Wie Vergewaltigungsopfer Spuren sichern lassen

Silke Buhrmester

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Durch Lippe fahren Busse, die Werbung machen für die Opfer-Hotline. In den Bussen und an den Haltestellen informieren Plakate in vielen Sprachen über häusliche Gewalt. - © KVG Lippe
Durch Lippe fahren Busse, die Werbung machen für die Opfer-Hotline. In den Bussen und an den Haltestellen informieren Plakate in vielen Sprachen über häusliche Gewalt. (© KVG Lippe)

Kreis Lippe. Die Bezeichnung ist sperrig, das Verfahren aber einfach: Nach einer sexualisierten Gewalttat können Frauen und Mädchen bei einer Untersuchung im Klinikum Lippe-Detmold wichtige Spuren sichern lassen. Das ist für die spätere Beweislage immens wichtig, sollte es zur Anzeige und zu einem Verfahren kommen. Mit der „anzeigeunabhängigen und vertraulichen Spurensicherung“ nach sexualisierter Gewalt (ASS), wie das Verfahren heißt, ist aber nicht zwingend eine Anzeige des Opfers verbunden.

Die zugesicherte Anonymität ist für viele Frauen in der Ausnahmesituation nach einer Vergewaltigung wichtig. „Nach einer sexualisierten Gewalttat ist die Entscheidung für oder gegen eine Anzeige für betroffene Frauen und Mädchen sehr schwierig. Individuelle Faktoren spielen eine große Rolle bei der Entscheidungsfindung. Diese benötigt oftmals Zeit“, erklärt Kreis-Gleichstellungsbeauftragte Nicole Krüger. Nicht selten kommen Täter aus dem nahen Umfeld.

Spuren werden fünf Jahre aufbewahrt

Um die Spuren der Gewalttat zu sichern, darf aber nicht viel Zeit vergehen. Deshalb bietet das Klinikum Lippe Detmold Betroffenen seit einigen Jahren medizinische Hilfe und die Möglichkeit, Tatspuren vertraulich sichern und für fünf Jahre lagern zu lassen. So könne auch eine Anzeige im Nachhinein, sogar nach Jahren, gestellt werden.

Die ASS-Arbeitsgruppe, bestehend aus Fachkräften des Klinikums Lippe Detmold, der Frauenberatungsstelle Alraune, dem AWO-Frauenhaus Lippe, dem Kommissariat Vorbeugung der Kreispolizeibehörde sowie der Gleichstellungsstelle des Kreises Lippe, tagt regelmäßig. Seit Einführung der ASS im Oktober 2018 haben 20 Frauen das Angebot in Anspruch genommen und mindestens zwei Fälle sind zur Anzeige gebracht worden, berichtet Nicole Krüger.

Plakate und Radiospots

Um noch mehr Opfer auf das Angebot aufmerksam zu machen, gibt es rund um den 25. November Aktionen. Die Förderung des Ministeriums für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes NRW ermöglicht laut Krüger auch in diesem Jahr eine breit angelegte Kampagne zur Öffentlichkeitsarbeit. Ein auffälliges ASS-Plakat mit dem Hinweis „Medizinische und vertrauliche Hilfe nach sexualisierter Gewalt“ in zehn Sprachen fährt in den Bussen auf drei Linienbündeln der KVG Lippe mit. Auch an den Haltestellen sind entsprechende Plakate angebracht.

Zudem wird zwei Wochen rund um den 25. November 2022 zu verschiedenen Zeiten auf Radio Lippe der folgende Radio-Spot zu hören sein: „Du entscheidest, ob du jetzt oder später eine Anzeige machst. Deshalb nach sexualisierter Gewalt an Frauen und Mädchen: Lasst unbedingt direkt nach der Tat Beweise sichern. Durch die vertrauliche Spurensicherung im Klinikum Lippe in Detmold. Genaue Informationen dazu unter ass-lippe.de“

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