Detmold. Die Szenen, die sich in Saal 165 abspielen, könnten teils aus dem Filmklassiker „Und täglich grüßt das Murmeltier“ stammen. Wieder geht die Große Wirtschaftsstrafkammer fast ein identisches Beweisprogramm durch, das schon am Tag zuvor beim Prozess gegen eine frühere Kanzlei-Mitarbeiterin eine Rolle gespielt hat. Nur sitzt am Dienstag ihre Chefin auf der Anklagebank. Die knallroten Nägel trägt die 59-Jährige passend zum Pullover. Die Staatsanwaltschaft Detmold wirft der Juristin aus Detmold vor, ihre Funktion als gesetzliche Betreuerin mehrfach missbraucht und einige ihrer Betreuten finanziell ausgenommen zu haben. Die Beweisaufnahme zieht sich seit Mitte November hin, an Prozesstag 22 führt die Vorsitzende Richterin Katharina Schikowski einige Unterlagen ein - darunter sind eidesstattliche Versicherungen der Angeklagten aus dem Parallelverfahren sowie ihrer Nichte. Wie schon am Tag zuvor geht es nur um einen kurzen Springertermin, um die Fristen zu wahren. Verteidigerin will weitere Zeugen hören Ein bisschen hebt sich der Verhandlungstag dann doch ab. Verteidigerin Christina Peterhanwahr stellt zwei neue Beweisanträge. Sie will eine Zeugin hören, die aussagen könne, aus der laut Anklagevorwurf viel zu günstig verkauften Eigentumswohnung von einer betreuten Seniorin sei erheblicher Uringestank gekommen. Außerdem will die Bielefelder Rechtsanwältin Zeugen hören, die bestätigen sollen, dass sich während der Coronapandemie zwischen August 2021 und Januar 2022 nur nicht genesene oder ungeimpfte Personen in eine entsprechende Test- sowie Besucherliste eines Pflegeheims eintragen mussten. Zentral geht es darum, wie oft die angeklagte Anwältin eine ihrer betreuten Personen nun besucht hat - oder nicht. Mit einem anderen Beweisantrag tut sich die Kammer daneben schwer. Herauszufinden, ob ein Gutachter feststellen könnte, dass es für die veraltete Gastherme der im Fokus stehenden Eigentumswohnung zum Zeitpunkt des Verkaufs keine geeigneten Ersatzteile gab, macht aus Sicht des Gerichts wenig Sinn. Dafür müsse man streng genommen Ersatzteillager auf der ganzen Welt prüfen, erklärt die beisitzende Richterin Dr. Melanie Rüter. Dazu kommt ein weiterer Punkt: „Dass die Therme bis heute läuft, ist ja unstrittig.“ Die Verteidigerin will das noch einmal abwägen. Der Prozess wird am 17. Juni fortgesetzt.