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Nachfolge

Er brachte das Kreisarchiv Lippe von 80 Regalmeter auf 1,5 Regalkilometer

Kreis Lippe. Kreisarchivar Dr. Hansjörg Riechert hört nach 23 Jahren auf, Dr. Sarah Masiak setzt die Arbeit im „Gedächtnis“ des Kreises Lippe fort. Die Digitalisierung der Archivalien ist nur eine der zahlreichen Aufgaben, die Masiak als neue Leiterin des Kreisarchives Lippe in der Willi-Hofmann-Straße in Detmold von ihrem Vorgänger übernimmt.

„Mein großer Dank gilt Hansjörg Riechert für seinen jahrzehntelangen Einsatz für die Bewahrung der Geschichte unseres Kreises. Sarah Masiak heiße ich sehr herzlich in unserer Mitte willkommen, und ich wünsche ihr stets ein gutes Händchen beim Auswählen des Zu-Bewahrenden“, erklärt Landrat Dr. Axel Lehmann in einer Mitteilung. Nach 23 Jahren als Kreisarchivar nimmt Riechert mit ein bisschen Wehmut seinen Abschied. Seit 1998 hatte der gelernte Zeit- und Wirtschaftshistoriker im damaligen Staatsarchiv Detmold (heute Landesarchiv NRW, Abteilung OWL) gearbeitet. Er wirkte an Buch- und Ausstellungsprojekten des Archivs mit. Am 1. Juli 2001 trat der heute 66-Jährige die neu geschaffenen Stelle des Kreisarchivars beim Kreis Lippe an.

Zu diesem Zeitpunkt waren noch keinerlei Archivstrukturen vorhanden. Er übernahm aber rund 80 Regalmeter vom Staatsarchiv Detmold aufgearbeitetes Archivgut, das die Grundlage für die heutige Beständestruktur des Kreisarchivs Lippe bildet. Diese umfasst mittlerweile 1,5 Regalkilometer. Das Staatsarchiv hatte bis dahin das Archivgut für die Stadt Detmold und den Kreis Lippe mitverwaltet.

Als „Einzelkämpfer“ gestartet

„Ich hatte keinerlei Vorgaben“, erzählt er über seine Anfangszeit. Dies sei auf der einen Seite eine große Freiheit, auf der anderen Seite auch eine gewisse Last gewesen. Als eine seiner ersten Aufgaben entwickelte er ein eigenes Signaturschema. Am Ende der von ihm verantworteten Entwicklung ist das Kreisarchiv Lippe zu einem sogenannten Kreiszentralarchiv geworden und damit Dienstleister nicht nur für die eigene Kreisverwaltung, sondern auch für zehn lippische Städte und Gemeinden sowie für den Zweckverband OWL-IT, ehemals Kommunales Rechenzentrum in Lemgo.

Startete Riechert noch als „Einzelkämpfer“, sind inzwischen sieben Personen für das „Gedächtnis“ des Kreises verantwortlich. „Wir haben auch selbst Fachangestellte für Medien und Informationsdienste ausgebildet“, sagt Riechert nicht ohne Stolz. Die Eigenqualifizierung werde unter seiner Nachfolgerin weitergehen.

Neuer Internetauftritt in Planung

Dr. Sarah Masiak hat den Staffelstab als Archivleiterin zu Jahresbeginn übernommen. Bereits als Archivreferendarin sammelte sie erste Erfahrungen in einem Kreisarchiv. „Mich beeindruckt die Großverwaltung mit ihren mehr als 2000 Mitarbeitenden, das zu bewältigende Aufgabenspektrum und die Kreiseinrichtung für die kommunale Selbstverwaltung“, beschreibt die „Neue“ ihre Motivation für die Arbeit im Archiv des Kreises. „Das hier produzierte Schriftgut ist wichtig für das lokale und regionale Gedächtnis und somit für die lippische Identität.“

Die promovierte Kriminalitätshistorikerin arbeitete nach ihrem Abschluss zum höheren Archivdienst als stellvertretende Referatsleiterin in der Abteilung Militärarchiv des Bundesarchivs in Freiburg im Breisgau, bevor sie nun wieder in die Heimat zurückgekehrt ist. Als eines der nächsten Projekte ist ein neuer Internetauftritt geplant. Zudem stellt die Archivierung von rein elektronischen Unterlagen die Archive vor neue Herausforderungen.

Über ihre ersten Wochen beim Kreis Lippe sagt Masiak: „Ich wurde sehr herzlich aufgenommen. Viele freundliche und engagierte Mitarbeitende geben mir einen Einblick in ihren Arbeitsbereich, sodass ich einen guten Überblick in die jeweiligen organisatorischen und technischen Abläufe erhalte.“

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