (Wohnort oder Familienstand) ab. „Hinweise finden sich in vielen Broschüren, die beispielsweise das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe herausgegeben hat“, erklärt Kornegger. „Diese Broschüren sind bei uns beim Kreis Lippe, in den Bürgerbüros oder im Internet zu finden“, berichtet Haase.

Dass eine gute Vorbereitung auf den Katastrophenfall sehr wichtig sei, dafür spreche sehr deutlich das Hochwasser im Ahrtal, wo viele lippische Hilfskräfte am Werk gewesen seien. Diese Hilfe sei aber nur durch den Einsatz zahlreicher Ehrenamtlicher möglich, die sich bei Feuerwehren, THW, DRK und anderen Organisationen engagierten. „Deshalb kann ich nur dazu aufrufen, mitzumachen. Kommen Sie vorbei, wir können jeden gebrauchen“, sagte Haase: „Denn: ohne Ehrenamt kein Katastrophenschutz.“

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2022
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare