Kreis Lippe. Per Bahn von Detmold nach Lemgo oder umgekehrt zu fahren, ist bislang wenig erfreulich. Das soll sich ändern: Die Planer des Nahverkehrs Westfalen-Lippe (NWL) wollen in Lippe Verbesserungen vornehmen, die auch eine vernünftige Zugverbindung zwischen den beiden Städten beinhalten. Das passiert im Zuge des Vorhabens „S-Bahn OWL“. Bei der Fahrt zwischen den beiden Städten sind am Umsteigebahnhof Lage bislang Wartezeiten von mehr als 30 Minuten die Regel. Die Planungen sehen halbstündliche Bahnverbindungen zwischen Detmold und Lemgo ohne lange Wartezeiten vor. Per Bahn würde es dann inklusive Umstieg etwa 20 Minuten dauern – eine klare Verbesserung. Pendler zwischen beiden Städten sind bislang gezwungen, den Bus zu nehmen, der meist eine gute halbe Stunde von Bahnhof zu Bahnhof braucht. Die Neuerungen kommen – Stand heute – Ende 2029. In früheren Planungen war 2028 angepeilt worden. Dieseltriebwagen laufen aus Darüber hinaus soll dann die Zeit der dieselbetriebenen Triebwagen in Lippe und OWL zu Ende sein – der NWL setzt komplett auf elektrische Akku-Triebwagen für Strecken ohne Oberleitung wie zwischen Bielefeld, Lage und Lemgo. Wie die sogenannte Vorstufe 1 für die S-Bahn OWL aussieht, hat Anja Stocksieker vom NWL am Mittwoch der Verkehrskommission des Regionalrats in Minden vorgestellt. Sie betonte: „Die Umsetzung der Vorstufe 1 bringt für Lippe voraussichtlich 2029 enorme Verbesserungen.“ Wie Kommissionsmitglied Kurt Kalkreuter aus Lage der LZ sagte, können die batterieelektrischen Fahrzeuge schneller beschleunigen. Eine Sprecherin des NWL beschreibt die Vorteile der Fahrzeuge so: „weniger CO2-Ausstoß, da die Fahrzeuge lokal emissionsfrei sind, weniger Lärm, da die Fahrzeuge wesentlich leiser sind“. Außerdem seien die sogenannten Bemu-Fahrzeuge weniger störungsanfällig als die heutigen Dieselfahrzeuge. Bemu steht für „Battery Electric Multiple Units“. Solche Fahrzeuge sind bereits unter anderem im Nahverkehr Schleswig-Holstein auf nichtelektrifizierten Strecken im Dauereinsatz. Damit wird ein Halbstundentakt zwischen Bielefeld und Lemgo möglich. Der kommt dadurch zustande, dass ein Doppelzug von Bielefeld in Lage geteilt wird. Ein Teil dieses „Flügelzugs“ fährt weiter Richtung Detmold, der andere Richtung Lemgo. Mit der Anschaffung der Akku-Triebwagen wird aber auch die Elektrifizierung der Strecke zwischen Bielefeld und Lage beziehungsweise Lemgo obsolet. „Das wäre mit enormen Kosten verbunden“, sagt Kommissionsmitglied Kalkreuter. Und: „Die Entscheidung für neue Akku-Triebwagen ist eine Entscheidung für die nächsten 30 Jahre.“ Oberleitungen als Auflademöglichkeiten müssten trotzdem punktuell gebaut werden, beispielsweise im Bahnhof Lemgo. Die Triebwagen müssen ja ihre Akkus auch unterwegs wieder aufladen können. „Lage bei der Eurobahn deutlich besser“ Bei allen avisierten Verbesserungen wie dem Halbstundentakt, die er ausdrücklich begrüße, klingt bei Kalkreuter auch die Skepsis durch, ob die Pläne denn im vorgesehenen Zeitrahmen verwirklicht werden. Nach seinen Erfahrungen dauere so etwas immer sehr lang. Man habe bereits jetzt viel damit zu tun, den Status quo des Nahverkehrs zu halten, auch wenn sich die Lage bei der Eurobahn nach der Übernahme durch den NWL deutlich verbessert habe. Aber etwa die Regionalexpress-Linie 82 von Bielefeld über Detmold nach Altenbeken mit ihrem ausgedünnten Fahrplan sei weiter eine Baustelle. Derweil ist für 2029 auch ein Halbstundentakt per Flügelzug zwischen Bad Salzuflen und Bielefeld via Herford vorgesehen. Generell wollen die NWL-Planer mit der Vorstufe 1 mehr Zuverlässigkeit des Bahnbetriebs erreichen. Das bedeutet neue Zugkreuzungen, und zwar in Lemgo und in Bielefeld-Ost. An dieser Stelle treffen sich bereits seit kurzem der RE 82 und die RB 73. Bahnsteige werden möglicherweise verlängert, damit dort Doppel-Triebwagen halten können – je nachdem, welche Akku-Fahrzeuge angeschafft werden. Das alles soll Entlastungen für den Fahrplan bringen. Nicht vorgesehen ist für 2029 der Neubau eines Ausweichgleises in Ehlenbruch, das dort Zugbegegnungen möglich machen würde. Nach Berechnungen des Fahrgastverbands Pro Bahn OWL würde es die häufigen Verspätungen im lippischen Bahnverkehr vermindern – denn diese schaukeln sich häufig auf, weil Züge auf den eingleisigen Strecken erst den Gegenzug abwarten müssen, bevor sie losfahren dürfen. Für die Planer beim NWL würde eine Begegnungsmöglichkeit in Ubbedissen noch mehr bringen als das zweite Gleis in Ehlenbruch. Die Planungen sehen den Bau von Ausweichgleisen für das „Zielnetz 2040“ vor, wenn die S-Bahn OWL voll ausgebaut ist – inklusive reaktivierter Begatalbahn bis Barntrup und weiterer Zugverbindung von Bielefeld über Detmold nach Paderborn. Die Finanzierung hierfür ist allerdings nicht geklärt, ebenso ist unsicher, ob das Jahr 2040 – wiewohl in weiter Ferne – zu halten ist. Pro Bahn fordert mehr Gleiskapazitäten Auf eine Kapazitätserweiterung des lippischen Bahnnetzes drängt der Fahrgastverband Pro Bahn OWL seit langem. Für den stellvertretenden Bezirksvorsitzenden Dr. Rudolf Hüls aus Lage kommt ein Ausbau im Jahr 2040 deutlich zu spät. Die Notwendigkeit werde durch ein Erlebnis von Ende Juni deutlich, so Hüls. Da habe es bei der Regionalbahn 72 auf der Strecke Herford–Paderborn allerhand Verspätungen gegeben, etwa in Schötmar und Lage. Warum, sei ihm klargeworden, als in Schötmar „plötzlich um 16.04 Uhr aus der Gegenrichtung ein ICE in Richtung Herford“ vorbeigerauscht sei. Weil es zu wenige Begegnungsmöglichkeiten auf den eingleisigen Strecken gebe, führe die zusätzliche Fahrt eines ICE, der wegen Störungen anderswo offenbar durch Lippe umgeleitet wurde, zu Chaos im Regionalverkehr.